Geschwindigkeitsmessung an „Rennstrecke“

Auswertung an der Celler Straße in Barnstorf ergibt: 85 Prozent fahren nicht zu schnell

Dass die Flexi-Poller wirken, zeigt eine Geschwindigkeitsmessung an der Celler Straße in Barnstorf.
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Dass die Flexi-Poller wirken, zeigt eine Geschwindigkeitsmessung an der Celler Straße in Barnstorf.

Barnstorf – Wird auf der Celler Straße in Barnstorf wirklich gerast? Muss die Tempo-30-Zone, die durch ein Wohngebiet führt, mit einer Rennstrecke gleichgesetzt werden? Anwohner behaupten das. Ingmar Braunert, Fachbereichsleiter für Bau- und Liegenschaften bei der Samtgemeinde Barnstorf, widerspricht und klärt über die Ergebnisse von Geschwindigkeitsmessungen an der verkehrsberuhigten Straße auf.

Anwohner sind der Ansicht, dass die Poller, die zur Verkehrsberuhigung eingesetzt werden, zu weit auseinanderstehen. Autofahrer und Rollerfahrer könnten problemlos die Hindernisse umfahren.

„Die Abstände der Poller wurden ganz bewusst so gewählt, da dem Busverkehr sowie landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen die Möglichkeit gegeben werden muss, den Hindernissen auszuweichen. Näher zusammenstellen ist daher nicht möglich. Auch die Position ist nicht willkürlich ausgewählt worden. Fahrzeuge, die von der Bundesstraße in die Celler Straße einfahren, treffen zunächst auf den Einmündungsbereich Schweidnitzer Straße. Dort gilt rechts vor links. Die Fahrzeuge müssen entsprechend langsam fahren. Anschließend kommen die Flexi-Poller, die ein starkes Beschleunigen der Fahrzeuge verhindern sollen. Nach den Pollern kommt der Kreisverkehr zum Aasbruchweg. Somit haben wir mehrere Stellen, an denen durch die Gegebenheiten das langsame Fahren der Verkehrsteilnehmer begünstigt wird“, erklärt Braunert und reagiert damit auf einen Artikel dieser Zeitung.

Samtgemeinde schafft Geschwindigkeitsanzeige an

Die Samtgemeinde Barnstorf habe sich daher eine Geschwindigkeitsmessanzeige angeschafft. Hiermit werden die gefahrenen Geschwindigkeiten nicht nur angezeigt, sondern die Daten auch gespeichert, um eine objektive Auswertung über das tatsächliche Fahrverhalten durchführen zu können.

Die subjektiven Empfindungen einzelner Menschen würden oft sehr unterschiedlich ausfallen. Sie könnten nicht für Entscheidungen über Geschwindigkeitsbegrenzungen oder bauliche Verkehrsberuhigungsmaßnahmen herangezogen werden, erklärt der Verwaltungsmitarbeiter.

Nach dem Aufstellen der Flexi-Poller in der Celler Straße wurde die Geschwindigkeitsmessanzeige aufgestellt. Über mehrere Wochen hinweg protokollierte sie die gefahrenen Geschwindigkeiten. Über das Gerät werde unter anderem die sogenannte V85-Geschwindigkeit ermittelt. Hierbei handelt es sich um die Geschwindigkeit, die von 85 Prozent der Verkehrsteilnehmer nicht überschritten wird und somit als vorherrschendes Geschwindigkeitsniveau gilt.

V85-Geschwindigkeit ausschlaggebend

„Es wird wohl leider immer einzelne Verkehrsteilnehmer geben, die sich nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten“, sagt Ingmar Braunert. Wird die V85-Geschwindigkeit deutlich überschritten, sollte seitens der Verwaltung über entsprechende Maßnahmen nachgedacht werden. Am meisten schmerze die Verkehrssünder das mobile Blitzen, da es hier an das Portemonnaie geht. „Wir als Samtgemeinde dürfen allerdings nur über Beschilderung oder bauliche Maßnahmen auf eine Geschwindigkeitsreduzierung hinwirken.“

Auf der Celler Straße in Barnstorf wurden die Geschwindigkeiten von knapp 2000 Fahrzeuge über mehrere Wochen gemessen und ausgewertet. Die V85-Geschwindigkeit und somit das vorherrschende Geschwindigkeitsniveau beläuft sich auf genau 30 Kilometer pro Stunde. Braunert: „Eine solche Punktlandung hatten wir bisher bei keiner Messung.“

Es könne daher festgestellt werden, dass der Großteil der Verkehrsteilnehmer sich an die festgesetzte Geschwindigkeit hält und die Flexi-Poller als einfache und wirksame verkehrsberuhigende Maßnahme einzustufen seien.

Verkehrspsychologie trägt zur Wahrnehmung bei

Das Thema „zu schnelles Fahren“ sei bereits häufig in der Verkehrspsychologie aufgegriffen worden, so der Fachbereichsleiter. Autos würden heutzutage ein höheres Sicherheitsgefühl als noch vor zehn Jahren vermitteln. Seien es die Vielzahl an Assistenzsystemen, die verbesserte Fahrdynamik oder die leiser werdenden Motoren. Das Auto gebe den Kraftfahrzeugführern ein hohes Maß an Sicherheit. Hinzu kämen die äußeren Bedingungen der Straße: Breite und Übersichtlichkeit würde dieses Sicherheitsgefühl bestärken. Weitere Faktoren wie Stress und Zeitdruck könnten ebenfalls zu einer Fahrweise mit überhöhter Geschwindigkeit beitragen.

Auf der anderen Seite stünden die Fußgänger oder auch Fahrradfahrer. Als „schwächere Verkehrsteilnehmer“ würden diese das Risikopotential bei überhöhter Geschwindigkeit deutlich kritischer einschätzen. Das gelte genauso für Anwohner.

„Diese Faktoren bedeuten aber nicht, dass generell überall ständig zu schnell gefahren wird. Es gibt sehr viele Verkehrsteilnehmer, die sich an die festgesetzten Geschwindigkeiten halten“, so Braunert.

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