Waldkindergarten bietet viel Raum zur Bewegung

Abenteuer an der frischen Luft

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Der Bauwagen ist eine beliebte Anlaufstelle im Wald. Die Erzieherinnen Dagmar Nixdorf (l.) und Margret Nordmann, hier mit der fünfjährigen Nahily, finden mit den Kindern viele Spielmöglichkeiten.

Barnstorf - Von Eva-Maria Konkel. Die fünfjährige Nahily ist ein kleines bisschen traurig. Sie ist an diesem Vormittag das einzige Kind im Waldkindergarten. Die Gruppe ist mit fünf Kindern ohnehin schon sehr schwach besetzt und hat in diesen Tagen aus unterschiedlichsten Gründen gleich mehrere Ausfälle zu beklagen. Nicht ohne Grund wünschen sich die Erzieherinnen für das nächste Betreuungsjahr weitere Neuzugänge für die Außenstelle des DRK-Kindergartens „Villa Kunterbunt“.

Sicher, die Einrichtung auf dem Gelände des Barnstorfer Umwelt Erlebnis-Zentrums (BUEZ) ist etwas abgelegen, sollte aber für die meisten Eltern, die ihre Kinder ohnehin mit dem Auto zum Kindergarten bringen, kein Hinderungsgrund sein. Denn die Bedingungen bei den „Kleinen Füchsen“ sind nahezu ideal. Alle Jungen und Mädchen, die gerne im Freien spielen und noch einen natürlichen Bewegungsdrang haben, sind hier an der richtigen Adresse.

Eine Vertreterin der ersten Eltern, die ihre Kinder in den seit mittlerweile rund 15 Jahren bestehenden Waldkindergarten gebracht haben, ist Kerstin Klauke. „Noch heute erinnern sich meine Söhne Steven und Anthony sehr gerne an diese Zeit zurück“, erzählt die Barnstorferin. „Und dabei war die Ausrüstung insgesamt noch viel einfacher. Heute gibt es ein festes Haus, in dem sich die Kinder bei ganz schlechtem Wetter aufhalten können, damals haben wir nur den Bauwagen gehabt.“

Das ist jetzt 16 Jahre her, aber noch im vergangenen Jahr hatte Klauke zwei ihrer Pflegekinder im Waldkindergarten angemeldet und hat nur positive Rückmeldungen bekommen. „Die Kinder haben es geliebt“, berichtet die Mutter. Es sei so viel gebastelt worden, wie in keinem der anderen Kindergärten, in die ihre übrigen Sprösslinge gegangen seien. Solche Worte hören die Erzieher selbstverständlich gern.

„Natürlich ist nicht jedes Kind ein Waldkind“, weiß Margret Nordmann, die zusammen mit Dagmar Nixdorf die pädagogische Betreuung innehat. Aber für Kinder, die sich gerne bewegen, auch gerne mal laut sind und bei Wind und Wetter an der frischen Luft toben, sei das idyllische Gelände am Barnstorfer Ortsrand der ideale Platz. Darin sind sich die beiden Fachkräfte einig.

„Ein Kindergarten ohne Türen und Wände hilft, dass sich Aggressionen im Körper erst gar nicht aufstauen und so zu einem Stresszustand führen, sondern dass sie sich auf angemessene Weise kreativ umwandeln“, wissen die Erzieherinnen zu berichten. Außerdem biete die relativ kleine, überschaubare Gruppe mit maximal 15 Kindern, ideale Möglichkeiten soziale Konflikte zu lösen.

Nach Angaben der Fachkräfte gibt es im Wald keine Reizüberflutung. So könnten die Kinder ihre inneren Kräfte besser wahrnehmen und erproben. Das tägliche Erleben und Erforschen des Waldes sei für die jungen Menschen ein echtes Abenteuer. Positiver Nebeneffekt: „Die Kinder sind weniger anfällig für Krankheiten, da das Immunsystem gestärkt wird. Und anders, als in geschlossenen, oft überheizten Räumen, können sich Bakterien und Viren nicht so schnell ausbreiten.“

Bedingt durch die vielen Rückzugsmöglichkeiten, die der Wald mit seinen vielen Verstecken bietet, könne der Nachwuchs wieder Stille erleben, was in den „Regelkindergärten“ mit der relativ hohen Kinderzahl pro Gruppe kaum, oder gar nicht möglich sei. Zusätzlich zu den Aktivitäten im Wald gibt es einmal im Monat ein Turnangebot im Kindergarten „Villa Kunterbunt“. So finden besondere Veranstaltungen, wie zum Beispiel Karneval, in der „Villa Kunterbunt“ statt.

Der Waldkindergarten bietet ebenfalls die Gelegenheit, etwa bei extremer Wetterlage, sich im Gebäude aufzuhalten. Dort findet auch das morgendliche Treffen statt, bevor die wetterfeste Kleidung angezogen wird und das „Abenteuer Wald“ beginnt. Auf dem Gelände befindet sich ein Bauwagen, in dem auch gebastelt und gesungen wird. Das gegenüberliegende Toilettenhaus ist für viele Kinder spannend, aber es gibt auch ganz normale Sanitäranlagen im Haus.

Die Betreuungszeiten sind bisher täglich von 8 bis 12 Uhr, also nicht so ausgedehnt wie in anderen Kindertagesstätten. „Das kann für berufstätige Eltern durchaus ein Problem sein“, wissen Nordmann und Nixdorf. Darum hätten die Verantwortlichen auch an einer Lösung gearbeitet. Ab dem neuen Betreuungsjahr sei eine Ausdehnung der Öffnungszeiten möglich, sofern ein entsprechender Bedarf bestehe.

Eltern können jederzeit einen Schnuppertermin vereinbaren. Gerne auch schon mit den Kleinen, um zu schauen, ob es passt. „Wir sind da auch nicht so kleinlich, was die Anmeldefristen angeht. Bei uns können die Kinder jederzeit in die Gruppe kommen, es sei denn, die Höchstgrenze von 15 Kindern ist erreicht“, sagen die Erzieherinnen. Angesprochen sind alle Kinder im Alter von drei Jahren bis zur Einschulung.

Weitere Informationen

Margret Nordmann und Dagmar Nixdorf,

Telefon 0170/1212834

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