Reaktion auf Leckage in Emlichheim

Alle Erdgas-Bohrungen stehen bei Wintershall Dea auf dem Prüfstand

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Eine Pferdekopfpumpe von Wintershall Dea im Erdölfeld Bockstedt.

Barnstorf - Der Austritt von großen Mengen Lagerstättenwasser auf einer Bohranlage von Wintershall Dea in Emlichheim hat Konsequenzen. Das Niedersächsische Wirtschaftsministerium hat in dieser Woche die kurzfristige Überprüfung aller Einpressbohrungen auf Landesebene angeordnet. Das betrifft auch den Standort Barnstorf, wo der frisch fusionierte Erdöl- und Erdgasproduzent bereits seit mehr als sechs Jahrzehnten aktiv ist. Hier kommen jetzt alle Einpressbohrungen auf den Prüfstand.

„Die niedersächsischen Unternehmen der Erdöl- und Erdgasindustrie sind aufgefordert, bis zum 5. August Informationen zu ihren Anlagen zu liefern“, erklärt Norbert Conrad, Referatsleiter im Wirtschaftsministerium. Das Ministerium erwartet Rückmeldungen zu den verwendeten Werkstoffen für Bohrrohre, Überwachungsmaßnahmen der Erdöl- und Erdgasunternehmen sowie zu Maßnahmen zur Verhinderung von Korrosion in Einpressbohrungen.

Wie bereits berichtet, sollen durch ein verrostetes Rohr an einer Einpressbohrung in Emlichheim im Laufe der vergangenen fünf Jahre zwischen 140.000 bis 220.000 Kubikmeter Lagerstättenwasser ins Erdreich gelangt sein. Die Bohrstelle ist seit Oktober 2018 aufgrund von Wartungsarbeiten außer Betrieb. Bei der damaligen Kontrolle wurde vermutet, dass Korrosionsschäden aufgetreten sein könnten. Dieser Verdacht sollte sich im März bestätigen.

Keine Austritte von Lagerstättenwasser bekannt

Laut Mitteilung des Ministeriums sind dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) bislang keine weiteren Austritte von Lagerstättenwasser aus Einpressbohrungen bekannt. Dennoch sollen rund 220 Bohrungen in Niedersachsen überprüft werden. Wintershall Dea betreibt allein 19 Bohrungen dieser Art im Raum Barnstorf, wie das Unternehmen auf Anfrage erklärt. „Ein vergleichbarer Fall wie in Emlichheim ist uns in Barnstorf nicht bekannt“, betont Pressesprecher Stefan Leunig. Nach dem Vorfall in Emlichheim habe Wintershall noch vor dem Zusammenschluss mit Dea alle Einpress- und Versenkbohrungen vorsorglich untersucht. Ergebnis: „Alle in Betrieb befindlichen Bohrungen sind in einem betriebssicheren Zustand.“

Um mögliche Schäden zu vermeiden, würden die Bohrungen am Standort Barnstorf grundsätzlich permanent überwacht und die Förderdaten mittels Fernübertragung in das Messwarte auf dem Werksgelände an der Rechterner Straße übertragen. Bei Erreichen des maximalen Ringraumdrucks erfolge eine Meldung. Mitarbeiter würden die Plätze regelmäßig kontrollieren. Außerdem gebe es eine Fernüberwachung der Bohrungskeller mit entsprechender Alarmierung bei obertägigem Flüssigkeitsaustritt.

In Emlichheim hat das ausgetretene salzhaltige Lagerstättenwasser nach Einschätzung des Unternehmens einen Grundwassereinleiter erreicht. Trinkwasser wird in diesem Gebiet aber nicht gefördert. „Untersuchungen von Proben aus Oberflächengewässern und oberflächennahem Grundwasser haben ergeben, dass es derzeit keine Anhaltspunkte für eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit gibt“, berichtet Leunig. „Um Gefährdungen weiterhin ausschließen zu können, treibt Wintershall Dea auch die Überwachung der Wasserqualität weiter voran. Wir untersuchen weiter in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden. Vollständige Klarheit ist das Ziel“, so Leunig.

Genauere Analyse erfordert weitere Erkundung

Für eine genauere Analyse sei eine weitere Erkundung der geologischen und hydrochemischen Verhältnisse bis in größere Tiefenbereiche notwendig. Es sei bereits mit einer Tiefbohrung zur genaueren Beurteilung des Untergrundes begonnen worden. Diese Arbeiten würden rund sechs Wochen dauern. Es erfolge eine Untersuchung von Sediment- und Wasserproben, sodass ein Bild über die Untergrundbeschaffenheit bis in eine Tiefe von etwa 230 Metern erarbeitet werde. „Wichtig ist zudem eine schnelle, aber zugleich sorgfältige Untersuchung, welche Maßnahmen zur Schadensbehebung umgesetzt werden können, aber auch wie es zu dem Korrosionsschaden kommen konnte.“

Erste Untersuchungsergebnisse sollen im nächsten Besprechungstermin mit den beteiligten Behörden und Kommunen am 12. August auf den Tisch kommen. Dann soll über das weitere Vorgehen beraten werden. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann macht deutlich: „Sobald Klarheit über das Ausmaß des Schadens besteht, erwarten wir von Wintershall Dea die umgehende Vorlage eines Sanierungskonzepts. Das sollte Anfang Oktober vorliegen.“

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