Kommune will Kurvenbereich entschärfen

Ortsbildprägendes Gebäude steht in Barnstorf kurz vor dem Abriss

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Das Haus an der Langen Straße wurde Anfang der 1930er Jahre errichtet und für verschiedene Geschäftszwecke genutzt. Inzwischen hat die Kommune das Objekt von der Familie Bokelmann erworben. Der Abbruch soll kommende Woche beginnen.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Ein ortsbildprägendes Gebäude verschwindet von der Bildfläche. Das Wohn- und Geschäftshaus, Lange Straße 2, in Barnstorf wird komplett abgerissen. Die Arbeiten sollen Anfang kommender Woche beginnen. Damit müssen sich die zuletzt leidgeprüften Verkehrsteilnehmer nochmals auf Behinderungen einstellen. Die Ortsdurchfahrt wird im Kurvenbereich halbseitig gesperrt.

Der Flecken Barnstorf hat das Gebäude im vergangenen Jahr von der Familie Bokelmann erworben. Hinter dem Kauf stehen in erster Linie verkehrsplanerische Gedanken, wie stellvertretender Gemeindedirektor Detlef Moss auf Anfrage erläutert: „Wir wollen die spitzwinklige Kurve in der Ortsmitte entschärfen.“ Durch den Abriss ergebe sich eine bessere Einsehbarkeit der Kurve für den Querungsverkehr. Eine Verbreiterung der Fahrbahn, wodurch insbesondere der Schwerlastbereich mehr Platz bekäme, ist seitens der Kommune nicht vorgesehen.

Kommune will Gunst der Stunde nutzen

Bei ihrem Vorhaben nutzt die Kommune die Gunst der Stunde. Sie kann beim Abriss mit finanziellen Zuschüssen aus der Städtebauförderung rechnen, die sich schon bei vielen anderen Projekten im Ort bewährt hat. Die Kosten würden sich auf 50.000 bis 55.000 Euro belaufen, sagt die zuständige Fachbereichsmitarbeiterin Claudia Emker. Aus dem Topf von Bund und Land würden zwei Drittel der Kosten abgedeckt. Das verbleibende Drittel zahle die Kommune.

Der Abbruch des Gebäudes sollte eigentlich parallel zur Bauphase auf der Bundesstraße 51 erfolgen, um die Belastungen für die Fahrzeugführer so gering wie möglich zu halten. Die Fahrbahnsanierung zwischen Barnstorf und Drentwede sollte sich ursprünglich bis Mitte August hinziehen, doch die Arbeiten kommen schneller voran als erwartet, sodass die 6,5 Kilometer lange Strecke bereits zum Wochenende für den Durchgangsverkehr freigegeben werden kann.

Halbseitige Sperrung über zwei Wochen

„Das hätte alles super gepasst“, meint Emker. Doch aufgrund der zeitlichen Verschiebungen kommt es jetzt zwangsläufig zu weiteren Behinderungen. Der Kurvenbereich im Ortskern wird voraussichtlich für zwei Wochen halbseitig gesperrt. Es wird eine Ampel installiert, damit der Durchgangsverkehr aus beiden Richtungen im Wechsel an der Baustelle vorbei geführt werden kann. Die Einmündungsbereiche zur Kampstraße und Bahnhofstraße sind nur bedingt nutzbar.

Was die Abbrucharbeiten betrifft, müssen sich die Barnstorfer von einem historischen Gebäude verabschieden. Es wurde Anfang der 1930er Jahre errichtet. Bauherr war Drogist Karl Bokelmann, zweitältester Sohn von Bäckermeister Heinrich Bokelmann. Er war vor dem Einzug mit seinem Geschäft auf der gegenüberliegenden Straßenseite ansässig, wo sich heute der Obst- und Gemüseladen befindet.

Die Abrissbirne ist auf dem Weg

„Der Neubau hatte als Besonderheit einen handbetriebenen Lastenaufzug vom Keller bis in den Dachboden. Jeder Winkel, jede Ecke und jede Nische des Hauses waren mit Regalen und Einbauschränken ausgestattet, um so viel Stauraum wie möglich vorzuhalten“, berichtet Bäckermeister Friedrich Bokelmann, der in diesen Tagen noch einmal in der Geschichte des einstigen Familienbesitzes stöbert.

Sein Großonkel Karl Bokelmann führte das Geschäft bis 1964, dann übernahm Drogist Krüger für zehn Jahre die Geschicke. Nach einem vorübergehenden Leerstand wurden die Räume in bester Verkaufslage von einem Gardinengeschäft angemietet. Im Jahr 1987 eröffnete die Bäckerei Bokelmann eine Filiale, die aus ihrer Backstube in Eydelstedt beliefert wurde. Nach der Schließung der Filiale im Jahr 2011 gaben sich mehrere Mieter die Klinke in die Hand. Mal gab es Kleintierbedarf, mal frischen Fisch, mal Beratungsangebote eines Pflegedienstes.

Das Gebäude steht jetzt komplett leer, die Wohnungen im Obergeschoss sind vor einigen Monaten geräumt worden. Der Weg ist frei für die Abrissbirne.

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