150 Besucher feiern zur Musik von „Sandy Brechin & Friends“

Bahnhof verwandelt sich in ein Pub

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Auf ihrer Mini-Tour durch den Norden machten Akkordeonist Sandy Brechin und seine Freunde Station in Barnstorf. Sie unterhielten das Publikum mit flotten Popsongs und auch gefühlvollen Balladen.

BARNSTORF - Von Simone Brauns-Bömermann. Wer es bis jetzt noch nicht wusste, der weiß es jetzt: Barnstorf hat einen Pub. Und zwar im Bahnhof.

Am Samstagabend verwandelten sich der Kiosk von Stefan Vormschlag und die Bahnhofshalle in Pub und Ballroom. Die Züge hielten gefühlte Sekunden länger am Bahnsteig, damit die Reisenden den Anblick der etwa 150 Gäste beim Konzert von „Sandy Brechin & Friends“ durch die Fenster genießen konnten. Nicht nur, dass dem Bahnhof die neue Nutzung im Wandel der Zeit gut stand, sondern gerade das Refugium bot an diesem Abend dem Publikum ein Stück irische und schottische Lebensart.

Wie bei einer echten schottischen oder irischen Session, waren die Gäste nicht von Anfang an da. Sie trudelten langsam ein, holten sich erst ein Guinness oder Kilkenny an der Bar, bis sie langsam Richtung der schnellen oder balladenartigen „Tunes“ schlenderten und gesellig weiter plauderten. Die ersten Beine groovten dann rasch unter den Stehtischen, der Applaus fiel üppig aus.

Die Formation um Akkordeonist Sandy Brechin war allerdings ohne ihre Bodhrán-Spielerin und Sängerin Joanna Scott Douglas nach Barnstorf gekommen. Sie ist die Anlaufstelle in Bremen für die Musiker, die auf Tour durch den Norden sind. Also griff „The only original German“, wie Jan Jedding in Bandkreisen genannt wird, zum Mikrophon: „Joanna ist leider erkrankt, also muss ich heute singen.“

Das Gastspiel in Barnstorf war der letzte Termin der Mini-Tournee. Dabei kamen Lieder, Balladen und Tänze zur Entfaltung. Gespickt mit Lebensfreude, skurrilen Geschichten und sehr viel Humor, eben der Teil der schottischen und irischen traditionellen Musik, die gerade den Deutschen so gut gefällt.

Sandy Brechin, der in Edinburgh lebt und mit seinem Plattenlabel schon auf der gesamten Welt aufgetreten ist, beherrschte sein Akkordeon wie Autofahren und scharte die Musikerfreunde um sich. Zu den weiteren sechs Musikern im Bahnhof zählte John Currie, der als Direktor des „Scottish Energy Centre at Edinburgh Napier University“ tätig ist und daher mit folgenden Worten angekündigt wurde: „Here our special guest, a professor at the big whistle.“

Die Musiker haben im Jahr 2009 zusammengefunden, als die gebürtige Joanna Scott Douglas von Sandy Brechin nach Edinburgh eingeladen wurde. Da sei die Idee der Mini-Tour entstanden, erzählte Gitarrist Jedding in der Konzertpause. Während er sich ein Guinness bestellte, machte er klar, was die Truppe seit nunmehr sieben Jahren verbindet: „Wir sind alle befreundete Musiker und improvisieren gerne.“

So erlebten die Gäste in Barnstorf sowohl ein homogenes Ensemble als auch authentische Einzelmusiker mit ganz eigenen Vorlieben. Das Solo der „Big Whistle“ von Professor Currie verschwand fast im Gemurmel der angeregten Gespräche, legte sich dann aber wie ein Nebel in den Highlands über die Menschenmenge. Die starke Country-Gitarre von Andrew Mill, der den Sound von Cowboy-Romantik auf weiten Ebenen mit Blue Grass und Country-Groves garniert, setzte sich ebenfalls durch. „That´s a little bit Trump-Land“, murmelte es. 

Bassist William Oke, der von Sandy Brechin halb auf Deutsch übersetzt als Wilhelm Oke angekündigt wurde, entlieh sich einen Neil-Young-Song. Jan Jedding entschied sich für eine Ballade, als er zur Gitarre singen musste. „I have dreamed a dream.“ Ian Kinnear war der Mann an der Bagpipe, dem Dudelsack, und Ross Anderson spielte das „kleine Schlagzeug“, das Cajon.

Die musikalische Mini-Reise ging von träumerischen ewig grünen Auen und Hügeln mit Moos über sturmumtoste weite Strände bis in die Äderchen der urbanen Gefilde im traditionellen Stil. Kult in Kilt-Pantalon, lässig, stürmisch, verträumt, traditionell und bewusst mit modernen schnellen Elementen kombiniert: So stellten sich Jigs, Waulking-Songs, Reels, Airs und Laments dar. Die Balladen und Pop-Songs kamen an beim Publikum. Und auch die Musiker meinten, dass ihr November-Termin in Barnstorf eine feste Institution werden sollte.

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