15- bis 20-Jährige für Filmproduktion gesucht / Heute nächstes Casting

Arbeitstitel: „Freistatt“

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Stefan Lüschow beim Casting, an der Kamera dritter Regieassistent Benjamin Krupp. ·

Freistatt - „Fangen wir gleich mit einem ‚Anschlag’ an: Sing mal was!“, fordert dritter Regieassistent Benjamin Krupp Castingkandidat Stefan Lüschow auf. Der braucht nicht einmal eine Sekunde Bedenkzeit, schmettert „Drive My Car“ von den Beatles. Damit liegt er zeitlich nah dran am Jahr 1968, in dem der Film spielen wird, für den die Produktionsfirma „Zum Goldenen Lamm“ zurzeit 15- bis 20-jährige Laiendarsteller und Komparsen sucht – Arbeitstitel: „Freistatt“.

Mitte August beginnen die etwa vierwöchigen Dreharbeiten, die Filmschaffenden haben sich schon jetzt im Haus „Wegwende“ an der Deckertstraße eingemietet, wo auch die Castings stattfinden. Das nächste bereits heute Nachmittag, weitere am 24. und am 27. Juli, jeweils von 14 bis 18 Uhr. Max Riemelt und Alexander Held zählen zu den bereits engagierten Schauspielern. Der Spielfilm, der in Coproduktion mit den TV-Sendern SWR, SR, ARTE und WDR realisiert wird, soll im Kino zu sehen sein. In der Geschichte geht es um den rebellischen Jugendlichen Wolfgang, der von seinem Stiefvater in das Fürsorgeheim für schwer Erziehbare in Freistatt abgeschoben wird, Zwangsarbeit im Moor leisten muss, Widerstand gegen körperliche und psychische Gewalt leistet, die hier an der Tagesordnung ist. Die Situation spitzt sich noch zu, als sich Wolfgang in die Tochter von Hausvater Brockmann verliebt. Die Story ist fiktiv, „aber auch eine Form der Geschichtsaufarbeitung“, stellt zweiter Regieassistent Matthias Heim fest. „Marc Brummund, der Regie führt, hat zwei Jahre mit Zeitzeugen gesprochen, die damals ‚Zöglinge‘ in der Diakonie Freistatt waren.“ Das Drehbuch, das Brummund mit Nicole Armbruster entwickelte, wurde 2012 mit dem Emder Drehbuchpreis prämiert – und in diesem Jahr mit dem Deutschen Drehbuchpreis, der „Goldenen Lola“.

Stefan Lüschow (20) lebt in Freistatt, hat erst am Vorabend von dem Casting erfahren, „beim Feuerwehrdienst habe ich den Flyer gesehen und mir gedacht: Ich schaue mal vorbei und sehe, was daraus wird. Wann hat man schon mal die Chance, bei eine Film dabei zu sein, der im Heimatort gedreht wird?“ Seine Freundin Annika Blome aus Stocksdorf ist mitgekommen, hat ihre zehn Minuten vor der Kamera schon hinter sich: „Es hat Spaß gemacht. In der Schule habe ich Theater gespielt, wusste ungefähr, was auf mich zukommt. Allerdings habe ich nicht damit gerechnet, dass es wirklich um Schauspiel geht, ich dachte, die suchen Statisten, die in Lumpen im Moor rumstehen“, räumt sie lachend ein.

Stefan soll, von Hunger getrieben, Matthias Heim ein Stück Brot (gedoubelt von einer Zeitung) abnehmen. Kein Problem, die beiden improvisieren flugs einen Streit unter WG-Kumpels. Und die letzte Übung: Herzhaftes Lachen, das auf Kommando heftigem Erschrecken weicht. „Dann kommt jetzt der blöde klassische Satz: Du hörst von uns. Ernsthaft“, betont Heim, „wir melden uns in jedem Fall.“ · ab

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