„Willkommen in Barnstorf“: Sprachkurse für Flüchtlinge sollen weitergehen

Sprache als Fundament für die Integration

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Genug gearbeitet für heute: Nach der zweistündigen Deutsch-Lektion geht es für ein Gruppenfoto in die Sonne auf die Stufen des Welthauses.

Barnstorf - Von Sven Reckmann. „Guten Morgen, liebe Sorgen!“ So wird an diesem Morgen jeder begrüßt, der den kleinen Aufenthaltsraum im Barnstorfer Welthaus betritt. Auch der zunächst etwas irritierte „Zeitungsmann“ wird lachend mit dem Gassenhauer von Jürgen von der Lippe eingeladen, als er den Kopf zur Tür hereinstreckt. Besuch beim Sprachkursus für Flüchtlinge.

„Sprache lernen muss auch Spaß machen“, erklärt Kursusleiterin Magdalena Weltrowska mit einem Schmunzeln, „sonst kommen die nicht wieder. Lieder sind die besten Lehrer.“ Sie blickt in die Runde. Es ist eine munterer, sympathischer Kreis von 14 Frauen und Männern. Gerald kommt aus Albanien. Der 21-Jährige ist „der Tischler“ in der Runde und seit acht Monaten in Deutschland. Schon seit über einem halben Jahr ist Eduard aus Albanien in Deutschland. Er hat drei Kinder, wie er erzählt. Soha aus Syrien lebt mit ihren vier Kindern in Barnstorf. Sie ist 35. In Drebber hat die 37-jährige Belina aus Albanien ihr Zuhause gefunden, wie sie konzentriert formuliert. „Deutsch ist eine wirklich schwere Sprache“, meint Weltrowska „und je schneller der andere spricht, desto schwieriger wird es.“

Der Sprachkursus, den die Initiative „Willkommen in Barnstorf“ auf die Beine gestellt hat, richtet sich nicht nur an Flüchtlinge, sondern auch an andere Ausländer, die ihre Sprache verbessern wollen. So kommt es, dass hier auch zwei junge Damen aus Polen mit am Tisch sitzen. Eine Teilnehmerin kommt aus Slowenien, eine aus Litauen, einen junge Frau aus Rumänien und sogar ein Italiener ist mit von der Partie. Das sei anfangs schon ein ziemliches Sprachgewirr gewesen, räumt Magdalena Weltrowska ein. „Da haben wir uns viel mit Händen und Füßen verständigt.“ Ihre Herkunft aus Polen habe ihr aber vor allem bei den slawischen Sprachen weitergeholfen. Die 38-Jährige hatte in Polen Germanistik studiert und war in Barnstorf bereits bekannt, da sie auch schon im Mehrgenerationenhaus Sprachkurse insbesondere für polnische Mitbürger angeboten hatte.

Im Januar wurden die Sprachkurse in Barnstorf ins Leben gerufen. Zunächst an zwei Tagen in der Wochen, dann wurde noch ein dritter Tag dazugenommen. Seit Ende Mai nun gibt es auch eine etwa 15-köpfige Gruppe in Drebber, die sich jeweils donnerstags und freitags für zwei Stunden trifft, um bei Magdalena Weltrowska Deutsch zu lernen. Dabei handelt es sich größtenteils um Menschen aus Syrien sowie aus Mazedonien. Traurige, erschütternde Geschichten höre man da, vor allem von den Syrern, erzählt Weltrowska, wenn diese von ihrer Flucht berichteten. Einige von ihnen seien fast 40 Tage auf einem Schiff eingepfercht gewesen. Um diese Menschen muss man sich einfach kümmern, unterstreicht Magdalena Weltrowska. Gut ausgebildete Leute seien dabei, berichtet sie, teilweise mit Hochschulabschluss. „Deutschland verliert nichts dabei, ganz im Gegenteil“, betont sie vielleicht auch mit Blick auf die Ressentiments, die hier und da im Land aufkommen.

Dass es klappen kann mit der Integration und der Willkommenskultur, das zeigen Beispiele, wie das der beiden albanischen Flüchtlinge Edmond Beqiri und Gazmir Lulja aus Drebber. Sie haben eine Arbeitserlaubnis erhalten und sind nun mehrere Stunden in der Woche für die Barnstorfer Firma LR Facility Services unterwegs (wir berichteten). Und Sprache ist das Fundament. Magdalena Weltrowska dankt den Ehrenamtlichen der Initiative „Willkommen in Barnstorf“, dem Welthaus und den Sponsoren für die Unterstützung in den vergangenen Monaten. Am 5. September ist zunächst einmal ein Straßenfest vor dem Welthaus geplant, Motto „Barnstorf is(s)t bunt“ – mit kulinarischen Spezialitäten aus den Herkunftsländern und ohne Sprachbarriere.

Noch Spender gesucht

Nun ist Ferienzeit auch bei den Sprachkursen. Nach den Ferien soll das Programm in gleichem Umfang fortgesetzt werden, teilte Reinhold Bömer vom Welthaus nach einem Gespräch mit der Initiative „Willkommen in Barnstorf“ mit. „Wir sind sehr froh über dieses Angebot“, so Bömer. Damit es nach den Ferien auch weitergehen kann, sind noch Spenden von Firmen, Institutionen und Privatpersonen willkommen. Angestrebt wird, so berichtet Bömer, die Finanzierung wieder wie bislang aufzustellen: 1400 Euro kommen von der Samtgemeinde, 1400 Euro kommen aus Spendengeldern dazu. Zusätzlich leistet der Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB) einen finanziellen Beitrag. Die Kurse im Welthaus werden nicht von den Mitteln abgedeckt, die der Landkreis für Sprachkurse und Schulungen zur Verfügung stellt. Spenden für die Sprachkurse sollten auf das Konto des Verein zur Förderung ganzheitlicher Bildung e.V. gehen (Kreissparkasse Grafschaft Diepholz, DE 33 2565 1325 0191 2167 53). Spendenbescheinigungen werden zugesandt.

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