Eydelsteder helfen Flutopfern

Aufräumarbeiten nach Hochwasserkatastrophe: Familie Bolte unterstützt Betroffene vor Ort

Vater Jens Bolte und Daniel Knüpling packen mit an, um Unrat und Schlamm aus Häusern zu entfernen.
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Vater Jens Bolte und Daniel Knüpling packen mit an, um Unrat und Schlamm aus Häusern zu entfernen.

Nach der Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal half Familie Bolte aus Eydelstedt Betroffenen vor Ort. Das Erlebte schockiert und solle im Bewusstsein bleiben.

Eydelstedt – „Es fällt schwer, das Erlebte in Worte zu fassen“, sagt Jens Bolte. Er wirkt mitgenommen. Leid und Zerstörung boten sich dem Eydelstedter Unternehmer bei seinem privaten Hilfseinsatz, den er mit seiner Tochter Rebecca und Daniel Knüpling im vom Hochwasser zerstörten Ahrtal leistete. Enttäuscht seien die Helfer von den Medien. Während die Berichterstattung abflaut, werde in den Flutgebieten noch immer jede helfende Hand benötigt.

Eine bis zu zwölf Meter hohe Wassersäule hatte sich vor drei Wochen durch den Rheinland-Pfälzer Ort Altenburg gedrückt, in dem die Eydelstedter jetzt mithalfen. Der bis zu anderthalb Kilometer breite, reißende Strom ist heute nur noch ein plätschernder Bach, der durch den Ort fließt. Das Bild, das sich den Boltes nach dem Jahrhundert-Hochwasser bot, beschreibt Vater Jens: „Die Städte sind wie ausgebombt. Gebäude mit über 1 000 Jahren Tradition wurden von den Fluten mitgerissen oder müssen abgerissen werden.“ Haus und Arbeit sei vielen genommen worden. Es fehle den Einwohnern an Perspektive.

Rebecca Bolte arbeitet sich durch Unmengen Schutt, um Betroffene zu unterstützen.

Über Gruppen auf Facebook seien die Boltes auf die Hilfsnot aufmerksam geworden. Entschlossen, helfen zu wollen, machten sie sich auf in das Flutgebiet. Tochter Rebecca spricht von „apokalyptischen Ausmaßen“. Vor etwa zwei Wochen kamen sie zurück nach Eydelstedt. Nach drei (Rebecca) beziehungsweise neun Tagen Dauereinsatz mussten die ehrenamtlichen Helfer, die von einem Freund aus der Eifel unterstützt wurden, ihre Kräfte wieder auffüllen. Doch der nächste Einsatz befindet sich bereits in Planung.

Aus Gesprächen mit traumatisierten Betroffenen vor Ort hätten die Boltes erfahren, dass die Zahl der Opfer vermutlich höher ist, als von den Medien betitelt. Jens Bolte: „Was die Menschen hier erlebt haben und auch jetzt noch erleben, kann nicht in Bildern wiedergegeben werden. Sie haben alle gedacht, dass sie sterben müssen.“ Noch jetzt müssten Familien auf dem Dachboden ihres ausgespülten Hauses wohnen.

Filmkulisse ohne Sanitäranlagen

Mit schwerem Gerät und Transportern voll Werkzeugen machten sich die Boltes auf den Weg. Schlafen mussten sie auf Feldbetten in ihren Autos. Duschen und Sanitäranlagen habe es im zerstörten Ort nicht gegeben, später behelfsmäßige Duschen und Toilettenkabinen. Die ehemalige Kreisstadt habe an eine Filmkulisse erinnert. Jedoch sei dies die traurige Realität.

„Die Berge an Müll und Schutt türmen sich meterhoch auf provisorisch errichteten Müllhalden. Das Ausmaß der Umweltverschmutzung, beispielsweise durch ausgetretene Heizöle, wird sich noch zeigen“, erklärt Rebecca Bolte.

Bei der Kernsanierung einer Sporthalle helfen Kräfte der Bundespolizei.

Enttäuscht sei die engagierte Familie von den Behörden. Gesetze und Regeln seien während des Ausnahmezustandes außer Kraft gewesen. „Die Leute haben nur noch funktioniert“, beschreibt der Familienvater. 15 Jahre lang war er selbst beim Technischen Hilfswerk aktiv: „Die haben sich dort nicht die Finger schmutzig gemacht.“

Ein Lob richten sie an die Bundespolizei. Einsatzkräfte hätten sich tatkräftig beteiligt, beispielsweise beim Herausreißen der Böden einer Turnhalle.

Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft hätte die Arbeiten, trotz des großen Leides, geprägt.

Wegräumen von giftigem Schlamm

Die Hauptaufgabe der Eydelstedter bestand im Wegräumen von Schutt und Schlamm. Dieser habe giftig gerochen, beschreibt Rebecca Bolte.

Verpflegung sei aus Spenden ausreichend vor Ort gewesen. Ein ehemaliges Altenheim diente als Hauptzentrum. Was fehlte, seien Werkzeuge und helfende Hände.

Mit schwerem Gerät unterstützt Familie Bolte Flutopfer im Thüringischen Altenburg.

Am Montag, 23. August, wolle sich Familie Bolte und Daniel Knüpling erneut in das Flutgebiet aufmachen. Auch ein weiterer Bekannter habe sich schon angemeldet mitzufahren, um zu helfen.

Zuschüsse für Hilfsgüter

„Wir wollen zwei Transporter mit Werkzeugen, Schutzkleidung und Heizgeräten füllen, um die Hilfskräfte und Menschen vor Ort zu unterstützen. Dafür nehmen wir gerne Zuschüsse in Geldform an, da wir über den Betrieb die benötigten Sachen vergünstigt kaufen können“, erklärt Mutter Babett Bolte. „Wir kaufen nur benötigte Artikel. Diese werden zeitnah bei Kontakten vor Ort abgefragt, die Hilfen kommen zu 100 Prozent an.“

Sie rufen dazu auf, sich in die vom Hochwasser betroffenen Gebiete aufzumachen. Die Umweltkatastrophe müsse im Bewusstsein bleiben. „Egal welcher Beruf, egal welches Alter. Es hilft bereits mit den Leuten zu reden“, sagt Rebecca Bolte.

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