Anne-Mette Hespe aus Bockstedt

Austauschschülerin begegnet den Grauwalen in Mexiko

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Anne-Mette Hespe lernte bei ihrem einjährigen Aufenthalt in Mexiko viele Menschen kennen. Auch Louis Pierre Theo Merken aus Belgien beteiligte sich an dem Austauschprogramm der Rotarier.

Bockstedt - Von Sabine Nölker. Wie die Mutter, so die Tochter: Jedenfalls ist das im Hause Hespe in Bockstedt so. Wie ihre Mutter Birgit träumte Anne-Mette davon, nach ihrem Schulabschluss für ein Jahr ins Ausland zu gehen. Dieser Wunsch ging nun mit ihrer Reise nach Mexiko in Erfüllung. Fast ein Jahr lang verbrachte die junge Bockstedterin in Nordamerika. Sie lebte in drei verschiedenen Familien, besuchte zwei Schulen und kehrte mit vielen fantastischen Eindrücken und neuen Freundschaften zurück.

Ein Jahr lang im Ausland zu verbringen, ist verbunden mit viel Eigeninitiative, die schon lange im Vorfeld beginnt. Zunächst heißt es, eine Organisation zu finden, die ein Austauschprogramm anbietet. Die Auswahl ist groß, doch für Anne-Mette Hespe hat gleich festgestanden: „Ich mache es wie meine Mutter und bewerbe mich beim Rotary-Jugenddienst.“ Die Organisation bieten jedes Jahr 650 Schülern aus ganz Deutschland die Möglichkeit, ein Austauschjahr in einem von 30 Gastländern zu verbringen. Voraussetzung: Die Teilnehmer müssen zwischen 16 und 18 Jahren alt, anpassungsfähig und aufgeschlossen sowie selbstständig sein. Drei Wunschländer konnte die heute 17-Jährige im Vorfeld angeben. Ihre Favoriten waren Südafrika, Mexiko und Australien. „Es musste weit weg sein und warm“, so ihre Ansprüche.

Nach mehreren Informationsveranstaltungen kam die Zusage für Nordamerika. Familie und Freundinnen brachten die Bockstedterin zum Flughafen nach Bremen. Nach 24 Stunden erreichte sie Hermosillo, eine Stadt im Norden Mexikos, nahe der Grenze zu den Vereinigten Staaten. „Es war auch dort Hochsommer und die Temperaturen kletterten auf bis zu 50 Grad Celsius“, erinnert sich Anne-Mette Hespe an ihre Ankunft. Eine Hitze, von der sie glaubte, sie nicht überleben zu können.

„Das hat mich nicht nur stolz gemacht, sondern auch erwachsener“

In ihrer ersten Gastfamilie fühlte sich die junge Frau nicht richtig wohl. Aber anstatt sich an ihre Eltern zu wenden, suchte sie das Gespräch mit den Rotariern, um eine Lösung herbeizuführen. „Das hat mich nicht nur stolz gemacht, sondern auch erwachsener“, ist sie sich sicher. In der Schule fühlte sie sich von Beginn an wohl, auch wenn ihr Spanisch noch zu wünschen übrig ließ. „Aber alle waren so nett zu mir, der Ausländerin. Kein Fremdenhass, sondern Warmherzigkeit. Sie wollten sofort alles von mir wissen, bestaunten mein blondes Haar und auch über Deutschland musste ich alles erzählen“.

Auch der Kontakt mit den sieben weiteren Austauschschülern ließ das Heimweh schnell vergessen. Denn gemeinsam setzten die jungen Menschen ein großes soziales Engagement ein. Sie verteilten Brillen an die ärmere Bevölkerung und Geschenke an arme Kinder. „Wir haben auch für Rotary Rollstühle in Behindertenheime gebracht“, berichtet die Bockstedterin. Die Dankbarkeit sei überall groß, der Empfang herzlich gewesen.

In den Ferien begaben sich Anne-Mette Hespe und ihre Mitstreiter auf Reisen. Für fünf Tage ging es nach Kalifornien in den USA. Hollywood, Santa Monica und Disneyland standen auf dem Programm. Eine Tour durch den Norden Mexikos, wo die Gruppe in Baja California frei lebende Grauwale fern jeder Zivilisation erlebte, ist unvergesslich für die 17-Jährige. „Wir fuhren mit einem einfachen Boot raus aufs Meer. Als der Fischer pfiff, sind die Grauwale aus dem Nichts aufgetaucht. Sie schwammen unter dem Boot durch und wir hatten Angst, dass sie es gleich umwerfen.“

Über die sozialen Netzwerke noch heute in regem Kontakt

Auch die Fahrt zur Rotary-Konferenz nach Puerto Peñasco verbindet Anne-Mette Hespe mit tollen Erinnerungen. „Das war mit das Beste, das Zusammensein mit den Austauschschülern aus aller Welt“, sagt sie. Insgesamt seien es 45 Jugendliche gewesen, die sich dort getroffen hätten und auch heute noch über die sozialen Netzwerke in regem Kontakt seien. Taiwanesen, Belgier, Italiener, Indonesier und Brasilianer zählten nun zu ihren neuen Freunden.

„Die Rückkehr war schwierig. Ich habe mich verändert, während alle anderen so geblieben sind, wie ich sie verließ“, sagt Anne-Mette Hespe. Ein großer Dank geht an ihre Eltern, die ihr dieses Jahr ermöglichten, aber auch an die Betreuung durch Rotary. Übrigens könne sich jeder junge Mensch für dieses Austauschprogramm anmelden, nicht nur Kinder von Rotary-Mitgliedern, fügt sie hinzu und bietet sich für Auskünfte an. Ein Lob geht an ihre Freundinnen zu Hause: „Ich habe diese Freundschaften sehr zu schätzen gelernt. Sie sind alle sehr wichtig für mich.“ Umso größer sei ihre Freude gewesen, als sie bei ihrer verspäteten Rückkehr mitten in der Nacht auf dem elterlichen Hof mit großem Hurra und einer Überraschungsparty empfangen worden sei.

Nun hat Anne-Mette Hespe Heimweh nach ihren Gasteltern und Gastgeschwistern. Aber auch mit ihnen steht sie regelmäßig in Kontakt. Aktuell besucht die junge Bockstedterin die Graf-Friedrich-Schule in Diepholz. Eines ihrer Fächer ist Spanisch, in dem sie nun fast wie selbstverständlich die höchsten Noten erzielt. „Das Jahr hat mir sehr viel gebracht, ich bin selbstständiger aber auch reifer geworden“, resümiert die Gymnasiastin.

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