Studenten aus Sri Lanka sammeln praktische Erfahrungen auf Hof in Hollen

Anbauen, pflegen und ernten auf ökologische Art

+
Praktikanten aus Sri Lanka: Nirosha Dewatha (links) und Sarange Rajapashe arbeiten derzeit auf dem Naturland-Hof „Kleiner Krauter“ in Martfeld-Hollen. ·

Hollen - „Ökologischer Landbau ist in Sri Lanka selten. Während der Trend in Europa zu organischer Landwirtschaft geht, ist dort das Gegenteil der Fall“, sagt Sarange Rajapashe. Der Ceylonese absolviert zurzeit ein Praktikum auf dem Naturland-Hof „Kleiner Krauter“ in Martfeld-Hollen – zusammen mit den beiden Studentinnen Nirosha Dewatha und Vasuhe Anton.

Seit 2009 nimmt der Hof jedes Jahr jeweils für fünf Monate Praktikanten aus dem Inselstaat im Indischen Ozean auf. Der Martfelder Bernd-Dieter Knake reist im Winter gerne in das Land und hat dort Kontakte zu einer Agraruniversität aufgebaut. „Die Bauern in Sri Lanka pflanzen vor allem Gemüse an, darunter auch viele Sorten, die wir kennen – zum Beispiel Porree, Rote Beete, Kartoffeln oder Kohlrabi. Sie wachsen überwiegend im Hochland“, erzählt Knake. Die Landwirtschaft sei aber ganz anders organisiert als in Deutschland, nämlich sehr „kleinbäuerlich“. An den Produkten verdienten vor allem die Händler und weniger die Bauern. Außerdem fördere der Staat die Landwirtschaft nur wenig. Das Beratungs- und Fördersystem sei ebenfalls nicht gut entwickelt. Und da kommt die Idee ins Spiel, junge Studenten auf den Hof in Hollen einzuladen: „Vielleicht können sie später bei der Weiterentwicklung der Landwirtschaft in Sri Lanka helfen“, hofft Knake.

Die Uni-Ausbildung in dem asiatischen Staat ist sehr verschult und wenig praxisorientiert, sodass die Studenten oft nur wenig Einblicke in die Zusammenhänge der Landwirtschaft bekommen. Deshalb sind Sarange, Nirosha und Vasuhe in Hollen voll in den Betrieb eingespannt. Sie arbeiten und leben auf dem Hof wie die anderen Bewohner – mit Familienanschluss sozusagen. „Hier lernen sie ‘was fürs Leben“, sagt Knake.

Um acht Uhr beginnt der Tag für die Praktikanten. Sie pflücken Gurken und Tomaten, kümmern sich um verschiedene Pflanzen und andere anstehenden Arbeiten. Eine Stunde Mittagspause ist eingeplant, um 17 Uhr startet der Feierabend. An den Wochenenden haben die Ceylonesen frei und erkunden die Gegend. Knake ist mit ihnen unter anderem bereits nach Dänemark sowie an die Nord- und die Ostsee gefahren. Sarange ist bereits zum zweiten Mal auf dem Hof. „Ich genieße die Zeit hier“, sagt er. „Es gefällt mir, dass auf die Gesundheit geachtet wird, und die Leute sind sehr nett.“

Mit einem Vergleich von Paprika-Sorten aus Deutschland und Sri Lanka beschäftigt sich Nirosha während ihrer Zeit in Hollen im Rahmen einer Projektarbeit. Die Ergebnisse wird sie schließlich an ihrer heimischen Uni vorstellen.

Vasuhe kommt aus Jaffna im Norden des Inselstaats, in der Nähe des ehemaligen Kriegsgebiets. Sie kann sich vorstellen, später für eine Hilfsorganisation tätig zu sein. Durch die Zerstörungen des Kriegs müsse man in vielen Bereichen von vorne anfangen, auch in der Landwirtschaft.

Am 30. August fliegen die drei Praktikanten nach Hause. Für Sarange und Nirosha ist es wahrscheinlich nur ein Abschied auf Zeit: Beide möchten gerne ihren Master in Europa machen. Sarange hofft, dass er das neu gewonnene Wissen danach in seiner Heimat anwenden kann. „Das Problem ist das Geld. Sri Lanka ist ein armer Staat. Wenn wir viel Land für ökologischen Anbau nutzen, können wir nicht genug Nahrung produzieren“, sagt er. „Aber es muss eine Lösung für dieses Problem geben.“· mah

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

CDU-Spitze will Kooperation mit AfD mit Härte verhindern

CDU-Spitze will Kooperation mit AfD mit Härte verhindern

Leichenteile nahe der "Eurofighter"-Absturzstelle gefunden

Leichenteile nahe der "Eurofighter"-Absturzstelle gefunden

Istanbul-Wahl wird zur krachende Ohrfeigen für Erdogan

Istanbul-Wahl wird zur krachende Ohrfeigen für Erdogan

Hitze in Deutschland bringt möglicherweise Temperaturrekord

Hitze in Deutschland bringt möglicherweise Temperaturrekord

Meistgelesene Artikel

Zwei Schützen fechten es aus

Zwei Schützen fechten es aus

Traumfinale für TV Neuenkirchen

Traumfinale für TV Neuenkirchen

Ein Jahr mit dem E-Auto

Ein Jahr mit dem E-Auto

Pro und Contra zu Mitfahrerbänken: Das Opfer auf dem Silbertablett?

Pro und Contra zu Mitfahrerbänken: Das Opfer auf dem Silbertablett?

Kommentare