Ausbildung in Drebber

Orthopädieschuhmacherin Elisa Buchwald ist Kammersiegerin: Alte Handwerkskunst modern verpackt

Als Orthopädieschuhmacherin arbeitet Elisa Buchwald konzentriert die Aufträge der Kunden ab.
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Als Orthopädieschuhmacherin arbeitet Elisa Buchwald konzentriert die Aufträge der Kunden ab.

Sie misst, sie klebt, sie schleift, sie korrigiert, sie passt an – und das außerordentlich gut, denn Elisa Buchwald ist die beste Orthopädieschuhmacherin im Kammerbezirk Hannover in diesem Jahr.

Drebber – Ihre Ausbildung hat sie bei Orthopädie-Schuhtechnik Halfbrodt in Drebber gemacht. Buchwald hat die theoretische und praktische Gesellenprüfung jeweils mit der Note eins abgeschlossen. Dass sie die Beste ihres Jahrgangs ist, teilte ihr die Kammer auf dem Postweg mit. „Ich hatte erst ein bisschen Bammel“, gibt sie zu, denn sie rechnete zuerst mit nichts Gutem: „Ich gehe oft vom Schlechten aus. Ich bin leider pessimistisch.“ Dass die Nachricht ganz und gar nicht negativ war, konnte sie erst nicht richtig glauben. „Ich war sehr überrascht. Ich hatte eigentlich schon abgeschlossen“, erinnert Buchwald sich.

Kammersiegerin Buchwald: Gesellenstück mit besonders hohem Schwierigkeitsgrad

Ihr Gesellenstück ist ein orthopädischer Maßschuh mit besonders hohem Schwierigkeitsgrad, betont Bastian Halfbrodt, Geschäftsführer von Orthopädie-Schuhtechnik Halfbrodt. Er erklärt: „Man kann Gesellenstücke einfach oder schwer gestalten.“ Buchwald selbst meint, dass sie zuerst auf Nummer sicher gehen wollte: „Ich hatte erst überlegt, einen leichten Schuh zu machen.“ Halfbrodt habe seine Auszubildende aber von etwas anderem überzeugen können: „Wir haben uns auf schwer verständigt.“ Buchwald selbst bereut diese Entscheidung nicht nur wegen des Kammersieges nicht: „Ich habe eine hohe Erwartungshaltung an mich selbst. Ich wollte den Maßstab höher setzen.“

Für die praktische Prüfung hatte die 23-Jährige insgesamt 16 Stunden Zeit – je acht Stunden an zwei Tagen. Es waren stressige Tage, wie Buchwald sagt: „Ich war nervös. In der Prüfung habe ich mir ein paar Mal die Haare gerauft.“ Sie habe sich selbst stark unter Druck gesetzt. „Manchmal hatte ich einfach keinen Bock mehr“, sagt sie. Doch Bastian Halfbrodt und sein Team haben ihr Mut zugesprochen. „Das was sie gemacht hat, war immer gut“, sagt der Geschäftsführer.

Elisa Buchwald an der Schleifmaschine: Auch der Umgang mit Maschinen gehört zu ihrer täglichen Arbeit.

Und das trotz des hohen Schwierigkeitsgrades der Prüfung und des Maßschuhs. Die Sohle sei beispielsweise aus Leder. „Das ist althergebrachte Handwerkskunst“, kommentiert Halfbrodt. Die Kammersiergerin ergänzt: „In der Schule haben mir die Lehrer auch alle vom Leder abgeraten, weil das so schwer ist.“ Sie arbeitete trotzdem mit Leder. „Das hat vielleicht den Ausschlag für den Kammersieg gegeben“, mutmaßt Bastian Halfbrodt.

