Ab 2019 soll Schluss sein mit der Unsicherheit

Gesundheitsminister macht Hoffnung für Krebsberatung in Barnstorf

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Hermann Gröhe (links) im Gespräch mit Johann Knake, Erster Vorsitzender der Igel.

Barnstorf - Von Julia Kreykenbohm. Es tue ihm leid, das versicherte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gestern bei seinem Besuch im Mehrgenerationenhaus (MGH) in Barnstorf. Er wisse, welche Phase der Verunsicherung hinter den Mitarbeitern liege und bedauere, dass es so lange gedauert habe, bis eine Entscheidung gefallen sei. Die Rede war von der psychosozialen Krebsberatung, die zum Angebot der Interessengemeinschaft Gesundes Leben (Igel) gehört. Diese Beratungsstelle ist kreisweit einzigartig, konnte 2015 rund 182 Ratsuchende mit insgesamt 679 Kontakten verzeichnen.

Trotzdem hatte sie lange um ihr Überleben bangen müssen, da die weitere Finanzierung unklar war und sich Politik und Krankenkassen gegenseitig die Verantwortung zuschoben. Mitarbeiter mussten um ihre Existenzen fürchten.

Zuversicht, obwohl die letzte Entscheidung noch nicht getroffen ist

Nun hat die Deutsche Krebshilfe eine weitere Förderperiode für 2018 zugesagt. Doch diesen Zustand zwischen Hoffen und Bangen wolle man nicht noch einmal erleben, machte Vorstandsmitglied Wilfried Heitmann deutlich. „Die Wogen sind nicht nur in Barnstorf hoch geschlagen. Da gab es viel Wut, Frustration und Sorgen.“

Umso schöner sei nun die Nachricht für alle, dass es erst mal weitergeht. „Aber da uns eine Wahl bevorsteht, glaube ich noch nicht, dass die finale Entscheidung getroffen ist. Doch wir sind zuversichtlich.“ Weil es immer mehr Langzeitüberlebende unter den Krebspatienten gebe, seien die ambulanten Beratungsstellen nicht mehr wegzudenken. „Schaffen Sie die notwendige, gesetzliche Finanzierung und sichern Sie für mindestens acht Millionen Betroffene den niedrigschwelligen Zugang zu einer schnellen und unbürokratischen Unterstützung“, appellierte Heitmann an den Minister.

„Wir werden diese Bitte erfüllen“, versprach Gröhe, der auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig in den Landkreis gekommen war, unter dem Applaus der Gäste. Die Langzeitüberlebenden stellten eine neue Herausforderung da, weil viele eben nicht zurück in einen Beruf fänden oder aufgrund ihrer Krebserkrankung zusätzlich eine psychische Erkrankung entwickelten. „Eine Regelfinanzierung muss her“, sagte Gröhe und er könne sich auch nicht vorstellen, dass die Parteien darüber verschiedene Ansichten hätten.

„Wir hoffen, verlorene Zeit wieder aufzuholen“

Zurzeit beschäftige sich eine Arbeitsgruppe damit. Parallel wird eine Bedarfsanalyse mithilfe einer Studie entwickelt. „Wir hoffen, dass wir so die verlorene Zeit wieder aufholen und Bedingungen für eine Fortführung schaffen, die wir dann ins Gesetz bringen.“ 2018 sollen die Weichen gestellt werden, damit die Finanzierung 2019 kommen kann.

Trotz dieser ermutigenden Worte fühlten Angelika Wilkening-Scheck vom Krebsberatungszentrum der Caritas und Annette Finke von der Psychosozialen Krebsberatungsstelle dem Minister noch einmal genau auf den Zahn. „Die Langzeitüberlebenden werden oft vergessen“, mahnte Finke. „Für sie werden keine Spenden gesammelt, aber sie brauchen diese Beratung.“ Sie wünschte, die ambulante Krebsberatung würde genau so viel Beachtung finden wie die Hospizarbeit.

Wilkening-Scheck hakte nach: „Können Sie zusichern, dass Sie dieses Thema in die Koalitionsgespräche einbringen werden? Personal, Träger, Patienten und Angehörige sind verunsichert. Es darf nicht mehr so lange dauern, es brennt!“ Gröhe ballte symbolisch beide Fäuste und erklärte: „Wir arbeiten hart daran.“

Gerne hätten die beiden Frauen noch mehr Fragen gestellt, doch da zu dem Besuch von Gröhe in Barnstorf auch noch ein Besuch der Krippe „Igelbande“, eine Führung durch das MGH sowie die Vorstellung der Igel und ihrer Angebote gehörten, war das Zeitfenster knapp bemessen.

„Ein paar Zweifel bleiben noch“, gestand Wilfrid Heitmann am Ende des Gesprächs. „Aber wir sind sehr zufrieden über die klare Aussage von der Politik.“

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