„Tree of Life“

Aus Asche entsteht ein Baum

Das Ehepaar Florian und Marlene Krause aus Eydelstedt bieten die alternative Bestattungsform „Baum des Lebens“ an.
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Das Ehepaar Florian und Marlene Krause aus Eydelstedt bieten die alternative Bestattungsform „Baum des Lebens“ an.

Eydelstedt – Von Ahorn bis Zeder – Welcher Baum möchten Sie nach ihrem Tod einmal werden? – Mit dieser Frage beschäftigt sich die alternative Bestattungsform „Tree of Life“, die das Unternehmen Krause Bestattungen und Friedhofsgärtnerei aus Eydelstedt als Exklusivpartner anbietet. Bei dieser Bestattungsform haben Angehörige die Möglichkeit, aus der Asche eines Verstorbenen einen Erinnerungsbaum werden zu lassen, den sogenannten „Tree of Life“.

Zum Prozedere: Nach der Trauerfeier wird die Einäscherung in Deutschland vollzogen. Anschließend geht die Asche des Verstorbenen in die Niederlande. Dort herrscht, im Gegensatz zu Deutschland, keine Bestattungspflicht. Ein Notar begleitet vor Ort den Vorgang und erklärt den Ablauf als rechtlich abgesichert. Von dem Überführen der Asche bis hin zur Rücksendung eines rund 1,5 Meter hohen Baumes vergehen etwa sechs Monate.

Bis zu fünf Kilogramm Asche

Zurück zur Einäscherung des Verstorbenen: Es sind bis zu fünf Kilogramm Asche, die zunächst in die Urne kommen und später in einem patentierten Spezialverfahren nach und nach während der Wachstumsphase an einen Baum abgegeben werden.

„Mein Vater war Förster. Schon zur Lebzeit war er ein Teil des Waldes und müsste auch wieder Wald werden“, sagt die Kinder- und Jugendtrauerbegleiterin Marlene Krause. Gemeinsam mit ihrem Mann Florian betreibt die Eydelstedterin das Unternehmen „Krause Bestattungen“. Seit 2015 bieten sie neben traditionellen Bestattungsformen die Alternative „Tree of Life“ an.

Der gelernte Gärtner Florian Krause kann bei der Entscheidung für den Baum oder den Standort helfen. „Eine Magnolie gehört beispielsweise nicht in den Wald, da die Pflanze viel Licht benötigt“, so der Bestatter und Friedhofsgärtner. Die Wahl des Baumes müsse standortbedingt, aber auch nach persönlichen Kriterien gefällt werden.

Buche oder Eiche sind gefragt

Erst kürzlich habe ein Kunde eine Schwarzkiefer bestellt. Gängig seien die Buche oder die Eiche. Beliebt sei aber auch die Felsenbirne, da dieser Baum sehr früh im Jahr blüht. „An der unterschiedlichen Wahl der Bäume sieht man, wie verschieden die Charaktere der Menschen sind“, erklärt Marlene Krause. Zur besten Pflanzzeit im Herbst oder Frühjahr komme der Baum zurück. „Es handelt sich dann um einen richtigen Baum, das ist kein Setzling mehr “, betont Florian Krause.

Die alternative Bestattungsform „Tree of Life“ habe den Vorteil, dass Hinterbliebene für die Pflanzung des Baumes, die freie Platzwahl haben. Sie können den Baum an eine beliebige Stelle pflanzen. Dadurch kann beispielsweise der eigene Garten statt des oft weit entfernten Friedhofs zum Gedenkplatz werden. Zudem entfallen die Grabgebühren und die Grabpflege für die Angehörigen.

Bei der Vorstellung ihrer alternativen Bestattungsformen auf Messen hätten sich Personen oft irritiert gezeigt, dass eine solche Form der Beisetzung in Deutschland möglich ist. „Diese besondere Form der Baumbestattung ist in ganz Europa möglich“, klärt der Bestatter aus Eydelstedt auf.

Individuelles Fleckchen Trauerkultur

Marlene Krause: „Jeder kann sich ein individuelles Fleckchen Trauerkultur in die Nähe pflanzen.“ Auch Orte, die dem Verstorbenen etwas bedeutet haben, kämen somit in Frage.

