Rat beschließt Abschaffung des Volksfestes

Krammarkt ist Geschichte

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Bürgermeisterin Elke Oelmann und Festwirt Ludolf Roshop beim Fassanstich im Jahr 2014, als ein Bierkrug zu Bruch ging. Die Scherben brachten offenbar kein Glück. Der Rat des Fleckens Barnstorf beschloss am Mittwochabend die Abschaffung des Krammarktes.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Der Rat des Fleckens Barnstorf schafft Fakten: Mit einem mehrheitlichen Beschluss hat die Politik am Mittwochabend das Ende des traditionsreichen Krammarktes besiegelt.

Der zuständige Marktausschuss soll jetzt Lösungsmöglichkeiten für eine attraktive Ersatzveranstaltung erarbeiten. Unter dem Motto „Bunte Hunte“ soll sich das Geschehen voraussichtlich im Spätsommer 2016 nahe des Flusslaufes am Freizeitbad Hunteholz abspielen.

Die öffentliche Diskussion im Fleckensrat offenbarte einmal mehr die Schwierigkeit dieser Entscheidung, die aufgrund der rückläufigen Resonanz des Volksfestes im Herzen von Barnstorf getroffen wurde. Insbesondere die Stellungnahme von CDU-Ratsherr Ludolf Roshop, der sich mit seinen Fraktionskollegen Peter Luther und Günter Rödenbeck der Stimme enthielt, machte die innere Zerrissenheit deutlich. „Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, sagte der Hotelier, der als langjähriger Festwirt einen besonderen Bezug zum Krammarkt hat, aber auch um die Probleme in jüngster Vergangenheit weiß – und um die Notwendigkeit, sich manchmal von Dingen trennen zu müssen, wenn sie nicht mehr liefen, so der Ratsherr.

Schon sein Vater Ludwig habe vor 65 Jahren Bier und Schnaps auf dem Volksfest am Marktplatz ausgeschenkt, schwelgte Ludolf Roshop in Erinnerungen. Durch die von der heimischen Geschäftswelt getragenen Gewerbeschau habe sich die Veranstaltung gut entwickelt. Doch der Zuspruch sei seit einigen Jahren geringer geworden. Einige größere Betriebe würden inzwischen nicht mehr in Barnstorf, sondern in anderen Orten wie Rehden ausstellen. „Mit der Gewerbeschau hätten wir eine Chance gehabt. Aber die Fördergemeinschaft zieht nicht in dem Maße mit“, bedauerte Roshop.

Auch Ratsherr Alexander Grimm (BiF) stellte fest, dass heimische Betriebe über die Gemeindegrenzen hinaus bei Gewerbeschauen vertreten seien. Die Beteiligung bei den letzten Krammärkten sei hingegen „desaströs“ gewesen. Hier hätte es mehr Hand in Hand gehen müssen. Die Situation sei mehr als traurig, meinte Grimm, aber sie ließe der Gemeinde keine andere Wahl, als es anders zu machen. Nun müssten „zeitgemäße, moderne Entscheidungen“ getroffen werden, meinte Grimm.

Auch in der FDP-Fraktion standen die Zeichen auf Veränderung. Ein attraktiver Markt sei ein Aushängeschild für jede Gemeinde, aber wenn es nicht laufe, würden nur Kosten verursacht, so Klaus Naber. Angesichts der rückläufigen Resonanz bei Ausstellern und nicht zuletzt Besuchern kam er zu dem Schluss: „Die Barnstorfer Bevölkerung hat mit Füßen entschieden.“ Ihm tue es leid um die Tradition, so Naber weiter, aber angesichts der Entwicklung müsse die Gemeinde neue Wege gehen. Sein Appell ging an die Bevölkerung, die Marschroute zu unterstützen.

Fredy Albrecht (SPD) konnte sich mit dem Beschluss ganz und gar nicht anfreunden: „Das ist ein Armutszeugnis für Barnstorf“, befand der Ratsherr. Er stimmte als einziger Ratsvertreter gegen die Abschaffung des Krammarktes. Die Verantwortlichen hätten sich nicht nur an schlechten Beispielen orientieren sollen. In Orten wie Rehden, Wagenfeld oder Kirchdorf laufe die Gewerbeschau. Albrecht zeigte sich äußerst skeptisch, dass es dem Marktausschuss gelinge, in wenigen Monaten ein neues Konzept auf die Beine zu stellen.

„Ambitioniert“, räumte Bürgermeisterin Elke Oelmann ein, die als Mitglied des Marktausschusses die Ausarbeitung eines neues Konzeptes unterstützt. „Wir haben uns diesen Vorschlag reiflich überlegt und nicht einfach gemacht“, unterstrich Oelmann. Es werde bereits mit Hochdruck eine Alternativ-Veranstaltung geplant. „Wir haben viele Ideen, aber wir müssen auch sehen, was finanziell möglich ist“, so die Bürgermeisterin.

Laut Fachbereichsleiterin Frauke Brüning soll die Ersatzveranstaltung für den Krammarkt alle zwei Jahre – im Wechsel mit dem Barnstorfer Ballon-Fahrer-Festival – über die Bühne gehen. Dabei solle die Hunte als Merkmal und Standortvorteil des Ortes einbezogen werden. Schauplatz könnte der Bereich nahe Freibad/Huntebrücke sein, wo es bereits eine erste Begehung durch die Beteiligten gegeben hat. Als Termin wird eines der letzten beiden August-Wochenenden ins Auge gefasst.

Zur 242. Ausgabe des Barnstorfer Krammarktes wird es damit nicht mehr kommen. Laut Ratsbeschluss wird die Aufhebung der Festsetzung des Krammarktes beim Landkreis Diepholz beantragt. Diese Entscheidung muss aber nicht für alle Ewigkeit in Stein gemeißelt sein. Auf Anfrage aus dem Rat erklärte Brüning, dass das Volksfest auch wieder eingeführt werden könne, sofern die Entscheidung entsprechend begründet werde.

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