Wenn der natürliche Feind fehlt

Barnstorfer Jäger: Wolfsproblematik bleibt ungelöst

Niedersachsen will den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen und den Abschuss von Problemtieren erleichtern. Ziel sei es, den Wolfsbestand besser regulieren zu können.

Barnstorf / Hannover – Immer wieder sorgen die Aktivitäten von Wölfen in der Region um Barnstorf für Schlagzeilen, in der jüngsten Zeit nehmen die Risse von Nutztieren wieder zu. Nach langem Tauziehen um das Eindämmen problematischer Wölfe will Niedersachsen das Tier nun ins Jagdrecht aufnehmen. Außerdem soll eine neue Wolfsverordnung den Abschuss von Problemtieren erleichtern.

Samtgemeinde Barnstorf
Bevölkerung5.913
BürgermeisterElke Oelmann
Postleitzahl49406

Die Regierungsfraktionen von SPD und CDU verständigten sich in der vergangenen Woche auf einen entsprechenden Entschließungsantrag, teilte ein CDU-Sprecher mit. Das Ziel ist, den stetig wachsenden Wolfsbestand künftig besser regulieren zu können. Inzwischen gibt es 35 Rudel mit insgesamt 300 bis 350 Wölfen in Niedersachsen, rund ein Dutzend der Tiere gelten als Problemwölfe.

Barnstorfer Jagdpächter: Nicht das richtige Gebiet für den Wolf

„Wölfe gehören nicht in solch ein besiedeltes Gebiet wie unseres“, sieht auch Jagdpächter Egon Schumacher aus Barnstorf die Verbreitung des Wolfs in der heimischen Kulturlandschaft kritisch. „Die Wölfin, die kürzlich auf der B51 bei einem Verkehrsunfall getötet wurde und sich im Nachgang als die namhafte Goldenstedter Wölfin herausstellte, hat vor vier Jahren in meinem Lager in Mekel geworfen“, erinnert sich der Jäger. „Nach der Geburt hat sich die Fähe mit ihrem Wurf ins Moor verzogen, erst vor einiger Zeit ist sie zurückgekommen.“ Man habe zwar seit Monaten an vielen Stellen Wolfsrisse gehabt. „Doch es waren längst nicht so viele wie vor vier Jahren.“ „Vor allem auch, weil es kaum noch Schafhalter gibt, die ihre Tiere am Rand des Moores weiden lassen.“

Wölfe sollen nun in das Niedersächsische Jagdrecht aufgenommen werden. Die Folgen sind zunächst nur formaler Natur.

Die Rissvorfälle nahmen in letzter Zeit wieder zu, nachdem im Mai 2020 mindestens vier Welpen geboren wurden- Die letzten fünf gerissenen Schafe wurden von Dr. Marcel Holy, Wolfsberater bei der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer erst vor drei Wochen in Barnstorf untersucht. Zudem sorgte kürzlich ein Wolf in Dörpel für aufkommende Ängste, als er durch das Dorf streifte.

Die Aufnahme ins Jagdrecht sei ein erster Schritt in eine Zeit, in der eine begrenzte Freigabe möglich werden könnte. „Beispielsweise Extremwölfe, die vor Wohngebieten keine Scheu mehr zeigen. Doch mit der bloßen Aufnahme ins Jagdrecht ist noch keine Abschusserlaubnis erteilt.“

Wolf ohne natürliche Feinde

Für Schumacher liegt das Hauptproblem darin, dass der Wolf keine natürlichen Feinde hat. „Er geht ohne Scheu auch an größere Tiere wie Rind oder Pferd ran.“ Wenn Wölfe die Jäger infolge eines potenziellen Abschusses als natürliche Feinde feststellen würden, gingen sie vielleicht zurück in ihre ursprünglichen Gebiete, so dass es nicht unbedingt zu einer hohen Zahl entnommener Tiere kommen müsse. „Dies ist die Meinung unserer gesamten Barnstorfer Jägerschaft“, unterstreicht Schumacher und betont noch einmal explizit, dass die Aufnahme ins Jagdrecht nur ein formaler, theoretischer Schritt sei, um im Nachgang leichter gezielt intervenieren zu können. Schumacher verwies zudem auf die verstärkte Ansiedlung der Wölfe.

