Naturschutzring Dümmer betreut Maßnahmen zur Wiedervernässung

„Barnstorfer Moor soll wieder nass werden“

Diplom-Biologe Frank Apffelstaedt zeigte sich mit dem bisherigen Verlauf des Projektes im Großen Moor sehr zufrieden.

Barnstorf - Von Gerhard Scheland. Im Großen Moor bei Barnstorf wurde schweres Geschütz aufgefahren. Immer wieder ackerte sich eine Pistenraupe durch den tiefen Boden, um das Material für die geplante Wiedervernässung der Landschaft zu bewegen. Der Dauerregen der vergangenen Monate spielte dem Naturschutzring Dümmer nicht gerade in die Karten, aber mit dem vorläufigen Ergebnis zeigte sich der Projektträger zufrieden.

Diplom-Biologe Frank Apffelstaedt findet das Projekt großartig. Einerseits, weil so viele private Eigentümer ihre Flächen für eine Wiedervernässung des Barnstorfer Moores zur Verfügung gestellt haben. Zum anderen, weil zahlreiche Moorbesitzer ihn in seiner Meinung bestätigen: „Das Barnstorfer Moor soll wieder nass werden – und wieder wachsen!“ Das sei ganz im Sinne des Naturschutzringes Dümmer, der für das mehrmonatige Entwicklungsprojekt verantwortlich zeichnet.

Das Barnstorfer Moor gehört bereits seit vielen Jahren zur Betreuungskulisse des Naturschutzringes Dümmer und wird schon von jeher als sehr schutzwürdiges Gebiet mit einem hohen Entwicklungspotenzial eingestuft. In dem von Torfabbau geprägten Hochmoor sind in Teilbereichen bereits Abbauflächen wiedervernässt worden. Insbesondere im westlichen Teil des Moores wechseln sich aber im Abbau befindliche Bereiche, noch nicht wieder hergerichtete Flächen und Wiedervernässungsparzellen ab. Auf diesem Zustand basierte der Förderantrag „Revitalisierung von FFH-Hochmoor-Lebensräumen“. Und darauf, dass entwässerte Moorflächen eine große Menge an klimaschädlichen Gasen freisetzen, vor allem das Treibhausgas C02. „Damit ist Moorschutz auch Klimaschutz“, weiß Apffelstaedt.

Projektkulisse von 90 Hektar

„Moortypische, schützenswerte Lebensräume sichern und verbessern und damit die biologische Vielfalt erhalten“, umschreibt der Biologe das wesentliche Projektziel. Erste Schritte in diese Richtung seien durch die Entbuschung von Flächen, die Einwallung von Parzellen und den Verschluss von Gräben erreicht worden. Wiedervernässte Flächen, so Apffelstaedt, würden mit ihren kleinen offenen Wasserflächen oft hochbedrohten Vogelarten einen Lebens- und Rückzugsraum bieten. Kiebitz, Bekassine, Rotschenkel, Großer Brachvogel, aber auch Kleinvögel wie Feldlerche, Wiesenpieper und Braunkehlchen, die in unserer Normallandschaft kaum noch Platz haben, finden hier günstige Bedingungen.

Etwa 130.000 Euro hat das vor dem Abschluss stehende Moorschutzprojekt in Barnstorf gekostet. Mittel, die vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) kommen und aus einem Fördertopf der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes zur Verfügung gestellt wurden. „Mittelfristig umfasst die Projektkulisse eine Fläche von etwa 90 Hektar, von denen in den vergangenen Monaten etwa 40 Hektar bearbeitet beziehungsweise teilweise durch Ankauf gesichert worden sind“, erläutert Apffelstaedt.

Großteil der Flächen in Privatbesitz

Die Zahl der von der Maßnahme betroffenen Flächeneigentümer beziffert der Vertreter des Naturschutzringes auf 14, darunter zehn Privateigentümer und als öffentliche Besitzer das Land Niedersachsen, der Flecken Barnstorf, die Kirchengemeinde St. Veit und der Naturschutzbund. Vor Beginn der Arbeiten hätten mit allen Eigentümern persönliche Gespräche stattgefunden. „Alle sind um ihr Einverständnis gebeten worden, auf ihren Flächen Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen durchführen zu dürfen – mit überwiegend positiver Resonanz und Zustimmung. Die in den Gesprächen zum Kauf angebotenen Parzellen sind im Rahmen des Projektes für Naturschutzzwecke erworben worden“, berichtet Apffelstaedt.

Als wesentliche Bausteine der Maßnahme nennt der Projektleiter die Flächenpflege mit der Entfernung von Birken, Faulbäumen und Kiefern sowie Wiedervernässungen durch Verschließen von Schlitzgräben beziehungsweise Entwässerungsgräben ohne nutzungsrelevante Funktion, um ein „Ausbluten“ der Flächen im Bereich der Gräben zu verhindern. Hinzu kommt die Einwallung von Moorkomplexen, um das Niederschlagswasser künftig auf den Flächen zu halten.

Hohes Entwicklungspotenzial

„Dabei sind wir möglichst schonend vorgegangen. Inseln mit wertvoller Moorvegetation sind stehen geblieben“, betont Apffelstaedt. Das Material für die Einwallung sei vor allem aus den Bereichen geschoben worden, in denen zuvor Gehölze gefräst worden waren. Insgesamt seien etwa 12 000 Kubikmeter Boden bewegt worden. Die Gesamtlänge der Verwallung beziffert der Biologe auf etwa 1 500 Meter – 80 bis 110 Zentimeter hoch und vier Meter breit.

Hohes Entwicklungspotenzial sieht Apffelstaedt in den durch Kauf gesicherten Flächen, während sich andere Bereiche bereits in einem guten Zustand befinden und der typischen Moorvegetation mit Torfmoosen, Glockenheide, Moosbeere, Schnabelried und Sonnentau optimalen Lebensraum bieten würden.

Wiedervernässung schneller als geplant

Durchgeführt wurden die Arbeiten von Unternehmen aus Wagenfeld-Ströhen. Nach umfangreichen Vorbereitungen im August und September waren die eigentlichen Pflegemaßnahmen Mitte Oktober angelaufen. Die finalen Arbeiten wurden durch länger anhaltende Regenfälle erschwert. In den letzten Tagen wurde deswegen schon auf den Einsatz der Pistenraupe auf den durchweichten Flächen verzichtet. „Damit hat die Wiedervernässung schneller eingesetzt als ursprünglich geplant“, stellt der Projektleiter fest.

Mit Blick über den bevorstehenden Jahreswechsel hinaus wünscht sich Apffelstaedt, „dass wir in Zukunft gern noch weitere Vernässungsmaßnahmen im Großen Moor in Barnstorf umsetzen würden. Allerdings hängt das davon ab, ob Fördermittel zur Verfügung stehen und die Privateigentümer den Maßnahmen wie bisher zustimmen.“

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