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Leiche im Auto: Polizei macht grausigen Fund in der Hunte

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Von: Carsten Sander

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Im Bereich „Lahr“ nahe Barnstorf zog die Polizei den Audi aus der Hunte. Auf einem der Sitze befand sich ein Leichnam.
Im Bereich „Lahr“ nahe Barnstorf zog die Polizei den Audi aus der Hunte. Auf einem der Sitze befand sich ein Leichnam. © Polizei

Ein Sonarboot der Polizei hat in der Hunte zwischen Goldenstedt und Barnstorf ein Auto aufgespürt – darin befindet sich eine Leiche. Möglicherweise handelt es sich bei der toten Person um den seit neun Monaten vermissten Jerzy Demby aus Drentwede. Die Polizei hatte am Mittwoch gezielt in der Hunte nach dem Mann und seinem Auto gesucht. Ein Unfallgeschehen wird nahezu ausgeschlossen, ein Tötungsdelikt dagegen nicht.

Barnstorf/Goldenstedt – Die Polizei Diepholz hat am Mittwoch im Bereich zwischen Goldenstedt und Barnstorf einen Wagen aus der Hunte geborgen. Auf einem der Sitze des Autos: ein menschlicher Leichnam. Ob es sich dabei um die sterblichen Überreste des seit neun Monaten vermissten Jerzy Demby aus Drentwede handelt, soll eine Obduktion klären. Ein Ergebnis wird am Donnerstag erwartet. Dann erhoffen sich die Ermittler auch Aufschlüsse über die Todesursache. Es besteht der Verdacht eines Tötungsdelikts. Ein Unfall wird nach erstem Erkenntnisstand nahezu ausgeschlossen.

Mit einem Sonarboot, das unter Wasser verborgene Gegenstände aufspüren kann, sowie Tauchern hatte die Polizei am Mittwochvormittag eine gezielte Suche gestartet. Der Auftrag war, die Hunte vom Startpunkt Huntebrücke in Goldenstedt bis Barnstorf-Rechtern abzusuchen, um möglicherweise auf Demby oder dessen Wagen zu stoßen. Welche Hinweise die Polizei auf die Idee brachten, genau in diesem Bereich zu suchen, wird von Sprecher Thomas Gissing nicht erklärt. Er nennt den Fund einen „großen Zufallstreffer“. Wobei: Wie viel Zufall kann es sein, nur wenige hundert Meter nach Beginn der Suche auf das gesuchte Objekt zu treffen? Der Wagen sei der von Jerzy Demby, teilte die Polizei mit. Am Auto hätten sich sogar noch die polnischen Kennzeichen befunden.

Der Fundort befindet sich im Bereich „Lahr“ – fernab von Straßen. Doch dort muss das Auto nicht versenkt worden sein. Auch wenn die Hunte kein tobender Strom sei, habe sie die Kraft, ein Auto über eine gewisse Distanz mitzureißen, so Gissing. Dennoch glaubt die Polizei nicht an einen Unfall: „Es gibt jetzt zwei Varianten zu klären: Wurde das Auto von der Person hinter dem Steuer in Selbsttötungsabsicht in die Hunte gesteuert? Oder hat jemand nachgeholfen? Die Obduktion soll Klarheit bringen“, erklärt Gissing.

In Goldenstedt startete die Suche mit dem Sonarboot der Polizei, die schon nach kurzer Zeit erfolgreich war. Im Bereich „Lahr“, nahe Barnstorf, wurde ein Auto mit einer Leiche entdeckt.
In Goldenstedt startete die Suche mit dem Sonarboot der Polizei, die schon nach kurzer Zeit erfolgreich war. Im Bereich „Lahr“, nahe Barnstorf, wurde ein Auto mit einer Leiche entdeckt. © Sander

Am Mittwochvormittag, zum Start der Suche an der Huntebrücke in Goldenstedt, war die Polizei im Vermisstenfall Demby öffentlich in die Offensive gegangen und hatte ein Tötungsdelikt nicht mehr ausgeschlossen. Obwohl die Ermittler in den vergangenen Monaten unzähligen Hinweisen nachgegangen waren, standen sie weiter vor dem Nichts. Weder waren Bewegungen auf dem Konto des Vermissten festzustellen noch konnte eine Kommunikation via Handy registriert werden. Sprich: es gab keine Lebenszeichen. Und das Auto des Vermissten, ein dunkler Audi Kombi mit polnischem Kennzeichen blieb trotz europaweiter Fahndung unauffindbar. Genau deshalb glaubte die Polizei immer weniger an ein freiwilliges Verschwinden des Mannes, der in Drentwede seine Unterkunft hatte und dort als Landarbeiter tätig war.

Am Mittwochmittag wurde der Wagen dann gefunden und geborgen. Das Auto habe schon sehr lange im Wasser gelegen, teilte Sprecher Gissing mit. Auf den ersten Blick seien Unfallspuren nicht zu erkennen gewesen. Das Fahrzeug wurde zur technischen Analyse in eine Spezialwerkstatt der Polizei gebracht. Der im Auto befindliche Leichnam wurde in die Rechtsmedizin überführt.

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Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei dem Toten um Jerzy Demby handelt, ist natürlich hoch. Am Abend des 29. September 2021 war der damals 38-Jährige spurlos verschwunden. Die Polizei durchkämmte damals mit Hunden die nahe Umgebung, suchte auch per Hubschrauber. Monate später wurde die Suche auf das Wasser verlagert. Wäre die Polizei in der Hunte nicht fündig geworden, hätte sie in den kommenden Tagen in Binnengewässern rund um Barnstorf weitersuchen wollen.

Für die Suche hatte die Polizei Diepholz Hilfe von den Zentralen Polizeidirektionen aus Oldenburg und Braunschweig angefordert. Sie stellten Sonarboot und Taucher.

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