Alternative Anbaumethode

Thementag in Eydelstedt: Ackerbau ohne Pflug und Egge

+
Praktiker mit Direktsaaterfahrung: Landwirt Maximilian Henne (vorne) erläuterte seine Erfahrungen mit verschiedenen Zwischenfrüchten in seinem Anbausystem.

Erosion vermeiden, Humusaufbau fördern und somit den Boden schützen: Dieses Ziel hatte sich Maximilian Henne gesetzt, als er vor acht Jahren damit begann, seinen Ackerbaubetrieb mit einer neuen Anbaumethode umzukrempeln. Von seinen praktischen Erfahrungen berichtete der Landwirt aus der Nähe von Göttingen nun bei einem spannenden Thementag in der Gemeinde Eydelstedt.

Eydelstedt – Etwa 80 Landwirte und Berater versammelten sich zunächst in der Gaststätte Sandmann, um sich über die Grundzüge der innovativen und zugleich nachhaltigen Bewirtschaftungsmethode zu informieren. Laut Pressemitteilung erläuterte Henne den interessierten Zuhörern, wie er es schafft, völlig ohne Pflug, Grubber oder Kreiselegge auszukommen. Ein solcher Verzicht rief in Zeiten des intensiven Ackerbaus erst einmal ein Stirnrunzeln hervor, aber die weiteren Ausführungen weckten die Neugier.

Der Referent machte deutlich, wie er es schafft, nur durch das biologische Zusammenspiel einer weiten Fruchtfolge, bedeckenden Zwischenfrüchten und langfristiger Planung seine Böden fit und vital zu machen. Diese Verfahrensweise helfe ihm, bei Trockenheit oder Starkregen seinen Ertrag zu sichern und gleichzeitig den Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln zu reduzieren. Er gab aber auch zu bedenken, dass ein solches System andere Herausforderungen mit sich bringe, etwa das Aufkommen von Mäusen oder Schneckenfraß.

Verschiedene Pflanzen zum Schutz vor Wind und Sonne

Als es nach der theoretischen Einführung nach draußen in die Praxis ging, bot sich den Teilnehmern auf einem Feld der Familie Schierholz ein ungewohntes Bild. Statt in einen gepflügten, schwarzen Acker legten mehrere Drillmaschinen die Saat in ein Feld, das hüfthoch mit einer Vielzahl von verschiedenen Pflanzenarten bewachsen ist. Diese Pflanzen verbleiben nun als Auflage zum Schutz des Bodens gegen Wind und Sonne und liefern Futter für eine Vielzahl von Bodenlebewesen – nicht nur für den Regenwurm.

„Das ist wirklich spannend“, meinte ein Schüler der Einjährigen Fachschule Agrarwirtschaft aus Sulingen, die im Klassenverbund an diesem Feldtag teilnahm. In der Runde gab es einige skeptische Blicke. Aber Henne zeigte sich überzeugt, dass die neue Roggenpflanze, die wiederum von Wicke und Grassaat begleitet eingesät wurde, ihren Weg durch die Mulchschicht schaffen werde. „Man muss das aushalten können, dass es erst mal wild aussieht. Nach dem Frost steht da im Frühjahr ein super Bestand!“, sagte der Referent aus Göttingen. Er wies darauf hin, dass Technik und Bodenbiologie gut zusammenspielen müssten, damit der Landwirt auf den Pflug oder Grubber verzichtet könne. Im Optimalfall würden Regenwurm und Co. den bisher gewohnten maschinellen Einsatz ersetzen.

Bodenschutz als aktiver Beitrag zum Klimaschutz

Die Familie Schierholz, die eigenen Angaben zufolge selbst mit dieser Art von Anbaumethode liebäugelt, stellte gerne die Fläche und zum Teil eigene Maschinen für den Modellversuch zur Verfügung. „Es gibt viele gute Ideen, um das Bodenleben und den Humusaufbau zu fördern. Wir sind überzeugt, dass wir als Landwirte durch Bodenschutz auch einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten können“, so Alexander Schierholz-Prilop.

Eingeladen zu dem Thementag „Bodenleben“ hatte die Bezirksstelle Nienburg der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die sich im Rahmen des durch die Europäische Union geförderten Projekts „Diver Impacts“ mit weiten Fruchtfolgen und Zwischenfruchtanbau beschäftigt. Organisator Hauke Ahnemann zeigte sich am Ende zufrieden: „Ich bin überwältigt von dem großen Interesse an diesem Thema.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Israel tötet Dschihad-Militärchef - Beschuss aus Gaza

Israel tötet Dschihad-Militärchef - Beschuss aus Gaza

„Eine Legende besagt: Hätte Herrmann nicht abgeschlossen, würde Friedl immer noch rückwärts laufen“

„Eine Legende besagt: Hätte Herrmann nicht abgeschlossen, würde Friedl immer noch rückwärts laufen“

Wer hat wie benotet? Die Werder-Noten gegen Gladbach im Vergleich

Wer hat wie benotet? Die Werder-Noten gegen Gladbach im Vergleich

Australiens Feuerwehr warnt vor "katastrophaler Feuergefahr"

Australiens Feuerwehr warnt vor "katastrophaler Feuergefahr"

Meistgelesene Artikel

Kirchdorfer Herbstmarkt: Die Mischung gefällt

Kirchdorfer Herbstmarkt: Die Mischung gefällt

Faustschläge auf dem Kirchdorfer Markt

Faustschläge auf dem Kirchdorfer Markt

Amateurfußball-Stickerspaß: Drei Vereine, ein Sammelalbum

Amateurfußball-Stickerspaß: Drei Vereine, ein Sammelalbum

Geyer: „Kein Klärschlammproblem“

Geyer: „Kein Klärschlammproblem“

Kommentare