Auf eine Aufnahme ins Jagdrecht habe das Landvolk seit Jahren hingewirkt, sagte auch Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers in einer Pressemitteilung: „Neben dem Jagdrecht braucht es nun definierte Bestandsgrenzen, ab der Wölfe in größerer Stückzahl geschossen werden.“ Nur so lasse sich die rasante Populationsentwicklung der Wölfe in Niedersachsen in einem für Weidetierhalter und Landbevölkerung erträglichen Maß halten.

Mit einer Aufnahme des Wolfes im Jagdrecht seien die Jäger die ersten Ansprechpartner bei Nutztierschäden und -rissen, sagte ein Sprecher der Landesjägerschaft. Allerdings bedeute eine Aufnahme ins Jagdrecht nicht, dass die Konflikte gelöst seien. Auch wenn der Wolf dem Jagdrecht unterliege, werde es bei dem jetzigen Verfahren bleiben, wonach die Untere Naturschutzbehörden über eine Abschussgenehmigung entscheiden. Um Rechtssicherheit zu bekommen, müsse es eine Definition eines guten Erhaltungszustandes geben, und der Bund müsse den Ländern eigene Wolfsmanagementpläne und ein rechtssicheres Bestandsmanagement ermöglichen.

Nabu: Wolf weiterhin nach EU-Recht geschützt

Auch der Naturschutzbund (Nabu) wies darauf hin, dass die Aufnahme des Wolfs im Jagdrecht nichts daran ändere, dass der Wolf nach EU-Recht weiterhin geschützt sei. Das Vorhaben von SPD und CDU sei daher nur „blinder Aktionismus“, sagte Nabu-Landesvorsitzender Holger Buschmann. Für Weidetierhalter bedeute es auch keine Unterstützung – diese benötigten finanzielle Fördermittel für ihre Tierhaltung und Herdenschutzmaßnahmen.

„CDU und SPD betreiben beim Wolf weiterhin planlosen Aktionismus“, sagte der Grünen-Abgeordnete Christian Meyer. „Die jetzt vereinbarte Aufnahme des Wolfs ins niedersächsische Jagdgesetz ändert am bundesrechtlichen Schutzstatus des Wolfs nichts.“ Wolfsberater Dr. Marcel Holy von der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer war zu einer Stellungnahme auf Nachfrage nicht bereit.

Rubriklistenbild: © bildfunk/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Remis im Gipfel zwischen Bayern und Leipzig - BVB enttäuscht

Remis im Gipfel zwischen Bayern und Leipzig - BVB enttäuscht

Welche Rolle spielt das Geschlecht beim Fahrradkauf?

Welche Rolle spielt das Geschlecht beim Fahrradkauf?

Acht Brettspiel-Geschenktipps für Weihnachten und Silvester

Acht Brettspiel-Geschenktipps für Weihnachten und Silvester

Lamberts Bay ist mehr als ein Fischerort

Lamberts Bay ist mehr als ein Fischerort

Meistgelesene Artikel

Der Weyher Weg ist keine Sackgasse

Der Weyher Weg ist keine Sackgasse

Der Weyher Weg ist keine Sackgasse
„First Dates“ (Vox): Süße Sarah aus Weyhe verzaubert charmanten Johannes

„First Dates“ (Vox): Süße Sarah aus Weyhe verzaubert charmanten Johannes

„First Dates“ (Vox): Süße Sarah aus Weyhe verzaubert charmanten Johannes
Landwermanns Hofladen hat Flair von Weihnachtsmarkt

Landwermanns Hofladen hat Flair von Weihnachtsmarkt

Landwermanns Hofladen hat Flair von Weihnachtsmarkt
Sulingen: Stadtrat stimmt für Bahn-Reaktivierung und Beitritt zum AEBB

Sulingen: Stadtrat stimmt für Bahn-Reaktivierung und Beitritt zum AEBB

Sulingen: Stadtrat stimmt für Bahn-Reaktivierung und Beitritt zum AEBB

Kommentare