Ausstellungseröffnung bei der VHS

„Anliegen, Geschichte zu erzählen“

Karl-Heinz Weiss vom Niedersächsischen Verband Deutscher Sinti und Roma sprach zur Eröffnung der Ausstellung in den Räumen der Volkshochschule.

Sulingen - (mks) · Es sei ihm ein Anliegen, die Geschichte seiner Familie zu erzählen, aber es koste ihn auch große Überwindung. Mit einer bewegenden Rede legte Karl-Heinz Weiss den Besuchern der Austellungseröffnung am Mittwochabend ein Thema ans Herz, das wenig präsent ist: Die Verfolgung der Sinti und Roma während der NS-Zeit.

Karl-Heinz Weiss, der die Veranstaltung zusammen mit seinem Cousin Dani musikalisch begleitete, berichtete von dem Schicksal seiner Eltern und seines zwölfjährigen Bruders. Sie gehörten zu den 1 700 Sinti, die am 16. Mai 1940 vom Hamburger Lohse-Platz aus nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurden. Sein Bruder kam dort ums Leben.

„Die Vergangenheit der Eltern prägt unsere Zukunft“, sagte Weiss vom Niedersächsischen Verband Deutscher Sinti und Roma, „unsere Leiden sind die Narben im Fleisch der Welt.“ Bis heute habe man mit Vorurteilen der „Mehrheitsgesellschaft“ zu kämpfen. „Die Ausstellung möchte betroffen machen, aber nicht nur das“, warb Weiss für Toleranz gegenüber Minderheiten, Verantwortung und Zivilcourage.

Der Historiker Boris Erchenbrecher begleitet die Ausstellung, die seit 2003 in 40 Städten gezeigt wurde und bislang rund 60 000 Besucher erreichte. Angestoßen wurde das Projekt vom Land Niedersachsen, umgesetzt wurde es mit hohem ehrenamtlichen Engagement von Schülern, Studenten, Lehrern und Professoren. Zu ihrer Materialsammlung gehören Fotos, Urkunden und Zeitungsberichte sowie Interviews mit Zeitzeugen. Letzeres sei umso wichtiger, als sich die Geschichte 65 Jahre nach Kriegsende immer mehr entferne.

Die Dokumentation von 45 Einzelschicksalen vermittle lebensnah die Tragik der Geschichte der Sinti und Roma und die Grausamkeit in der NS-Zeit. Die Ausstellung sei geschichtlich orientiert, befasse sich aber auch mit der aktuellen Situation, erklärte Erchenbrecher. Im Laufe der Arbeit habe sich gezeigt, dass „noch viel zu tun ist.“

In ihrem Grußwort würdigte die stellvertretende Bürgermeisterin Ingrid Jantzon das Engagement der VHS, die die Ausstellung kurzfristig nach Sulingen geholt hatte. Es sei eine gute Diskussionsgrundlage zum besseren Verständnis der Sinti und Roma – Bevölkerungsgruppen, die mit Klischees und Vorurteilen behaftet seien.

Gerhard Thiel, Direktor der VHS des Landkreises Diepholz, sieht die Ausstellung als Votum für Integration, Anti-Rassismus und kulturelle Vielfalt. Und als Lehrstück für Demokratieverständnis und Toleranz: „Die politische Entwicklung in der NS-Zeit war nicht zufällig.“

Thiel zeigte sich erfreut, dass trotz des sehr kurzfristig anberaumten Termins erste Anmeldungen von Schulklassen vorliegen. Für Schulklassen und Gruppen bietet die VHS kostenlose Führungen an (Anmeldung unter Tel. 0 42 42 /9 76 40 72). Die Ausstellung ist in den kommenden vier Wochen montags bis donnerstags in den Vormittagsstunden und im Rahmen der VHS-Veranstaltungen geöffnet.

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