Neda Esmaeili kämpft gegen Ungerechtigkeit

Barnstorf: 35-jährige Iranerin macht durch Kunst auf Frauenrechte aufmerksam

Iranerin Neda Esmaeili will mit ihrer Kunst in Barnstorf auf Frauenrechte und Ungerechtigkeit aufmerksam machen.
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Iranerin Neda Esmaeili will mit ihrer Kunst in Barnstorf auf Frauenrechte und Ungerechtigkeit aufmerksam machen.

Barnstorf – Gewalt an Frauen ist kein neues Thema und kommt auch in Deutschland vor. Deshalb stehen immer wieder Frauen auf und prangern diesen Zustand öffentlich an. Eine dieser Frauen ist die 35-jährige Iranerin Neda Esmaeili. Durch ihre Kunst will sie jetzt in Barnstorf auf die Ungerechtigkeit aufmerksam machen.

Esmaeili ist vor zwei Jahren zusammen mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter aus dem Iran geflohen. Der Grund für die Flucht war die Tatsache, dass ihr Mann jüdischen Glaubens ist und sich geweigert hatte zum Islam überzutreten.

Dadurch war die Familie Vergeltungsmaßnahmen ausgesetzt. Für ihren Mann Amir wurde es immer schwieriger, seiner Arbeit als Dozent nachgehen zu können. „Das war der Hauptgrund für unsere Flucht nach Deutschland“, sagt die studierte Grafikerin.

Im Iran hatte die 35-Jährige einen Bachelorabschluss gemacht. Sie war vier Jahre in der Werbebranche tätig.

Sie selber habe sich mit den Zuständen im Land nicht mehr abfinden wollen. Gerade die Stellung der Frau in der Gesellschaft sei besonders schlimm gewesen.

Im Auffanglager in Bramsche, der ersten Station in Deutschland, sei Neda Esmaeili durch eine kolumbianische christliche Familie erstmals auf Jesus aufmerksam geworden. Der Wunsch, Christin zu werden wuchs. Dieser wurde durch die Aufnahme in die Kirchengemeinde St. Veit in Barnstorf zusätzlich bestärkt.

Die Taufe im Oktober letzten Jahres in der St. Veit Kirche war für die junge Frau nicht nur eine Herzensangelegenheit, sondern ein Stützpfeiler in ihrem neuen Leben in Barnstorf gewesen.

Kraft im Glauben gefunden

Durch ihren Glauben habe die Künstlerin die Kraft gefunden, ihre Stimme für die Frauenrechte im Iran zu erheben, sagt sie und zeigt auf ein Bild, das sie zu diesem Thema gemalt hat.

Zu sehen ist das Bild zum Thema „Glauben und Taufe“ gemeinsam mit ihren Werken zum Thema „Frauenrechte“ in der „Kunsthalle Barnstorf“. Gerd Strathmann, der dort eine Dauerausstellung hat, sei sofort bereit gewesen den Werken von Neda Esmaeili Platz einzuräumen.

„Ich kann nicht mehr schweigen. Ich muss das sagen. Männer und Frauen müssen die gleichen Rechte haben. Warum darf ein Mann über seine Frau bestimmen, darf ihr vorschreiben wohin sie gehen und vor allen Dingen nicht gehen darf? Viele Männer im Iran benutzen die Religion, um die Frauen zu unterdrücken“, sagt die Iranerin.

Diese Themen würden die Mutter umtreiben. Sie können nicht anders, als ihre Gedanken in ihren Bildern zum Ausdruck zu bringen.

Weibliche Motive zeigen viel Haut

Auffällig bei ihren Werken ist, dass die weiblichen Motive viel Haut zeigen. Die Künstlerin will den Schleier im wahrsten Sinne des Wortes lüften. Die Frauen von ihren Fesseln, die sich in Form von erzwungener Verhüllung zeigen, befreien.

„Ja, das provoziert – und genau das will ich“, betont sie immer wieder.

„Ich bin die Stimme von Frauen, die ihrer Grundrechte in der Gesellschaft beraubt wurden und die viel Gewalt erlebt haben, während sie ihre Rechte einfordern. Kleine Mädchen müssen einen Hijab tragen, wenn sie zur Schule gehen. Auch das ist ein Teil von Gewalt. Wenn ein Mädchen vergewaltigt wird, gibt die Männergesellschaft nur ihr die Schuld. Allein diese Tatsache ist Gewalt. Gewalt ist, wenn eine Frau keine Beziehung zu einem Mann haben möchte, sie aber gezwungen wird ihm ihren Körper und ihre Seele zur ständigen Verfügung zu stellen. Wenn eine Frau keinen Sex haben kann und will, wird ein Familiengericht einberufen und das Gericht gibt immer dem Mann recht. Gewalt bedeutet auch, dass eine Frau, die ihre Kinder aufzieht und betreut, nach der Scheidung kein Recht auf die Kinder hat“, so Neda Esmaeili.

Sie erzählt von Frauen, deren Gesicht mit Säure verätzt wurden, nur weil eine Haarsträhne unter ihrem Schal zu sehen war. Frauen würden gesteinigt werden, wenn sie ihren Mann betrügen. Wenn der Mann seine Frau betrügt, sei die Frau Schuld. Sie hätte ihrem Mann mehr Aufmerksamkeit schenken müssen.

„Dieselben Männer wuchsen als Kinder mit den Wiegenliedern ihrer Mütter auf. Und jetzt dürfen diese Mütter nicht mehr singen. Ist das vielleicht gerecht?“, fragt Neda Esmaeili.

Angst und Risiko sind bewusst

Ihrem Mann ist nicht wohl dabei. Er habe Angst um seine Frau, die sich des Risikos durchaus bewusst sei. „Aber man muss aufstehen und seine Meinung sagen, auf die Zustände im Iran hinweisen, das ist wichtig“, betont die junge Frau immer wieder.

Und dabei bezieht sie sich nicht nur auf ihre Bilder sondern auch auf ein Musikvideo, das zur Zeit noch produziert werde. In diesem singt die 35-Jährige ein Gedicht mit politischem Inhalt auf Farsi. Das Gedicht wurde anonym veröffentlicht. Die Musik dazu komponierte ein Freund aus dem Iran. Das Video soll nach der Fertigstellung auf verschiedenen internationalen Musikkanälen gesendet werden.

„Auch das ist im Iran verboten“, erzählt sie, laut der iranischen Regierung sollen Frauenstimmen nicht klar gehört werden. Demnach als Solistin nur im Zusammenhang mit einem Orchester oder Chor. Neda Esmaeili macht es aber trotzdem und ist stolz darauf.

Ich bin die Stimme von Frauen, die ihrer Grundrechte in der Gesellschaft beraubt wurden und die viel Gewalt erlebt haben, während sie ihre Rechte einfordern.

Neda Esmaeili

Die Künstlerin, die jetzt in Barnstorf beheimatet ist, hat gerade die Aufnahmeprüfung für einen Chor bestanden. Das Besondere an diesem Chor ist, dass die dort aktiven Musiker ausschließlich Iraner sind, die verteilt auf der ganze Welt leben. Aus diesem Grund wird nur online geprobt. Sie treffen sich nur vor den Konzerten, die in Paris und demnächst auch in England stattfinden und große Konzerthallen füllen sollen.

Einen Eindruck könnten sich Interessierte auf Youtube unter: https://choralebahar.com/classes/paris holen.

Auf die Frage, wie sich die Iranerin ihre Zukunft vorstelle, kommt als erstes der Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit. Arbeit finden und nebenbei ihre Werken zu verkaufen. ko

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