Vorstand fordert mehr Unterstützung

Barnstorfer Fördergemeinschaft ohne neuen Vorsitzenden

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Als kleine Anerkennung für seine geleistete Arbeit erhielt der scheidende Vorsitzende der Barnstorfer Fördergemeinschaft, Günther Klemm (3.v.r.), ein Werder-Trikot und ein Präsent. Den Posten wird sein Stellvertreter Ralf Meyer (2.v.l.) ein Jahr lang kommissarisch übernehmen. Zum weiteren Vorstandsteam gehören der wiegergewählte stellvertretende Vorsitzende Karl-Heinz Ehlers, Beirat Rouven Barmbold, Kassenwart Torsten Krutsch und Schriftführerin Anja Gerding (v.l.).

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Schwierige Zeiten für die Barnstorfer Fördergemeinschaft: Erstmals in der fast 40-jährigen Geschichte steht der Verein ohne Vorsitzenden da. Günther Klemm hat – wie im Vorfeld angekündigt – seinen Posten bei der Jahreshauptversammlung am Dienstagabend im Hotel Roshop abgegeben. Stellvertreter Ralf Meyer wird das Amt zunächst für ein Jahr kommissarisch übernehmen. Dann muss eine Lösung her. Aber mit der Personalie allein ist es nicht getan. Es geht um weitaus mehr, nämlich um die grundsätzliche Ausrichtung der Gemeinschaft.

„Die Zukunft der Barnstorfer Fördergemeinschaft muss gesichert werden“, umschrieb der scheidende Vorsitzende die oberste Zielsetzung für das neue Jahr. Der örtliche Handel müsse sich zusammenraufen und trotz Zeitmangels gemeinsame Aktivitäten starten. Dabei seien auch die Dienstleistungsbetriebe gefordert. Der Mitgliederschwund müsse gestoppt, neue Betriebe akquiriert und zur aktiven Mitarbeit bewogen werden.

Der Aufruf zur Mitarbeit kam nicht von ungefähr. Ein Blick in die Reihen spiegelte die mangelnde Beteiligung wider, die in jüngster Vergangenheit schon mehrfach vom Vorstand beklagt wurde. Nur 23 Mitglieder nahmen an der Versammlung teil, gerade ein Viertel der Betriebe, deren Anzahl nach weiteren Kündigungen zum Jahresende auf ein historisches Tief von 82 Mitgliedern sinken wird. „Ein ganz schwaches und trauriges Bild“, meinte Klemm.

Veränderungen in der Geschäftswelt

Beirat Rouven Barmbold, der bis vor zwei Jahren selbst an der Vereinsspitze gestanden hatte, pflichtete seinem Vorredner bei. In den vergangenen Wochen sei den Verantwortlichen immer bewusster geworden, dass die Fördergemeinschaft ein akutes Problem habe. Der Werbefachmann ging auf die besorgniserregende Mitgliederentwicklung ein und zeigte Veränderungen in der Geschäftswelt auf.

„Der Handel kämpft mit und auf neuen Märkten. Die Industrie denkt zunehmend global, findet vor Ort weniger statt“, schilderte Barmbold den allgemeinen Wandel. Betrieben fehlten die Nachfolger, Existenzen seien bedroht, Standorte würden keine Chancen für neue Geschäftsideen bieten. Unterdessen wollten Kunden mehr Erlebnisse, mehr Angebote und mehr Preisvorteile.

Doch die Lage sei nicht nur in Barnstorf schwierig, auch andere Werbegemeinschaften hätten mit solchen Herausforderungen zu kämpfen. Eine Folge sei, dass sich der wirtschaftliche Fokus zunehmend auf die Mikro-Welt verlagere. Jeder versuche allein zurechtzukommen, daran würden Gemeinschaften zugrunde gehen, zumal die Belastung für den Vorstand zunehme und die Bereitschaft zur Amtsübernahme schwinde. Ergebnis: „Ohne Vorsitz kein Verein.“

„Wo soll die Reise der Fördergemeinschaft hingehen?“

Doch es gehe nicht nur um den Posten des Vorsitzenden oder die Organisation des nächsten Frühlingsmarktes, sondern um viel mehr, warnte Barmbold. Die Interessen der Mitglieder harmonisierten scheinbar nicht mit dem Angebot der Fördergemeinschaft. Um diese Entwicklung zu stoppen, sei der Vorstand auf die Betriebe angewiesen: „Jetzt seid Ihr gefragt: Wo soll die Reise der Fördergemeinschaft hingehen?“

Auf diese Frage wussten die Anwesenden so schnell keine Antwort. Der Vorstand hatte ebenfalls keine Lösung parat, lieferte aber erste Ansätze: „Bremse ziehen und durchatmen“, lautete ein erster Schritt. Die Ziele müssten neu definiert und auf ihre finanzielle und personelle Machbarkeit überprüft werden. Ein Ergebnis des neuen Konzeptes könnte sein, weniger Märkte zu veranstalten und dafür mehr Netzwerke und Plattformen zu bilden. Frei nach der Devise: „Weniger Offline, mehr Online.“

„Lasst uns das Ganze gemeinsam anpacken“

Was sich die Vorstandsvertreter schon jetzt wünschten, ist eine verstärkte Einbindung von Kommune und Wirtschaftsförderung. Damit stießen die Geschäftsleute bei Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers und Bürgermeisterin Elke Oelmann auf offene Ohren. Beide würdigten die Arbeit der Fördergemeinschaft. „Zusammenhalten, um gemeinsam etwas zu bewegen. Nur so kann man etwas erreichen“, erklärte Lübbers.

Klemm machte zum Abschluss des Abends noch einmal deutlich, dass der Vorstand auf die Mithilfe der Mitgliedsbetriebe angewiesen sei. Die unterschiedlichen Branchen müssten sich mit ihren Interessen und Ideen einbringen. Dafür werde in den nächsten sechs bis acht Wochen ein Forum geschaffen – mit dem Ziel, einen Arbeitskreis zu bilden, der sich mit der Zukunft der Fördergemeinschaft auseinandersetzen soll. „Lasst uns das Ganze gemeinsam anpacken“, lautete der Appell des scheidenden Vorsitzenden.

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