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Vom Azubi zum Vorstand: Barnstorfer Volksbank-Urgestein Jürgen Düver geht in den Ruhestand

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Von: Jannick Ripking

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Jürgen Düver verlässt seinen angestammten Platz: Nach mehr als vier Jahrzehnten bei der Volksbank geht der Vorstand in den Ruhestand.
Jürgen Düver verlässt seinen angestammten Platz: Nach mehr als vier Jahrzehnten bei der Volksbank geht der Vorstand in den Ruhestand. © Jannick Ripking

Nach 42 Jahren ist für Jürgen Düver Schluss. Er geht in den Ruhestand. Mit ihm verlässt der letzte Vorstand aus dem Bereich Diepholz-Barnstorf die Volksbank.

Barnstorf – Das große Händeschütteln steht an – oder in Corona-Zeiten die Faust geben. Der Grund: Jürgen Düver, Vorstandsmitglied und Barnstorfer Urgestein der Volksbank geht nach mehr als vier Jahrzehnten bei der Genossenschaftsbank in den Ruhestand. „Ich bin jetzt der Letzte im Vorstand aus dem Bereich Diepholz-Barnstorf seit den ganzen Fusionen“, sagt er. Das ändert sich nach Freitag, 25. Februar. Denn dann beginnt Düvers neuer Lebensabschnitt.

Begonnen hat die Karriere des 61-Jährigen am 28. Juli 1980 – als Volksbank-Azubi. Er machte eine Lehre zum Bankkaufmann. „Ich kann mich noch gut daran erinnern“, meint Düver. Ich hatte im Januar 1980 eine Stellenanzeige entdeckt und mich daraufhin beworben. Der damalige Bankleiter Werner Damman hat mich eingestellt.“ Nach Abschluss der Ausbildung war er zunächst im Kundenservice und der Beratung tätig.

Lebensmittelpunkt nach Barnstorf verlegt

In seinen Anfangsjahren bei der Volksbank lernte der gebürtige Sulinger den Flecken Barnstorf besser kennen. Mit der Zeit ist ihm der Ort mehr und mehr ans Herz gewachsen – so sehr, dass er sich entschloss, in die Nähe der Hunte zu ziehen: „Kurzerhand verlegte ich meinen Lebensmittelpunkt hierhin. Ich habe es bis heute nicht bereut.“ Er genießt die Ruhe und Weitläufigkeit auf dem Land: „Man ist sofort draußen, wenn man vor die Tür geht. Ich glaube, ich bin für die Stadt nicht so geeignet.“

Seinen bevorstehenden Ruhestand möchte Jürgen Düver nutzen, um mehr Zeit mit seiner Familie und seinen Hobbys zu verbringen. Gemeinsame Reisen, der Besuch von Konzerten und Sportevents sowie die Musik der 60er- und 70er-Jahre in „vinyler“ Form stehen dabei ganz weit vorn.

Zurück zum Beruflichen: Bereits 1989 übernahm Düver zum ersten Mal Verantwortung in einer Führungsposition bei der Volksbank. Er wurde leitender Vermögensberater in Barnstorf. Als der Wertpapierhandel in den 1990er-Jahren immer mehr ins Rollen kam, fand Jürgen Düver sein Steckenpferd. Die Arbeit mit Aktien faszinierte ihn. „Das war hier bei uns ein großes Thema“, erinnert sich der Fachmann.

Erinnerung an „9/11“ bleiben hängen

Da verwundert es nicht, dass ihm ein Tag ganz besonders in Erinnerung geblieben ist: die Anschläge ins World Trade Center vom 11. September 2001. „Der Moment ist bei mir hängen geblieben“, erzählt er. „Zu dieser Zeit hatten wir in der Filiale in Barnstorf einen Fernseher. Dort liefen Nachrichten. Wir saßen hier alle gebannt vor dem Bildschirm und konnten erst nicht glauben, was wir da sehen. Den Nachmittag werde ich nicht vergessen.“ Auch an seiner Arbeit ist der Anschlag von New York nicht spurlos vorbeigegangen. „Die Börsenkurse sind teilweise eingebrochen“, berichtet Düver. Er musste die Wochen danach viele und insbesondere lange Gespräche mit verunsicherten Kunden führen. „Die Telefone bei uns standen in der Zeit nicht still“, sagt er.

Vermögensberatung, Privatkundengeschäft, EDV-Abteilung – Jürgen Düver war und ist vielseitig versiert. Das verdankte er nicht zuletzt den vielen Fortbildungen, die der baldige Ruheständler besuchte. „Ich habe einmal nachgeschaut und gezählt. Während der fast 42 Jahre hier habe ich mehr als 160 Seminare besucht. Es war von einem Ein-Tages-Seminar bis hin zu einer vierwöchigen Fortbildung alles dabei. Es mündete für den Wertpapier-Experten im Jahr 2004 im Abschluss zum Diplom-Bankbetriebswirt sowie in der Qualifikation zum Vorstand an der Akademie Deutscher Genossenschaften.

Im Vorstand der Volksbank seit 2016

2016 war es dann so weit: Der Aufsichtsrat der Volksbank Barnstorf-Diepholz bestellte Jürgen Düver zum Vorstand für den Betriebsbereich. Weiterhin lag seine Verantwortung in den Bereichen Vermögensberatung und Immobilien. Während seiner Arbeit im Vorstand gestaltete Jürgen Düver zwei Volksbank-Fusionen mit. 2018 fusionierte die Volksbank Diepholz-Barnstorf mit der Volksbank Sulingen. 2021 entstand nach der Fusion mit der Volksbank Aller-Weser die Volksbank Niedersachsen-Mitte. Als Angestellter erlebte der Finanzmann schon 1999 eine erste Fusion als sich Barnstorf und Diepholz zusammengetan hatten.

„Als ich angefangen bin, gab es um die 7 000 Filialen, jetzt sind es noch rund 700“, sagt Düver. Er kann verstehen, dass manche Kunden diese Entwicklung nicht gut heißen, „weil sie es gewohnt waren, über Jahrzehnte die gleichen Gesichert zu sehen, aber die Fusionen waren notwendig, denn sie haben dazu geführt, dass wir als Bank weiterhin gut funktionieren können“, sagt er rückblickend. Alles in allem habe ihm seine Tätigkeit im Vorstand Spaß gemacht: „Es war eine spannende Zeit. Es wurde nie langweilig.“ Nur die immer mehr werdende Bürokratie war Düver von Zeit zu Zeit ein Dorn im Auge. „Da hätte man auch manchmal gegen die Wand treten wollen“, sagt er lachend. Wirklich gemacht hat er das natürlich nie.

Jürgen Düver blickt zufrieden und stolz auf seinen Werdegang vom Azubi zum Vorstand zurück: „So eine Karriere ist heute mit den ganzen Spezialisten, die immer mehr werden, vielleicht fast nicht mehr möglich.“ In all den Jahren wollte der 61-Jährigedie Volksbank nicht verlassen: „Der Gedanke ist mir nie gekommen.“

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