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Ausbildung von Jagdhunden: Schliefenanlagen stehen in der Kritik

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Von: Gregor Hühne

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Zutritt unerwünscht: Betreiber von Schliefenanlagen befürchten Anschläge.
Zutritt unerwünscht: Betreiber von Schliefenanlagen befürchten Anschläge. © Peta

Die Peta-Forderung, Schliefenanlagen zu schließen, hält Jäger Hans-Joachim Großmann für fatal. „Wenn das soweit kommt, wäre die Jagdhundeausbildung nicht mehr möglich“, sagt er.

Landkreis Diepholz – Die Tierschutzorganisation Peta ist im Februar gegen die Jagdhundausbildung auf Füchse und den Einsatz sogenannter Schliefenanlagen vor Gericht gezogen (wir berichteten). Ihrer Meinung nach verstoßen die Betreiber gegen das Tierschutzgesetz. „Wir fordern die sofortige Schließung der Anlagen sowie die Beschlagnahmung der dort eingesperrten und gequälten Füchse“, verlautbarte Peta über eine Pressemitteilung.

Doch was sind das für Anlagen und gibt es Alternativen zur Baujagd auf Füchse? Wir haben uns umgehört. Hans-Joachim Großmann jedenfalls ist verärgert. Der Jäger betreibt eine Schliefenanlage in Hilgermissen, Landkreis Nienburg/Weser und sieht die Fuchsjagd in der Öffentlichkeit falsch dargestellt. Der Tierschutz werde sehr wohl beachtet, beteuert er.

In Schliefenanlagen werden Jagdhunde auf die Witterung des Fuchses konditioniert. Dabei ist sie „ein Röhrensystem, das einem natürlichen Fuchsbau nachempfunden ist mit Steigungen, engeren und weiteren Stellen“, erklärt Katrin Maar, Sprecherin des Jagdgebrauchshundverbands Niedersachsen. In Schliefenanlagen in Deutschland werde der körperliche Kontakt mit dem Jagdhund ausgeschlossen. Die Aufgabe des Fuchses bestehe in der Erzeugung einer frischen Witterung, die er beim gleichzeitigen aber getrennten Durchlaufen der Anlage hinterlässt. In Gerichtsurteilen sei die Schliefarbeit als tierschutzrechtskonform bestätigt worden, erklärt Maar, was Veterinärbehörden kontrollierten.

Aktivisten greifen Schliefenanlagen an

Untersuchungen zeigten zudem, dass Füchse in freier Natur im Schnitt nicht älter als sieben bis acht Jahre alt würden und unter Parasiten litten. Schliefenfüchse hingegen erreichten laut Maar mit rund 13 Jahren ein höheres Alter. Jeder dieser Füchse bekomme die gleiche tierärztliche Pflege wie Haushunde – werde also geimpft, entwurmt, tierärztlich untersucht.

Die Peta-Forderung, Schliefenanlagen zu schließen, hält Großmann für fatal. „Wenn das soweit kommt, wäre die Jagdhundeausbildung nicht mehr möglich“, so der Jäger, der seit 45 Jahren einen Jagdschein besitze. Er befürchtet außerdem eine Kampagne gegen diese Jagdform sowie die Zerstörung seiner Anlage durch Aktivisten. Öffentlich möchte er sich nicht weiter äußern. Vor drei Monaten hätten Unbekannte die Käfige seiner Füchse zerstört und die Tiere freigelassen.

Von solchen Aktionen berichtet auch Jan Knoop, Vorsitzender des Jagdgebrauchshundeverbands. Es sei zu Angriffen gekommen, bei denen Zuchtfüchse freigelassen wurden. „Die haben in der freien Natur so gut wie keine Überlebenschance“, meint Knoop.

Die in sozialen Netzwerken erscheinenden Bilder, bei denen Hunde auf Füchse in künstlichen Bauanlagen gehetzt werden, stammten derweil meist aus Osteuropa. „In Deutschland ist das verboten und wird von der Jägerschaft nicht toleriert“, ergänzt Katrin Maar.

Ökologische Jagd verzichtet auf Baujagd

Doch nicht alle Jäger halten die Baujagd auf Füchse für notwendig. Marc Fleischer ist stellvertretender Vorsitzender des Ökologischen Jagdvereins (ÖJV) Niedersachsen-Bremen. „Der ÖJV vertritt eine Jagd, die von der Achtung gegenüber den Wildtieren als Mitgeschöpfe ausgeht“, sagt er. Das bedeutet, zeitgemäßes ökologisches und wildbiologisches Wissen sowie handwerkliches Können seien Voraussetzungen für die ökologische Jagd.

Die Anwendung einer Schliefenanlage oder ähnlicher Kunstbauten zur Hundeausbildung stelle sich somit nicht. „Der ÖJV lehnt aus Tierschutzgründen grundsätzlich die Bau- und Fallenjagd ab“, so Fleischer. Speziell der Fuchs werde häufig zu Unrecht als Beutegreifer von Niederwild verurteilt. Vielmehr sei der Fuchs als Umweltpolizei aktiv und gleiche hohe Geburtsraten bei seinen Beutetieren aus oder erbeute kranke und schwache Tiere. In einigen Nachbarländern wie Luxemburg und Teilen der Schweiz sei die Jagd auf den Fuchs sogar eingestellt worden, berichtet Fleischer. Auch Peta bestätigt das: „Viele europäische Länder haben die grausamen Schliefenanlagen bereits verboten.“ Sollte der Fuchs trotzdem bejagt werden müssen, weil ein krankes Tier gesichtet wurde, könne es über die normal Jagd geschehen, so der ÖJV.

Dem widerspricht Katrin Maar: „Die Baujagd auf den Fuchs ist eine effiziente, tierschutzkonforme Möglichkeit Prädatoren-Management zu betreiben“ – sprich Bejagung. Füchse seien die verbreitetsten Prädatoren (Räuber), die neben Mäusen alle Arten von Bodenbrütern fräßen wie Kiebitz, Wiedehopf, Rebhuhn und Großer Brachvogel. Das befeuere das Artensterben hierzulande.

Dort, wo intensives Prädatoren-Management betrieben werde, steige die Zahl von Bodenbrütern, Hasen und anderen, teils bedrohten Tierarten an, argumentiert Maar. Bei der Fuchsjagd gehe es daher ihrer Ansicht nach auch um aktiven Artenschutz.

Da Deutschland tollwutfrei sei und die Fuchsbestände in der Folge anstiegen, gebe es aktuell viele Füchse, so Maar. Sie hätten außer dem Uhu keine natürlichen Feinde.

Jäger erlegen 459 284 Füchse

Als anpassungsfähiger und intelligenter Beutegreifer könne sich ein natürliches Gleichgewicht in der vom Menschen beeinflussten Kulturlandschaft und Fuchspopulation nicht einstellen, sagt Katrin Maar: „Alleine in Deutschland wurden im Jagdjahr 2020/2021 insgesamt 459 284 Füchse erlegt.“

Zur wohl effektivsten Jagdform zähle die Baujagd. Dem Grunde nach sei sie ein Aufstöbern des Wildes unter der Erde.

Der Hund habe, wie bei einer Stöberjagd, allein die Aufgabe, das Wild, in diesem Fall den Fuchs, für die Jäger sichtbar zu machen.

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