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Blackout nach Blitzeinschlag: Barnstorfer warten wochenlang auf Internet

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Von: Jannick Ripking

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Der Router leuchtet wieder grün: Bernd Schwieters musste fast fünf Wochen darauf warten, bis er zuhause wieder Internet hatte.
Der Router leuchtet wieder grün: Bernd Schwieters musste fast fünf Wochen darauf warten, bis er zuhause wieder Internet hatte. © Jannick Ripking

Viele Beschwerden, viel Ärger, lange kein Ergebnis: Nachdem ein Blitzeinschlag mehrere Haushalte in einer Barnstorfer Siedlung kommunikationstechnisch lahmgelegt hatte, funktionierte wochenlang nichts. Anwohner der Stettiner Straße sind enttäuscht vom Kundenservice der Telekom.

Barnstorf – Ein lauter Knall, danach war das Internet weg – in knapp 30 Haushalten. Bernd Schwieters ist einer der Betroffenen. Er wohnt an der Stettiner Straße. Dort ist in der Nähe ein Blitz am 25. Februar in eine Oberleitung eingeschlagen. „Das hat kurzerhand die ganze Siedlung lahmgelegt“, erinnert er sich. Doch die großen Probleme kamen erst danach – besonders für einige Kunden der Telekom.

„Drei Wochen ist hier überhaupt nichts passiert“, sagt Schwieters. Dabei habe er täglich versucht, den Kontakt zur Telekom aufzubauen, was sich als schwierige Aufgabe erwies: „Es gibt keine konkrete Nummer, bei der man anrufen kann, um sich über konkrete Probleme zu beschweren.“ Er sei immer nur bei einer Hotline gelandet. „Dort sind die Mitarbeiter ja freundlich und bemüht, aber sie schicken ja auch nur eine E-Mail an den Zuständigen weiter“, vermutet Bernd Schwieters. Seine Lebensgefährtin Nicole Stellmacher hat sogar ein wenig Mitleid mit den Angestellten eines Callcenters: „Es trifft die Falschen, wenn man da anruft.“ Besonders wenn ein Kunde Frust habe. „Natürlich ist man sauer, aber die Leute im Callcenter können ja auch nichts dafür“, sagt sie.

Telekom: „Alle Störungen bearbeitet“

„Wir haben in den ersten Wochen einen Termin nach dem nächsten bekommen“, berichtet sie. „Aber es kam keiner.“ Erst in der dritten Woche seien Monteure für die Telekom in die Siedlung nach Barnstorf gekommen. „Und dann haben sie drei Haushalte angeklemmt“, erinnert sich Schwieters. Als er dann frage, weshalb sie seinen Haushalt nicht auch direkt wieder mit Telefon und Internet versorgten, habe die Antwort gelautet: „Wir haben für Sie keinen Auftrag.“

Und so gehe das nun für einige Anwohner schon weitere zwei Wochen. Immer mal wieder bekommen laut Schwieters einzelne Haushalte ihre Internetverbindung zurück. „Die Telekom weiß ganz genau, was hier los ist“, meint er. „Warum schickt sie dann einen los, und der kümmert sich dann nur um drei Haushalte? Warum bekommen manche ihr Internet zurück und andere nicht?“, fragt er.

Auf Nachfrage teilt die Telekom mit, dass derzeit kein offenes Störungsticket im genannten Gebiet vorliege. Es habe zwar Meldungen für die Stettiner Straße, Kraftskamp und Im Felde gegeben, aber „all diese Störungen sind bereits abschließend bearbeitet und abgeschlossen worden“, so eine Telekom-Sprecherin. Konkrete Fragen zu den geschilderten Problemen beantwortete der Telekommunikationsanbieter nicht.

Die Telekom weiß ganz genau, was hier los ist. Warum schickt sie dann einen los, und der kümmert sich dann nur um drei Haushalte? Warum bekommen manche ihr Internet zurück und andere nicht?

Bernd Schwieters, Anwohner

Schwieters und Stellmacher haben seit Kurzem zwar tatsächlich wieder eine funktionierende Internet- und Telefonverbindung. „Aber ich glaube, ich hatte einfach Glück, dass ich plötzlich direkt bei einem zuständigen Mitarbeiter gelandet bin“, vermutet Bernd Schwieters. Denn danach ging es auf einmal schnell. Ein Monteur kam vorbei und hat das Problem gelöst.

Aber das treffe entgegen der Aussage der Telekom nicht auf alle zu. Zwei Häuser weiter wohnt Renate Teichert mit ihrem Sohn. „Wir haben hier gar nichts – kein Internet, kein Telefon“, beschwert sie sich. „Seit fünfeinhalb Wochen.“ Und auch ihr Sohn versuche regelmäßig, jemanden bei der Telekom zu erreichen. „Er ruft täglich bei der Beschwerdestelle an. Seit Wochen sagen sie uns, dass es Freitag fertig ist.“ Allerdings seien seitdem schon einige Freitage ins Land gezogen.

Wenn nichts mehr ankommt: Bei vielen Haushalten an der Stettiner Straße, Im Felde und Kraftskamp in Barnstorf war die Verbindung zum Internet nach einem Blitzschlag weg und das Telefon tot. Kunden der Telekom warten teilweise bis heute noch darauf, wieder Surfen zu können.
Wenn nichts mehr ankommt: Bei vielen Haushalten an der Stettiner Straße, Im Felde und Kraftskamp in Barnstorf war die Verbindung zum Internet nach einem Blitzschlag weg und das Telefon tot. Kunden der Telekom warten teilweise bis heute noch darauf, wieder Surfen zu können. © Imago Images / Stock and People

„Das ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten“, ärgert sich Bernd Schwieters. „Unter Kundenservice stelle ich mir etwas anderes vor.“ Zumal man sich natürlich in der Nachbarschaft auch ausgetauscht habe: Das Problem, dass es so lange dauert, haben laut Schwieters offenbar nur Telekom-Kunden. „Die Nachbarn, die bei 1&1 sind, hatten alle relativ schnell wieder Internet“, sagt er.

Die Telekom habe BerndSchwieters und Nicole Stellmacher Alternativen zur Überbrückung des Problems angeboten. Doch die seien in der Praxis nicht wirklich umsetzbar gewesen. „Sie wollten uns einen LTE-Router zur Verfügung stellen.“ Aber die beiden empfangen zuhause nur Edge – die derzeit schwächste Mobilfunkverbindung. „Davon hätten wir also nichts gehabt“, sagt er. Deswegen lautet sein Urteil: „Telekom und auf dem Lande leben ist nicht gerade kompatibel.“

Renate Teichert stellt eine andere These in den Raum: „Wir bekommen hier Glasfaser und sind dann gar nicht mehr bei der Telekom.“ Vielleicht seien diese Kunden dem Anbieter aus Trotz nicht mehr so wichtig, „aber man vermutet ja nur“.

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