Im 19. Jahrhundert wurde es eng

Vortrag von Dr. Anna Masuch: Bevölkerung verhinderte Abriss der Marienkirche

Als Fachfrau auf dem Gebiet der Architektur ging Dr. Anna Masuch auch auf bauliche Aspekte der Kirche ein.

Drebber - Die Kirchengemeinde Mariendrebber hatte sich zum „Tag des offenen Denkmals“ mehrere Angebote einfallen lassen, um die Menschen aus der Region mit der Marienkirche vertraut zu machen. Ein geöffnetes Gotteshaus, ein Kirchencafé in den Gemeinderäumen und ein mit viel Brisanz im Hinblick auf die Geschichte des Ortes gewürzter Vortrag sprachen das Publikum an.

„Die Menschen nahmen die Aktionen gut an“, resümierte Pastor Rainer Hoffmann. Insbesondere Dr. Anna Masuch habe die mehr als 100 Gäste, die sich in der Marienkirche versammelten, trotz anfänglicher akustischer Probleme schnell in ihren Bann gezogen. Mit leichten Pinselstrichen zeichnete die pensionierte Ingenieurin aus Lübeck die Geschichte Drebbers nach und räumte nebenbei mit immer noch erzählten Traditionen auf.

Laut Mitteilung des Pfarramtes umriss Masuch im ersten Teil ihres dreiteiligen Vortrags zunächst den mittelalterlichen Weg, der einst von Jever über Wildeshausen nach Herford führte. Einen besonderen Schwerpunkt legte sie dabei auf die Aussagen von alten Urkunden zu Thriburi. Ihre Erkenntnis: Nicht drei Bauernhöfe sind es, die sich als Gründungsorte ausmachen lassen, sondern drei Rastorte, deren Existenz sich aufgrund der besonderen topografischen Gegebenheiten ergaben, denn die heutige Gemarkung Drebber war im Mittelalter ein schwieriges wasser- und sumpfreiches Gelände.

Nach Angaben der Referentin gab es – für die damalige Zeit recht ungewöhnlich – an drei Orten sehr nahegelegene Raststationen, die das Gebiet des heutigen Drebber prägten. An einer dieser Stationen wurde auch eine Kapelle errichtet. Sie stand ungefähr auf dem heutigen Standort der Marienkirche und war mit ein Grund dafür, dass der immer wiederkehrende mittelalterlichen Landstreit mit den in der Gegend ansässigen Edelherren stets zugunsten der Osnabrücker Bischöfe ausging.

Ursprünglich war die Marienkirche ein Holzbau

Auf die Bedeutung dieses Streites ging Masuch im zweiten Teil des Vortrags ein, der sich um die Baugeschichte der Kirche um 1281 drehte. Als Fachfrau auf dem Gebiet der Architektur verwies sie zunächst auf die baulichen Aspekte. Sie wies darauf hin, dass die Kirche, die ursprünglich ein Holzbau war, bereits kurz nach der Errichtung schnell erweitert wurde. So entstanden der südliche Anbau, der große Chor und die heutige Sakristei.

„Der Bau der Marienkirche kann nur in enger Verbindung mit den Bischöfen von Osnabrück verstanden werden“, verdeutlichte Masuch die politischen Hintergründe. Die Bischöfe hätten den Bau und Umbau veranlasst, also nicht die Edelherren von Diepholz, wie oft gemutmaßt werde. Die Edelherren hätten im Streit mit den Osnabrückern versucht, Landbesitz in Drebber zu bekommen und lange Zeit keinen Bezug zur Marienkirche, denn ihr kirchlicher Bezugspunkt war die erst ab 1380 errichtete Privatkapelle in Sankt Hülfe.

Nach einem kurzen Exkurs in die Zeit der Reformation kam Masuch im dritten Teil auf die für die Marienkirche bedeutsame Zeit in den Jahren 1844 bis 1860 zu sprechen. Es war der Kampf um den Fortbestand des Gotteshauses. Kirchenbaumeister Hellner aus Hannover hatte bereits Pläne für einen Abriss und eine Neugestaltung ausgearbeitet und wollte das damals in keinem guten Zustand befindliche Gebäude abreißen lassen. Er hatte die Rechnung aber ohne den Kirchenvorstand und die Bevölkerung gemacht.

Die Bevölkerung setzte sich gegen die kirchliche Obrigkeit durch

In einer Gemeindebefragung verweigerte man sich unter Berufung auf ihre Freiheitsrechte der noch aus der Feudalzeit stammenden Aufforderung nach Hand- und Spanndiensten nachzukommen. Gleichzeitig schaffte die Gemeinde Fakten, in dem sie einen Teil des damals maroden Gotteshauses eigenständig erneuerte. So zeigte die Kirchengemeinde, wie Masuch sichtlich erfreut ausführte, dass sie gewillt war, ihre Kirche zu erhalten. 

Es gelang ihr dann auch mit Durchsetzungsvermögen und Standhaftigkeit die Marienkirche in bewährter Form zu erhalten. Eine ermutigende Geschichte, denn die Gemeinde habe sich gegenüber der kirchlichen Obrigkeit auf ganzer Linie durchgesetzt, sagte die Referentin.

Ihre Mutmachgeschichte ergänzte Masuch durch die sichtbaren Erneuerungen. Die Eisenguss-Technik, die in dieser Zeit eine Blüte erlebte, hielt damals Einzug in die Marienkirche und ist noch heute an den Fenstern und an den Säulen der Empore zu bewundern. Gleichzeitig wurde in dieser Umbauphase ein altes Problem, aus der Welt geschafft. Der Sarg des Grafen, der bis dahin im Chor gestanden hatte und den Blick zum Altar trübte, wurde in den südlichen Anbau geschafft. Dieser bis dahin separate Teil wurde nun aufgebrochen.

Die Veränderung habe der Kirche gut getan, ebenso wie das neue Fenster, das auf der gegenüberliegenden Seite eingebaut wurde. Die Kirchengemeinde Mariendrebber habe gezeigt, dass sie modernen Trends durchaus offen gegenüberstehe, resümierte die Referentin, die für ihre weitreichenden Ausführungen einen kräftigen Applaus erhielt. Ihre Ankündigung, die Erkenntnisse demnächst zu veröffentlichen, erfreute nicht nur Pastor Hoffmann, sondern alle Bürger, denen die Marienkirche am Herzen liegt.

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