Bausteine für junge Familien

„Café Kinderwagen“ wäre eine sinnvolle Ergänzung

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Zur Begrüßung der Neugeborenen kommen Martina Heuer (r.) und Kathrin Rohlfing nicht mit leeren Händen. Neben vielen Informationen gibt es kleine Präsente.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Die Samtgemeinde Barnstorf wirbt gerne mit Familienfreundlichkeit. Ein kleiner Baustein ist das Babybegrüßungsteam, das bereits seit mehreren Jahren die Neugeborenen aufsucht. Nun könnte ein weiteres Angebot für junge Eltern hinzukommen.

„Café Kinderwagen“ nennt sich das Projekt, das vom Landkreis Diepholz unterstützt wird. Doch zum Nulltarif gibt es auch diese Hilfestellung nicht. Darum muss die Politik entscheiden, ob und in welchem Umfang diese Arbeit umgesetzt wird.

Der Kinder-, Jugend-, Sozial- und Schulausschuss unter dem Vorsitz von Mandy Peukert (SPD) sprach sich in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich für die fachliche Unterstützung von jungen Familien aus. Die passenden Argumente für die Fortsetzung und Ausdehnung des Engagements kamen direkt aus der Praxis. Netzwerkkoordinatorin Kerstin Nicolaysen schilderte das Konzept der „Frühen Hilfen“ auf Kreisebene, während Martina Heuer und Kathrin Rohlfing über ihre Hausbesuche berichteten.

„Jede Familie ist anders“, erklärte Heuer, die gemeinsam mit Rohlfing pro Jahr etwa 100 Hausbesuche absolviert, um die Eltern der neuen Erdenbürger mit Informationen einzudecken. Neben einem prall gefüllten Ordner gibt es Ratschläge zur Kinderbetreuung, Antworten auf brennende Fragen und auch kleine Geschenke. „Aber keiner wird zwangsbeglückt“, fügte Susanne Best hinzu, die als Leiterin des Familien- und Kinderservicebüros für die Organisation der Termine zuständig ist.

Koordiniert die „Frühen Hilfen“ im Landkreis Diepholz: Kerstin Nicolaysen (r.), hier mit Fachbereichsleiterin Frauke Brüning.

Ob die gut einstündigen Gespräche sich für die Eltern lohnen, weiß der Begrüßungsdienst nicht mit Bestimmtheit. Häufig gebe es Fragen zur Ernährung. Wo Mütter vereinsamt, isoliert oder überfordert seien, könne eine Vermittlung an Fachstellen erfolgen. Doch eine Kontrolle, ob die Ratschläge und Informationen fruchten, gebe es nach dem einmaligen Kontakt nicht: „Unser Besuch ist nur eine Momentaufnahme“, so Heuer.

Keine einmalige Sache, sondern eine dauerhafte Einrichtung wäre das „Café Kinderwagen“, das es bereits seit vergangenem Herbst in Sulingen, Stuhr und Bruchhausen-Vilsen gibt und auch in Barnstorf etabliert werden könnte. „Ein maßgeschneidertes Angebot für junge Eltern“, erklärte Kerstin Nicolaysen, die die Kommunen bei der Umsetzung der „Frühen Hilfen“ begleitet.

Das „Café Kinderwagen“ richtet sich an Eltern mit Kindern im Alter von bis zu einem Jahr. Im Gegensatz zu weitverbreiteten Krabbelgruppen sind hier eine Hebamme und eine pädagogische Fachkraft dabei. Bei den eineinhalbstündigen Treffen stehen Fragen rund ums Baby im Mittelpunkt. Ziel sei es, die elterlichen Kompetenzen zu stärken, so Nicolaysen.

Die regelmäßigen Treffen seien kostenfrei. Anders als in privat organisierten Gemeinschaften könnten Neulinge leicht Zugang finden. In dem Kreis könnten auch sensible Themen angesprochen werden. Wo Betroffene nicht mehr weiter wüssten, erfolge eine Vermittlung an Fachstellen. Die Erfahrungen in den bereits beteiligten Kommunen des Landkreises Diepholz sollen positiv sein. „Der Bedarf an Austausch ist groß“, berichtete die Netzwerkkoordinatorin. Eine erste Umfrage habe ergeben, dass viele Eltern neue Kontakte knüpfen würden.

Finanzierung noch nicht gesichert

Aber das Angebot hat seinen Preis. Der Landkreis Diepholz würde zwar die Hebamme bezahlen, doch die Mittel für die pädagogische Fachkraft müsste die Samtgemeinde Barnstorf zur Verfügung stellen. Die Verwaltung rechnet mit Kosten in Höhe von etwa 3.000 Euro. 

Koordiniert die „Frühen Hilfen“ im Landkreis Diepholz: Kerstin Nicolaysen (r.), hier mit Fachbereichsleiterin Frauke Brüning.

Was das bereits bestehende Babybegrüßungsteam betrifft, stehen etwa 6.000 Euro im Raum, da die Förderung durch das Land voraussichtlich zum 31. Juli 2018 eingestellt wird. Unterm Strich würden sich die Gesamtkosten für beide Angebote auf bis zu 10.000 Euro pro Jahr belaufen, so Fachbereichsleiterin Frauke Brüning.

Im Fachausschuss wurden die Angebote für junge Eltern quer durch alle Fraktionen begrüßt und als Beitrag zur Familienfreundlichkeit der Kommune bezeichnet. Das „Café Kinderwagen“ sei eine sinnvolle Ergänzung, meinte Silke Husmann. Ratskollege Henning Hagedorn sah ebenfalls den Nutzen, lenkte den Blick aber auch auf die erforderliche Finanzierung im Rahmen des Gesamthaushaltes. Er enthielt sich der Stimme. Die Entscheidung in dieser Sache obliegt nun dem Samtgemeindeausschuss. Die Sitzung ist für den 5. Juli anberaumt.

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