Zu Gast im Familien- und Kinderservicebüro

Cartoonistin Renate Alf nimmt Trends auf die Schippe

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Zum zehnjährigen Geburtstag des Familien- und Kinderservicebüros gibt es im Rathaus-Foyer eine Bilderausstellung mit Werken von Renate Alf.

Barnstorf - Sie ist Mutter von vier Kindern, teilt sich den Haushalt mit ihrem Ehemann, hat Lehramt studiert, arbeitet aber lieber als Cartoonistin. Die Rede ist von Renate Alf aus Weimar, die Bücher mit Titel „Mütter!“, „Großmütter!“, „Cartoons für Lehrerinnen“, „Der reinste Kindergarten“ und „Schule ist, wenn man trotzdem lacht“ malt und dazu schreibt.

Zum zehnjährigen Geburtstag des Familien- und Kinderservicebüros der Samtgemeinde Barnstorf empfingen in Zusammenarbeit Susanne Best und Christiane Roth zahlreiche Gäste am Donnerstagabend im Rathaus-Foyer zur Bilderausstellung und im Ratssaal zum Vortrag der Cartoonistin.

Was die Gäste mit bunten Süßigkeiten im Foyer, mit rosa und bleu gerahmten Cartoons der Künstlerin Alf erwartete, wurde schnell klar: Ein mit einem Augenzwinkern, mal mit ein wenig mehr Kritik und manchmal auch mit der Holzhammer-Methode, ein aufmerksam machen auf die neuesten Sinn- oder Unsinn-Trends der aktuellen Familienstrukturen und Alltagsplanung zwischen Elternsein, Beruf, Elternbetreuung und Ich-Sein.

Und noch eines zeigten die Cartoons mehr als deutlich: Wer da den hundertprozentigen Anspruch pflegt, ist hoffnungslos verloren, jedenfalls als Frau. „Wir haben bereits im Vorfeld der Ausstellung so gelacht, beim Ausdrucken, Rahmen und Aufhänger der Cartoons und viele Mitarbeiter im Rathaus auch“, erläutert Susanne Best und stellt klar, dass sie die Bilddateien von der Künstlerin digital bekam und dann das operative Arbeiten losging. „20 Exemplare zur Kindertagespflege heute, werden ab nächster Woche in Rehdens Rathaus zu sehen sein“, verrät sie.

Schelmisch, nicht trocken

Was die Künstlerin Alf umtreibt im Familien- und Berufsleben, malt sie sich konzentriert mit dem genau richtigen Quäntchen an Sozialkritik mit Bodenhaftung von der Seele, bringt die Sorgen und Befürchtungen von Eltern, Großeltern auf den Punkt. Und ihr Vortrag ist natürlich kein Vortrag im herkömmlichen Sinn, sondern die schelmische Zusammenfassung von kollegialen Erfahrungen als Eltern. Im Mittelpunkt die Figuren mit den großen Nasen. „Die Nasen werden so groß, wenn man so viel malt“, erläutert sie cool.

Aber auch Susanne Best überzeichnete in ihrer Einführung zum Vortrag: „Früher schrieb man Kindergrippe mit G, heute mit K“. Meinte damit, dass die Institution Familien- und Kinderservicebüro mit ihrem ausgedehnten Netzwerk, den Personen, die dahinterstehen sich einmal selbst kräftig auf die Schulter klatschen sollten. Ganz sicher war sie sich aber: „Ohne Spaß und Freude keine gute Leistung, kein Lernen und Humor sei auch für Kinder das beste Rezept“. Auch wenn sie sich sehr genau an den ersten Vortrag ihrer Amtszeit in Barnstorf erinnerte: „Risiken und Nebenwirkungen der frühen Fremdbetreuung“.

„Kindertages-Pflegeperson, sein erstes Wort“

Das war die Steilvorlage für Renate Alf. Denn sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die frühkindliche Betreuung, Betreuungsoptionen, Kindergarten und Schule genau unter die cartoonistische Lupe zu nehmen. Kein Wunder, wenn da Bilder entstanden, die Maria und Jesus an der Krippe als die ideale Krippe mit Betreuungsschlüssel eins zu zwei oder wenn sich eine Mutter freut, dass das Wort ihres Zöglings „Kindertages-Pflegeperson, sein erstes Wort“ lautet. Wenn Alf darüber malt, dass Mütter zwischen 16.50 und 16.55 Uhr durchaus Anspruch auf Relaxen haben, sie ansonsten aber zwischen Kinderkrippe und Seniorentagesstätte hin- und her düsen. Oder der Sohn zur Einschlafzeremonie fragt: „Du Mama, bist Du eigentlich meine Nachtmutter?“. Das schmerzt schon. Skurril wird es auch im Cartoon: Mutter sitzt abends mit Filius auf Teppich: „He, wachbleiben, jetzt ist Quality-Time“ oder ein fast wortloser Witz, der den Säugling direkt vom Kreißsaal in die Kita fährt.

Alf traut sich: „In Deutschland wird man ja schon schief angesehen, wenn ein Kind nicht in Krippe oder Kindergarten war. Aber ich gebe zu, nicht jeder hat einen Klavierlehrer zu Hause“. Das Ehepaar Alf erzog die zwei Söhne und zwei Töchter nämlich arbeitsteilig zuhause.

Ihre Bücher fanden reißenden Absatz am Buchtisch der Bücherei Seitenwind, manche Käufer kauften stapelweise, in der Hoffnung, beim Lesen noch mehr aufs Korn genommen zu werden und so den Alltagsstress besser zu ertragen nach dem Motto: Mit Humor geht alles besser, mit Selbstkritik auch.

sbb

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