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100 Jahre – „und es geht mir ganz gut“

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Von: Madlen Timmermann

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Die Familie versammelt sich vor der großen, grünen 100 um Jubilarin Gertrud Krebstakies.
Die Familie versammelt sich vor der großen, grünen 100 um Jubilarin Gertrud Krebstakies. © Timmermann

Gertrud Krebstakies feiert ihren 100. Geburtstag. Aus Ostpreußen geflohen, in Drentwede heimisch geworden – und zum großen Jubiläum gratulieren die Nachbarn und der Ort auf ganz besondere Art.

Drentwede – Dass sie einmal 100 Jahre alt werden würde, hätte Gertrud Krebstakies niemals gedacht. Doch sie hat es geschafft. Am Dienstag feierte die Drentwederin diesen besonderen Geburtstag im Kreise ihrer Familie – darunter die beiden Söhne, drei Enkel, drei Urenkel und sogar ein einjähriger Ururenkel als jüngster Spross.

100 Jahre – in einer so langen Zeit hat man natürlich auch viel erlebt, wie Gertrud Krebstakies selbst berichtet. Geboren wurde sie 1922 in einem kleinen Dorf an der Memel im Kreis Tilsit als jüngste von drei Schwestern. Dort wuchs sie auf einem Bauernhof auf, erlernte im Ort später auch ihren Beruf: Näherin. Lange blieb diese Tätigkeit ihre große Leidenschaft. 1942 heiratet Gertrud Krebstakies ihren Mann, doch der wird unmittelbar nach der Hochzeit zum Kriegsdienst eingezogen. Es entwickelt sich eine für diese schlimme Zeit während des 2. Weltkriegs und danach typische Familiengeschichte. 1943, während der Ehemann noch fern der Familie ist, wird Gerhard, der erste Sohn, geboren. Mit diesem flüchtet Gertrud Krebstakies dann 1945 aus Ostpreußen – mit dem letzten Transportzug verlässt sie den Ort, der ihre Heimat war, und findet in Grünau in der Nähe von Zwickau glücklich wieder mit ihrem Mann zusammen. Ein Jahr später wird Günter, der zweite gemeinsame Sohn geboren.

Verwandtschaft in Lemförde sorgt dafür, dass die Familie Krebstakies eine Zuzugsgenehmigung bekommt – das wird zum Anstoß für den Umzug nach Drentwede. Dort bewohnt die Familie zunächst ein an der B51 gelegenes Haus, 1956 wird das neue, eigene Heim am Sportplatz errichtet. Angekommen, der Endpunkt einer Flucht. Aus Meißen ziehen auch die Eltern zu.

Im neuen Zuhause wird das Gärtnern zur neuen Leidenschaft. Das Paar bleibt zusammen, Im Jahr 1992 dann der große Einschnitt: Gertrud Krebstakies’ Ehemann stirbt an den Folgen eines zwei Jahre zuvor erlittenen Schlaganfallst. Lange bleibt die Witwe noch im eigenen Haus, seit einigen Jahren wohnt sie aber schon in der Senioren-Wohngemeinschaft Drentwede direkt gegenüber von ihrem alten Zuhause. „Ich fühle mich wohl hier“, sagt die Jubilarin. Bis jetzt „lief alles glatt“.

Der „Club 100“ wird immer größer

Verbesserte Lebensumstände, steigender Wohlstand und medizinischer Fortschritt – das alles sind Gründe, die dazu beitragen, dass die Bevölkerung in Deutschland immer älter wird. Im Jahr 2021 lebten hierzulande gut 23 500 Menschen, die mindestens 100 Jahre alt waren. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das rund 3 000 Personen mehr als noch im Jahr zuvor. Die Zahl der mindestens Hundertjährigen lag damit auf dem höchsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Quelle: Statistisches Bundesamt

Weil Gertrud Krebstakies in Drentwede heimisch geworden ist, kamen natürlich auch die Nachbarn zum Geburtstag. Aus Buchsbäumen hatten sie eine große „100“ gebunden – ein ideales Fotomotiv für den Geburtstag. Die Freude bei der Jubilarin war groß über diese Überraschung. Doch genau so sehr war sie von dem Fotoalbum mit Bildern aus ihrem Leben begeistert, welches die Nachbarn ihr zusammengestellt hatten. Bei Kaffee und Kuchen überreichte ihr der ehemalige Drentweder Bürgermeister Theo Amelung eine Torte, auf der ihre beiden Söhne mit ihrer Mutter zu sehen sind. Und noch ein Geschenk gab es von den Drentwedern: Gegen Abend marschierte der Spielmannszug „Plan B“ ein und spielte für Gertrud Krebstakies einige Lieder, unter anderem „Happy Birthday“. Sichtlich erfreut über diese Überraschung schunkelte sie zur Musik mit. Im Anschluss wurde mit allen angestoßen. Der ganze Tag war dem „Geburtstagskind“ gewidmet, so kamen auch Pastorin Ilka Strehlow aus Barnstorf und der Stellvertretende Bürgermeister von Drentwede, Frank Uhlhorn, zum Gratulieren.

So viel Trubel um ihre Person – das hat Gertrud Krebstakies in 100 Jahren möglicherweise nie zuvor erlebt. Welche Wünsche sie in ihrem hohen Alter noch hat? Ganz einfach: „Mir geht es ganz gut, ich möchte noch weiter leben.“ Diese Einstellung begeistert die Familie, und alle freuen sich auf weitere Jahre mit ihrer Mutter, Oma, Urgroßmutter und Ururgroßmutter.

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