Timo Friedhoff nimmt Auszeit und übergibt Archiv zurück an die Gemeinde

Ein Archivar mit großem Herz für Wagenfeld

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Als Dank für seine unermüdliche akribische Arbeit für das und im Archiv bekam Timo Friedhoff neben viel Anerkennung auch Zeichnungen von Gerd Kadzik, Kulturpreisträger des Diepholzer Landes, und etwas „Vergängliches“ wie Auburg-Sekt mit nach Göttingen, wo er als Forstwissenschaftler, Gärtner und in der außerschulischen Bildung berufllich tätig ist. ·

Wagenfeld - Bürgermeister Wilhelm Falldorf kennt schon, dass er hin und wieder Wagenfeld verlässt, schon von Berufswegen. Gemeint ist Timo Friedhoff, erst 33 Jahre und seit 2004 Wagenfelds Archivar. Jetzt bat der, der in Göttingen zum Broterwerb Zuhause ist und dessen Herz in Wagenfeld schlägt, um eine Auszeit von seinem Ehrenamt. „Wir lassen Dich nicht gerne aus der Verantwortung, die du so akribisch über knapp zehn Jahre übernommen hast“, bedankte sich Bürgermeister Falldorf bei Friedhoff.

Vor den beiden stehen ein kleiner roter Festplattenspeicher und ein Mini-Netbook, ein Geschoss entfernt von den Räumen des Archivs im Obergeschoss der Auburg. Auf dem Speicher befindet sich das akribisch aufgearbeitete Inventarium des Wagenfelder Archivs über mehrere Jahrhunderte.

„Seit meinem sechszehnten Lebensjahr beschäftige ich mich mit der Geschichte Wagenfelds. Seinerzeit wurde ich von meinem damaligen Geschichtslehrer an der Graf-Friedrich-Schule Diepholz, Wilfried Gerke, dazu inspiriert“, erinnerte sich der Forstwissenschaftler, der in seiner Freizeit immer wieder in Wagenfeld und Umgebung für seine Recherchen unterwegs ist. „Erst war es die eigene Geschichte, das Interesse an Heimatgeschichte, die Liebe zum Schreiben.“ Artikel in den Kreisheimatblättern der Kreiszeitung und seine vier Bücher beschäftigen sich mit der Historie von Wagenfeld.

Nach einem Ratsbeschluss im Jahr 2004 ernannte die Gemeinde Timo Friedhoff zum ehrenamtlichen Archivar. Der Gemeinde hinterließ er durch sein unermüdliches Suchen, Recherchieren, seine Akribie und Nachfragen und mit seiner sympathischen offenen Art mit Menschen umzugehen ein historisches Werk. „Jetzt erbitte ich mir eine Auszeit aus persönlichen Gründen“, erläutert Timo Friedhoff seine Entscheidung. Er übergab damit das Archiv offiziell zum 1. Januar 2013 an die Gemeinde Wagenfeld. „Alles bleibt hier wie es ist, die Bibliothek und der Fundus in den Archivräumen in der Auburg. Ich überlasse auch meine persönliche Sammlung der Gemeinde als Dauerleihgabe“, formulierte der ehemalige Archivar. „Für das Archiv wird es in der Zukunft eine kommissarische Betreuung durch Mitarbeiter der Gemeinde geben“, kommentierte Falldorf die weitere Vorgehensweise. „Wir möchten für Timo vorläufig keinen Ersatz suchen müssen, wir möchten ihm immer eine Tür offen halten. Und im Übrigen ist das, was Timo für seine Mitbürger und Wagenfeld geleistet hat, nicht bezahlbar.“

Mehrere Epochen bis zum Zweiten Weltkrieg sind festgeschrieben, schon durch die vier Bücher, die parallel entstanden. In ihnen beleuchtet Friedhoff die Geschichte der Juden in Wagenfeld vom 18. bis 20. Jahrhundert, er ist Kapitalverbrechen und anderen menschlichen Zerstörungen auf der Spur. In den zwei weiteren taucht er in den Zweiten Weltkrieg mit Hilfe von Erinnerung von Zeitzeugen ein und hinterlässt ein umfangreiches Werk der Geschichte des Schlosses und Gutes Auburg der Familie von Cornberg den Wagenfeldern.

„Wesentliche Informationen, gerade die mündlich überlieferten, erhielt ich von der Bevölkerung, oft auf Platt“, erinnert sich der Wagenfelder gerne.

Zu seinen Recherchen gehören neben Flurnamen- und Familienforschung, Sammlung, Archivierung auch Fortschreibung des Archivs. Bestand ist eine Genealogie von 700 Wagenfelder Hofstellen, Skripte, Bücher, Veröffentlichungen, Bilder, Postkarten und diverse Fundstücke mit Aussagen zu Zeit und Epoche. „Wichtig ist mir, fundiert das Archiv zu übergeben, denn jeder weiß ja, wie akribisch ich bin“, betonte der 33-Jährige. Doch er machte im Gespräch Hoffnung: „Ich arbeite weiter – anders kann ich gar nicht – an der Geschichte der Frauen in Wagenfeld, eingebunden die Hexenverfolgung und an der Geschichte der Tagelöhner.“

„Wir schätzen Dich als einen Künstler der Worte und der Schrift, deshalb ist das Präsent gezeichnet von einem Künstler der Feder“, ließ Falldorf den Sohn Wagenfelds aufs Erste ziehen und überreichte ihm zehn Zeichnungen mit Motiven des Diepholzer Landes von Kulturpreisträger Gerd Kadzik. · sbb

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