Jutta und Werner Käding fanden durch gewaltsamen Tod ihres Sohnes Alexander zum Weißen Ring

„Anderen Schlimmes ersparen“

Jutta und Werner Käding fanden als Opfer zum Weißen Ring. Heute sind sie dort selbst aktiv.

Diepholz - DIEPHOLZ  /LEMBRUCH (up) · Zwischen Weihnachten und Neujahr, wenn Jutta und Werner Käding ein wenig mehr Zeit haben, ist die Zeit, in der sie sich besonders schmerzlich an den Verlust ihres Sohnes erinnern. Vor elf Jahren wurde Alexander Käding in Diepholz umgebracht.

Eine große Hilfe in jener Zeit war Klaus Lippert, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Weißen Rings, der menschliche Betreuung anbot, die das Ehepaar Käding und die damals 17-jährige Tochter Daniela gerne annahmen. „Daneben war es für uns aber ganz wichtig, den Beistand aus der Familie und von den Nachbarn aus Lembruch zu erfahren“, erzählen Kädings. „Am schlimmsten war es für uns dann als Nebenkläger im Prozess gegen den Täter, als wir ihm gegenüber standen. Für uns war dies aber das Letzte, was wir für Alexander tun konnten.“ Heute ist der Mann, der Alexander umgebracht hat, nach Verbüßen seiner zehnjährigen Strafe wieder frei.

Für Kädings bedeutete das schlimme Erleben, aber auch die freundliche Hilfe durch diese Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer eine große Unterstützung in den ersten Tagen und Monaten nach der grausamen Tat, gleichzeitig aber auch ein Anstoß, sich selbst für den Weißen Ring im Landkreis Diepholz, zu dem acht aktive Mitglieder, darunter auch Daniela Käding, zählen, zu engagieren. „Die negativen Erfahrungen, die wir gesammelt haben, möchten wir anderen Menschen ersparen. Deshalb bieten wir Opfern von Kriminalität und Gewalt menschlichen Beistand und immaterielle Hilfe an.“ Sie halten es für besonders wichtig, dass Opfer nicht blauäugig in Verhandlungen hineingehen und bereiten sie deshalb vor Prozessen schon darauf vor und begleiten sie später zu Gerichtsterminen, bieten aber auch Beratungsschecks für die kostenlose Erstberatung bei einem frei gewählten Anwalt, bei Therapeuten oder Psychologen an. Zudem hilft der Weiße Ring bei Straftaten wie Mord, Totschlag oder Vergewaltigung bei der Vermittlung eines „Opferanwalts“.

In den meisten Fällen stellt die Polizei den Kontakt zu Werner und Jutta Käding her. „Die hat selbstverständlich vorher schon die Opfer auf unsere Kontaktaufnahme vorbereitet“, erzählen die beiden Ehrenamtlichen, „und die Betroffenen nehmen unsere Hilfe in den meisten Fällen auch gerne an. Dabei sind Zuhören und Verständnis für die seelischen Verletzungen oft schon die wichtigsten Hilfen.“

Für das Ehepaar Käding ist es auf jeden Fall ein gutes Gefühl, anderen Menschen helfen zu können und ihnen das zu ersparen, was sie selbst erfahren mussten.

Für wichtig bei ihrer Arbeit halten es die Mitarbeiter des Weißen Ringes, ihr Wirken in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Dazu zählten in diesem Jahr zum Beispiel die Präsentation auf dem Aktions- und Präventionstag der Polizeidirektion Oldenburg, den die Polizeiinspektion Diepholz ausrichtete oder Vorträge im Berufsbildungszentrum Dr. Jürgen Ulderup.

„Bei jüngeren Menschen erzählen wir zumeist von unserem speziellen Schicksal, bei älteren dagegen eher davon, wie sie sich gegen Handtaschenraub oder vor unerwünschten Haustürgeschäften schützen können.

Zwar stoßen auch Kädings als inzwischen langjährige Mitarbeiter des Weißen Ringes mitunter an ihre Grenzen und geben offen zu „Wir können sicher nicht alle Erwartungen erfüllen, wir versuchen aber in jedem Fall anderen Menschen so gut es geht zu helfen.“

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