Alle Sinne schärfen

Mit Wildnispädagogin Ursula Dell unterwegs auf „Nachtnaturtour“ im Barnstorfer Moor

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Wildpädagogin und Natur- und Landschaftsführerin Ursula Dell möchte den Teilnehmern der „Nachtnaturtour“ für die Natur sensibilisieren und ihre Sinne schärfen.

Barnstorf - Von Lucas Brüggemann. Wie riecht die Natur? Welche Geräusche gibt es und was passiert mit unseren Sinnen, wenn es komplett dunkel ist?

Antworten zu diesen Fragen konnten am Samstagabend elf Teilnehmer der „Nachtnaturtour“ mit Wildnispädagogin Ursula Dell im Barnstorfer Moor finden. Auf der gut zweieinhalbstündigen Tour wurden die Sinne der Teilnehmer „wachgekitzelt“.

Barnstorf bildet den äußersten Zipfel des Naturpark Dümmer, für den Ursula Dell als anerkannte Natur- und Landschaftsführerin Touren anbietet. „Auf der einen Seite haben wir die Hunte und auf der anderen das Große Moor, zwei total unterschiedliche und spannende Habitate“, erklärte Dell.

Wie spannend das Moor sein kann, verdeutlichte sie den Teilnehmern ihrer Tour, indem sie immer wieder kleine Aufgaben für die unterschiedlichen Sinne bereit hielt. „Ich möchte nicht nur den Sehsinn ansprechen, sonder auch die anderen Sinne mitnehmen, die wir haben“, sagte Dell.

Beim ersten Stopp wurde der Hörsinn angesprochen. „Welche Geräusche hören Sie?“, fragte die Wildnispädagogin. Die meisten Teilnehmer nannten das Rauschen des Verkehrs auf der Bundesstraße oder der Flugzeuge. „Diese Geräusche werden hier, mitten in der Natur, schon fast als störend empfunden“, stellte Dell fest. Die Rufe der Gänse, Kraniche und die Stimmen der Singvögel bildeten den natürlichen Kontrast zum Grundrauschen, das von der Straße zu hören war. „Haben Sie gemerkt, wie Sie mit den Augen automatisch zu dem Geräusch gegangen sind? Man hört also auch mit den Augen.“, erklärte Dell und ergänzte: „In der Dunkelheit nachher wird das nicht mehr so einfach sein, auszumachen, wo die Geräusche her kommen.“

In der nächsten kleinen Aufgabe ging es um den Sehsinn. Den Wanderern stachen das satte Grün der Wiesen, das Schwarz der bestellten Äcker, aber auch das zarte Gelb der Weidenkätzchen und einige Gänse ins Auge. Hier ging es auch um die Orientierung in der Dunkelheit. So können Waldstücke, ziehende Wolken oder andere Landmarken dabei helfen, einen sicheren Weg zu finden.

Ein Kernpunkt der Führung war eine etwa halbstündige Rast bei fast völliger Dunkelheit mitten im Moor. Die Teilnehmer sollten in kompletter Stille die Geräusche und Eindrücke auf sich wirken lassen. Man konnte so das Rufen der Gänse und Kraniche, die zur Nachtruhe zusammen kamen, oder auch das Rascheln von Mäusen und Fröschen im Gras hören. „Irgendein Tier saß auf meinem Schuh. Ich konnte leider nicht sehen, was es war“, sagte eine Teilnehmerin nach der Führung.

Der Wind sorgte dafür, dass eine Birke quietschte wie eine alte Tür und ganz entfernt hörte man eine Eule rufen. Den Rückweg zum Treffpunkt legten die Teilnehmer in völliger Dunkelheit ohne Taschenlampe und ohne zu sprechen zurück.

Dell fiel auf, dass einige im Wald das Tempo anzogen und erklärte hinterher: „Uns ist der dunkle Wald unangenehm, weil wir das Vertrauen in unsere Sinne verloren haben. Bei jedem Schatten oder Geräusch kommt unsere Fantasie und meint, dass da jemand oder etwas ist, das uns was Böses will.“

Neben dem Schärfen der Sinne möchte Ursula Dell in ihren Führungen die Teilnehmer wieder für die Natur und ihre Sinne sensibilisieren und ihnen etwas mitgeben: „Und sei es nur, keine Angst im Dunkeln zu haben. Wenn ich so immerhin ein paar Leute erreiche, bin ich zufrieden.“

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