Außerdem setzte Buchwald auch optische Akzente, weil das Aussehen des Schuhs ihr wichtig war, auch wenn es nicht in die Bewertung ihrer Arbeit einfloss. Statt schlichtem Schwarz verarbeitete sie in ihrem Maßschuh helle Brauntöne, was ebenfalls Tücken mit sich bringen kann. „Wenn der Schuh einheitlich dunkel ist, fallen kleinere Verarbeitungsfehler nicht so auf“, sagt der Geschäftsführer. Alles in allem habe Buchwald sich den Kammersieg verdient. Halfbrodt meint: „Was Elisa gemacht hat, ist althergebrachte Handwerkskunst modern verpackt“

Buchwald führt Kammersieg auf gute Ausbildung in Drebber zurück

Buchwald fühlt sich beim Unternehmen in Drebber pudelwohl. Darauf führt sie unterdessen auch ihren Kammersieg zurück. „Es wird einem immer geholfen“, sagt sie. Bei Halfbrodt zu arbeiten mache ihr jeden Tag aufs Neue Spaß: „Und gerade deswegen will man hier etwas leisten und auch etwas zurückgeben.“

Die besondere Mischung aus freundlicher und professioneller Atmosphäre zeichne den Betrieb aus, meint der angestellte Orthopädieschuhmachermeister Tjorben Logemann. „Ich verbringe meine meiste Zeit hier auf der Arbeit. Meine Kollegen sind wie Familie für mich“, sagt er. Die Zwischenmenschlichkeit sei beim Familienunternehmen aus Drebber einmalig. „Und das ist für mich mit das Wichtigste“

Junges Team bei Halfbrodt in Drebber

Der 22-Jährige war seinerzeit der erste Auszubildende bei Halfbrodt. Bastian Halfbrodt erinnert sich: „Es passte zeitlich eigentlich gar nicht. Aber er wollte unbedingt bei uns eine Ausbildung machen, und wenn jemand so positiv penetrant ist, dann muss man demjenigen auch eine Chance geben.“ Mit bereits 21 Jahren machte er seinen Meister und übernimmt mittlerweile leitende Aufgaben.

Tjorben Logemanns Ausbildungsbeginn sei der Startschuss für den Aufbau des mittlerweile jungen Teams bei Halfbrodt gewesen, dem Elisa Buchwald in Zukunft als Gesellin angehören wird. Bald auch als Meisterin? „Ich will erst einmal warten, aber es macht schon Sinn, das irgendwann in Angriff zu nehmen.“

Das Familienunternehmen Halfbrodt

Führungswechsel bei einem Familienunternehmen aus Drebber. Seit 2021 führen Bastian Halfbrodt und seine Schwester Jördis Halfbrodt den Betrieb in vierter Generation. „Jördis und ich arbeiten gut zusammen“, sagt Bastian Halfbrodt. Senior-Chef Peter Halfbrodt und seine Ehefrau Martina ziehen sich aus dem aktiven Geschäft zurück.

Für die Zukunft stellt sich das Team jung auf. Die kaufmännische Leitung obliegt Geschäftsführerin Jördis Halfbrodt. Geschäftsführer Bastian Halfbrodt leitet als Orthopädieschuhmachermeister die Werkstatt für Orthopädie-Schuhtechnik. Mit Tjorben Logemann und Sebastian Thom stehen dem Betrieb zwei weitere Orthopädieschuhmachermeister zur Seite. Das angrenzende Schuhgeschäft für Bequemschuhe leitet Bastian Halfbrodts Ehefrau Wiebke Halfbrodt.

Zurück zu den Anfängen: „Es begann mit unserem Urgroßvater im Jahr 1931. Er war Schuhmachermeister“, blicken Bastian und Jördis Halfbrodt zurück. Der orthopädische Schwerpunkt habe sich aus dem Zweiten Weltkrieg heraus entwickelt, wobei die Versorgung von Kriegsversehrten im Vordergrund gestanden habe. Nach dem Urgroßvater kam der Großvater, der mit seiner Frau in Drebber ein Schuhgeschäft betrieb. Dessen Sohn und Orthopädieschuhmachermeister Peter Halfbrodt übernahm die Leitung 1985.

Bastian und Jördis Halfbrodt sind überzeugt, dass dem Familienunternehmen die Qualität der Arbeiten immer am wichtigsten war: „Das hat den Betrieb zu dem gemacht, der er heute ist.“

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