Antrag auf Resolution gestellt

„Auffällig gewordene Wölfe müssen entnommen werden“

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Hobbyzüchter Almir Gasi wirkt fassungslos, als Wolfsberater Marcel Holy sechs getötete Tiere unter die Lupe nimmt. Der Vorfall hat sich im April vergangenen Jahres auf einer Weide an der Meisterstraße in Eydelstedt ereignet. In Form einer Resolution könnte der Rat der Samtgemeinde Barnstorf nun Stellung zur Entwicklung der Wolfspopulation in der Region beziehen.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Der Wolf macht nicht Halt vor Gemeindegrenzen. Immer wieder kommt es in den Landkreisen Diepholz und Vechta zu Übergriffen auf Nutz- und Wildtiere. Nun könnte es einen Schulterschluss zwischen politischen Vertretern zweier Nachbarkommunen geben, die einer weiteren Ausbreitung des Raubtieres entgegenwirken wollen. Die Wählergemeinschaft im Rat der Samtgemeinde Barnstorf fordert die Verabschiedung einer Resolution, die eine Entnahme von auffällig gewordenen Wölfen vorsieht.

„Wir sind der Meinung, dass der bisherige Umgang mit dem Wolf in unserer Region nicht im Sinne der Bevölkerung ist. Die Gemeinde Goldenstedt hat im Dezember eine Resolution zu diesem Thema verfasst, der sollte sich aus unserer Sicht der Rat der Samtgemeinde Barnstorf dringend anschließen“, erklärt Fraktionschef Henning Hagedorn. Seine Wählergemeinschaft hat bereits einen Entwurf für die Resolution formuliert, der im Samtgemeinderat auf den Tisch kommen soll.

Die Wählergemeinschaft vertritt die Auffassung, dass ein weiteres Ignorieren der Probleme durch die Landes- und Bundesregierungen sei nicht mehr hinzunehmen. Der bisher zögerliche Umgang zuständiger Behörden mit der Wolfsproblematik dürfe nicht fortgesetzt werden. Sie vergrößere den bereits eingetretenen Akzeptanzverlust. Aufgrund der Tatsache, dass auffällige Wölfe nicht bejagt werden dürfen, vermehrten sich diese sehr schnell.

„Ein Hochschießen der Wolfspopulation in Niedersachsen bedeutet mindestens eine Verdoppelung der Tierzahlen alle zwei Jahre, wahrscheinlich deutlich schneller. Wie soll man sich da noch sicher bewegen. Gerade in meinem Beruf kann man diesem Szenario sehr wenig abgewinnen“, erklärt Hagedorn, der auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb in Cornau schon ein gerissenes Kalb verzeichnen musste.

Weidetierhaltung steht vor dem Aus

Unzählige Tierrisse in der heimischen Region seien ein Beweis dafür, dass die vorgesehenen Herdenschutzmaßnahmen einzelne Wölfe nicht daran hinderten, Herdentiere als leichte Beute anzugreifen. Weidetierhalter beklagten eine unverhältnismäßige Bürokratie bei der Beantragung von Herdenschutzförderung oder Entschädigungszahlungen. Die aus Umwelt- und Tierschutzgründen erwünschte Weidetierhaltung stehe über kurz oder lang vor dem Aus, befürchtet die Wählergemeinschaft.

Die Menschen und besonders Landwirte und Schäfer dürften nicht länger allein gelassen werden. Die Sorge vor dem Wolf sei durchaus verständlich, zumal einzelne Tiere oder Rudel ihre Scheu vor dem Menschen verlieren würden. Die Meldungen über Wölfe in Wohngebieten und auf landwirtschaftlichen Gehöften nehme gerade in letzter Zeit zu. Die Lebensqualität der Bürger auf dem Lande, vor allem bei Familien mit Kindern, leide schon jetzt erheblich, weil zum Beispiel Kinder sich nicht mehr unbeaufsichtigt im Dorf bewegen könnten.

Der Samtgemeinderat solle die niedersächsische Landesregierung auffordern, „die zunehmende Angst der Bevölkerung vor tier- und menschengefährdenden Wolfsübergriffen ernst zu nehmen und Maßnahmen zu ergreifen, damit die jährlich um 30 Prozent wachsende Wolfspopulation stärker kontrolliert und reguliert wird. Vor allem für Problemwölfe darf auch die Entnahme kein Tabu mehr sein“, heißt es in dem Papier der Wählergemeinschaft.

Unkontrollierte Ausbreitung „höchstgradig gefährlich und unverantwortlich“

Sie wolle keine generelle Verteufelung des Wolfes, halte aber eine unkontrollierte Ausbreitung in einer dicht besiedelten Kulturlandschaft für „höchstgradig gefährlich und unverantwortlich“. „Die Sicherheit der Menschen muss oberste Priorität haben. Die auffällig gewordenen Wölfe im Landkreis Vechta und im Landkreis Diepholz müssen sofort entnommen werden, weil die Gefahr zu groß ist, dass die Elterntiere ihre verlorene Scheu und ihre Verhaltensweisen an die Jungtiere weitergeben“, so die Forderung.

Der Antrag werde auch von der Wählergemeinschaft des Fleckens Barnstorf unterstützt, fügt Hagedorn hinzu. Bei einem entsprechenden Beschluss soll die Resolution an den Landrat des Landkreises Diepholz und alle Landtagsabgeordneten der hiesigen Region übergeben werden. Doch zunächst muss der Samtgemeinderat darüber befinden, ob er sich überhaupt mit dem Antrag befassen will. Die öffentliche Sitzung ist am 31. Januar.

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