HAUSGESCHICHTE(N) Im Keller lagert das Eis

Bier für die Region: Gelände der ehemaligen St. Jacobi-Brauerei in Drebber

Ein Bild der ehemals fünfstöckigen Bierbrauerei St. Jacobi in Drebber.
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Ein Bild der ehemals fünfstöckigen Bierbrauerei St. Jacobi in Drebber.

Drebber – Wo aktuell der Angelshop Reddig in Drebber steht, wurde vor über 100 Jahren noch Bier gebraut. Der heutige Grundstückseigentümer Bernd Reddig sowie Samtgemeindearchivarin Renate Kunstmann geben Einblicke in die Geschichte der ehemaligen Brauerei und der Veränderungen des Geländes.

Anfang 2019 wurde eine Anfrage an die Barnstorfer Samtgemeindearchivarin Renate Kunstmann seitens eines italienischen Historikers gestellt. Auf dem Friedhof in Costermano am Gardasee habe der Historiker den Grabstein des Gefreiten Günter Dieckmann gefunden, geboren am 11. Mai 1912 in Jacobidrebber, gefallen am 28. April 1945.

Bei der hiesigen Recherche kam gleichzeitig eine Häusergeschichte zum Vorschein: Der Vater des in Italien gefallenen Soldaten war der Brennereidirektor Johann Friedrich Dieckmann von der St. Jacobi-Brauerei in Jacobidrebber. Er war bis 1914 als Geschäftsführer für große Umbaumaßnahmen, wie beispielsweise das mehrstöckige Sudhaus, zuständig.

Der erste größere Gewerbebetrieb wurde in Jacobidrebber am 1. Juli 1899 gegründet.

Es war die St. Jacobi-Brauerei. Initiator der Gesellschaft war Ökonomierat Dr. H. Knüpling.

Der Sohn des Agrarökonomen und Erbauers der Brauerei habe das Grundstück samt Überresten an Bernd Reddig verkauft: „Ich war um die 20 Jahre alt und hatte kaum Geld, konnte mich aber mit der Gemeinde einigen.“

Wo ehemals die St. Jacobi-Brauerei in Drebber stand, besitzt Bernd Reddig nun seine Unternehmens- und Bürogebäude.

Der heute 77-jährige Drebberaner erklärt, warum sich die Brauerei in Drebber angesiedelt hatte: „Das Wasser der Drebber Höhe war sauber und es gab nicht weit von hier mehrere tiefe, gemauerte Brunnen. Aus ihnen konnte das für den Brauvorgang benötigte Wasser bezogen werden.“

Bis zum ersten Weltkrieg war eine stete Aufwärtsentwicklung festzustellen. 1905 wurde die Produktion von Malzbier aufgenommen.

Die Errichtung eines Trebertrockenraumes war die nächste größere Baumaßnahme im Jahr 1911 . Über diesen Bau wurden vier Wohnungen für die in der Brauerei beschäftigten Arbeiter geschaffen. Auf dem nebenstehenden Grundstück befand sich das alte Fachwerk-Wohnhaus Knüpling. Heute wohnt Bernd Reddig mit der Familie seines Sohnes und seinen Enkeln auf diesem Grundstück.

Nach mehrfachen Erweiterungen baute der Firmenchef 1914 ein neues Sudhaus. Das Sudhaus wurde als mehrstöckiges Eckhaus neben dem Kesselhaus errichtet.

Kessel standen auf dem Dach der Brauerei

Die Kessel der fünfstöckigen Brauerei in Drebber befanden sich auf dem Dach.

Im nur rund 1,5 Meter hohen Kriech-Keller lagerte der Bierhersteller Eis zur Kühlung der Bierfässer im Frühjahr und Sommer. Mitarbeiter schafften im Winter Eisblöcke per Pferdefuhrwerk in Zinkwannen auf Rädern vom nahe gelegenen Öhlner See an. „Die Wände im Keller sind auch heute noch gut isoliert. Rund 20 Zentimeter Kork wurden in den Gemäuern verbaut, damit sich das Eis hielt“, so Reddig.

Im Umkreis von rund 20 Kilometern lieferte das Unternehmen das Bier aus. Zum Transport wurden Wagenremisen an die Brauerei gebaut.

Der erste Weltkrieg und die Inflation brachten dann allerdings die Jacobi-Brauerei in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Nach dem ersten Weltkrieg, als es neue Kühlmöglichkeiten und Transportwege gab, braute Haake Beck sein Bier in Bremen. 1928 wurde der Betrieb eingestellt. Die Bierbrau-Firma nutzte das Gebäude in Drebber ab 1929 als Kükenfarm, gab diese Nutzung aber nach einigen Jahren wieder auf.

Nachnutzung als Lager

Die Gebäude in Drebber nutze das Unternehmen zunächst als Lager weiter. Sechs Jahre später wurde das Anwesen zum Verkauf angeboten. Das Sudhaus und weite Teile der Brauerei wurden abgerissen.

Während des zweiten Weltkrieges war auf dem Grundstück eine Außenstelle des Diepholzer Fliegerhorstes beheimatet.

Beim Umbau der übergeblieben Gebäudeteile entdeckte Bernd Reddig, dass die Gebäudemauern überdurchschnittlich dick waren: „2,20 Meter war die dickste Mauer stark. Damit die Statik des damals fünfstockigen Gebäudes hielt, musste das Früher so gemacht werden. Das Gewicht der Kessel wirkte weit oben, deshalb ist auch das Fundament extra stark.“

Unzählige kaputte Glasflaschen hätte Reddig auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei in Drebber nach dem Kauf des Grundstückes gefunden. „Nur einzelne sind über all die Jahre ganz geblieben.“

Heute steht auf dem Gelände an der B51 in Drebber eine Halle, die dem Angelshop Reddig rund 600 Quadratmeter Ladenverkaufsfläche bietet. Außerdem befinden sich Büro-Räume, sowie Logistik- und Verpackungs-Räume in den Gebäuden.

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