„Wer zu uns kommt, kann zwischen der klassischen Beisetzung auf dem Friedhof oder einer alternativen Bestattungsart wählen. Individuelle Gestaltungsmöglichkeiten haben wir viele“, meint das Bestatter-Ehepaar.

Um den Baum würdevoll zu pflanzen und dem Ganzen einen runden Abschluss zu geben, bietet das Bestatterehepaar Krause die Möglichkeit einer Zeremonie an. Auch für Sternenkinder sei dies eine Möglichkeit, die individuell gestaltet werden könne.

Auf Anfrage der Kreiszeitung gab Marten Lensch, Superintendent des Kirchenkreises Grafschaft Diepholz, seine Einschätzung zum Thema alternative Bestattungsformen: „Tree of Life versucht, den Wunsch der Angehörigen nach einer naturnahen und pflegeleichten Beisetzung zu ermöglichen. Dieser Wunsch der Angehörigen ist gut nachvollziehbar. Aber auch kirchliche und kommunale Friedhöfe gehen auf diesen Wunsch ein“, sagt er.

In den letzten Jahrzehnten habe sich der öffentliche und private Umgang mit Sterben, Tod und Trauer rasant verändert. Zahlreiche neue Formen des Trauerns, Gedenkens und der Beisetzung sind entstanden. Das betreffe auch das Ritual der Bestattung. Neben der klassischen Trauerfeier mit Chorälen und biblischen Lesungen und der anschließenden Erdbestattung auf dem Friedhof sind vielfältige andere Formen möglich.

Die eindrücklichste Veränderung habe sich dabei bei den Bestattungsformen vollzogen: Die Feuerbestattung hat seit den 1990er Jahren stetig an Verbreitung gewonnen. Auf den Friedhöfen sind Rasengräber und andere neue Grabformen, beispielsweise Gemeinschaftsanlagen für Urnen, entstanden, die weniger pflegeintensiv sind.

Die mythologische Vorstellung vom Weiterleben des verstorbenen Menschen in dem Baum sowie eines Kreislaufs von Leben und Tod widerspricht der christlichen Vorstellung der Neuschöpfung des Menschen und des ewigen Lebens.

Für ein naturnahes Begräbnis bieten sich die Bestattungswälder an. „In einer Welt, die immer stärker digitalisiert, virtualisiert und entmaterialisiert ist, wird die Sehnsucht nach dem, was ‚erdet‘, was ‚natürlich‘ ist, stärker. Das widerspricht der christlichen Bestattungskultur nicht“, so Lensch.

Der Friedhof sei ein besonderer natürlicher Ort – und dort gebe es zurzeit vielfältige Entwicklungen. Denn: Kirche und christlicher Glaube seien nie abgeschlossen, sondern Teil von Gesellschaft und Kultur. Es gehe um den Menschen und seine Bedürfnisse. Zugleich gebe es für Kirche und christlichen Glauben auch aus der biblischen Botschaft heraus klare Leitplanken und Orientierungen.

Trauerprozess von mehreren Monaten

„Die mythologische Vorstellung vom Weiterleben des verstorbenen Menschen in dem Baum sowie eines Kreislaufs von Leben und Tod widerspricht der christlichen Vorstellung der Neuschöpfung des Menschen und des ewigen Lebens. Und davon, dass der Mensch, einzigartig wie er war, aufgenommen ist bei Gott“, so der Superintendent. Die Seelsorge für die Angehörigen und die Trauerfeier in einem christlichen Gottesdienst werden auch weiterhin von den Pastoren gestaltet. Eine pastorale Teilnahme an der Anpflanzung des Baumes werde in der Regel aber nicht stattfinden.

Als „seelsorgerlich bedenklich“ bewertet Lenschen die Länge des Trauerprozesses von mehreren Monaten sowie die eigentlich „Unabgeschlossenheit“ des Beerdigungsgeschehens aufgrund der fehlenden Bestattung.

Überblick zur Serie „Friedhofsleben“

Viele verdrängen das Thema am liebsten so lange es geht, aber irgendwann muss sich jeder damit beschäftigen. In einer crossmedialen Serie beleuchtet die Mediengruppe Kreiszeitung das Thema Sterben, Abschied nehmen und Bestattung. Von jüdischen Grabstellen und den Bestattungstrends der Zukunft. Hier geht‘s zum Überblick zur Serie „Friedhofsleben“.

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