Gemeindearchivar Greve erinnerte an die Schicksale der NS-Opfer von 1939 bis 1945

„Auch in Weyhe geschah Unrecht“

Gemeindearchivar Hermann Greve referierte im Weyher Rathaus vor rund 60 Zuhörern.

Weyhe - (sie) · Geschichte ist spannend, wenn sie gut präsentiert wird, im besten Fall kann man sogar von ihr lernen. Dieses Ziel verfolgte Gemeindearchivar Hermann Greve am Mittwochabend, der im Weyher Rathaus eine Lesung über die Schicksale Weyher Opfer von 1939 bis 1945 hielt. Rund 60 Gäste aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und KGS-Schüler hörten ihm trotz erkältungsbedingter Reibeisenstimme gespannt zu.

„Erinnerung darf nicht enden“, mahnte er zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz. Hermann Greve wies darauf hin, dass dieser Tag internationaler Holocaust-Gedenktag ist und er sich zum fünften Mal jährte.

Der Buchautor referierte, wie die traditionsreiche Arbeiterbewegung in Weyhe systematisch von den Nazis und Nazi-Sympathisanten unterdrückt worden war, skizzierte Schicksale der sieben jüdischen Familien in Weyhe und sparte nicht, das Thema Zwangsarbeit in Weyher Ortsteilen anzureißen. Denn einige Betriebe nutzten die Arbeitskraft von verschleppte Menschen aus Polen und Russland. Diese lebten in Baracken in Kirchweyhe und Leeste, die es teilweise noch gibt. Seinen Vortrag illustrierte Greve mit zahlreichen Bildern. Er berichtete unter anderem, wie sich das Leben vor Hitlers Machtergreifung von in den Weyher Ortsteilen abspielte und dass angesehene Juden danach um ihr Leben fürchten mussten. Greve beleuchte auch die Hetze von der Kirchweyher Kirchenkanzel. Schilder mit der Aufschrift „Juden sind in diesem Ort unerwünscht“ und „Juden betreten diesen Ort auf eigene Gefahr“ dokumentieren, wie Nazis in Weyhe öffentlich agierten. Carl Polak war beispielsweise ein verschlepptes Weyher NS-Opfer, dessen Spur sich in Minsk verliert. Dass für den jüdischen Viehhändler ein Stolperstein in Lahausen gesetzt werden soll, findet Greve richtig.

„Ich war schockiert von den persönlichen Schicksalen verfolgter Weyher Bürger. Mir war nicht klar, wie präsent die SA war“, sagt der Leester KGS-Schüler Kai Kampf (G 10a). Dass Kinder wie Schweine in Ställen wohnen mussten, Weyher Bürger keine Courage hatten, den Opfern zu helfen und perverse Übergriffe, von denen Greve berichtete, hätten den 15-Jährigen sehr bewegt. „Ich bewundere die Arbeit der Historiker“, ergänzte er. Der junge Dreyer sagte, dass er vieles über seinen Wohnort nicht wusste. Deshalb zog er Konsequenzen: „Ich habe beschlossen, mich selbst mehr mit dem Thema zu beschäftigen.“ Er wolle dazu beitragen, dass „solche Verbrechen niemals wieder zugelassen werden“.

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