Tim Fischer im Kreiszeitungs-Interview über sein Bühnenjubiläum, sein neues Programm und die aufmerksamen Syker

„Als hätte ich gestern erst angefangen“

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Tim Fischer

Syke - Von Ilse-Marie VogesEr sieht sich selbst als einen Wanderer zwischen den Welten, er liebt die Musik und Lieder mit Tradition. Lieder, die bissig sind und brandaktuell, Lieder, die erzählen von Freud und Leid, von Herz und gefährlichen Liebschaften. Tim Fischer lebt seine Passion seit 25 Jahren auf der Bühne aus. Am 26. Oktober kommt er wieder nach Syke.

Der Chansonnier, Schauspieler und Ausnahmekünstler feiert sein Bühnenjubiläum mit einer Premiere am 8. Oktober in Berlin. Auch im Syker Theater hat er bereits viermal das Publikum begeistert. Gerade zurück von einer Tournee in der Schweiz und im Süden Deutschlands, war er gern zu einem Gespräch mit unserer Zeitung bereit.

Herr Fischer, Sie werden mit einer kleineren Bühne in Syke konfrontiert, im Konzertsaal der Kreissparkasse auftreten und sich damit in unmittelbarer Nähe zum Publikum befinden. Ist das für sie in Ordnung?

Tim Fischer: „Aber ja! Im Gegenteil, ich finde es nicht wichtig, wo man spielt, sondern für wen. Ich hatte in Syke immer ein sehr aufmerksames Publikum bislang, das völlig konträr ist zu dem Ruf, den sonst die Norddeutschen haben. Ich komme ja selbst aus Norddeutschland. Es gibt hier sehr aufgeschlossene Menschen, auch mit viel Humor.“

Das 25-jährige Bühnenjubiläum mutet ein wenig abstrakt an. Sie sind erst 40 Jahre alt und ..

Fischer: „Stimmt! Aber ich habe auch schon mit 15 Jahren auf der Bühne gestanden. Es gibt so viele Lieder, die mir inzwischen sehr ans Herz gewachsen sind, so viele Musiker und Texter wie Tucholsky, Jacques Brel, Kurt Weill, Brecht und viele andere, die meinen Weg gekreuzt haben. Daraus ließ sich ein wunderbares Programm entwickeln, das nun im Bereich von Chanson und Pop nach Syke kommt. Aber die Zeit von 25 Jahren nehme ich gar nicht wahr. Mir ist so, als hätte alles erst gestern angefangen.“

Man hat Ihre Wandlungsfähigkeit gelobt. Sie schlüpfen in verschiedene Rollen, kostümieren sich auch gern?

Fischer (lacht): „Absolut! Schauspiel hat mich immer auch begeistert, auch als Kind schon. Ich war sechs Jahre alt und habe mich damals schon kostümiert, bin zu Nachbarn gegangen und habe „Vor der Laterne“ von Lale Andersen gesungen. Heute sind es komische oder skurrile, nachdenkliche und wichtige Lieder, die mich immer wieder begleiten und deren Kraft mich fasziniert. Singen ist keine einseitige Geschichte. Ich bin seit vielen Jahren mit Gisela May eng befreundet. Sie ist seine großartige Ratgeberin und hat mir gesagt: „Wichtig ist es nicht, deine Stimme zu hören, sondern wenn du Texte singst, muss man die Stimme des Anderen hören.“ Da ist etwas dran, weil es dann eindrücklicher wird.“

Ist Berlin Ihr Lebensmittelpunkt?

Fischer: „Eigentlich nicht. Ich bin irgendwie heimatlos und immer soviel unterwegs, dass man von sesshaft kaum reden kann. Allerdings finde ich es schön, wenn ich von einer Tournee zurückkomme, dass ich da eine Wohnung habe, dass ich einkaufen gehen und selber kochen kann.“

Fühlen Sie sich ein wenig wie ein Paradiesvogel?

Fischer: „Überhaupt nicht! Ich habe ein großes Freiheitsbedürfnis, möchte gleichzeitig verbindlich sein, eintauchen in Ironie und mich wundern dürfen und staunen. Ich liebe ein Lied von Sundheim, das heißt „Wo sind die Clowns?“. Ich finde es großartig, dass ich auf ein fantastisches musikalisches Handwerk zurückgreifen kann, Emotionen ausleben darf, die immer wieder geweckt werden. Man wird reifer durch Erlebtes und bleibt doch immer ein Suchender. Das finde ich auch sehr wichtig.“

Gerhard Woyda, Intendant und Gründer des Stuttgarter Renitenztheaters, hat im 50. Jahr nach Gründung mit „Satiriker sind keine Lyriker“ ein Programm für Sie geschrieben. Wie kam es dazu?

Fischer: „Ich war 17 Jahre alt, da hat Gerhard Woyda mich für seine Kabarettbühne engagiert. Wir waren immer in Kontakt und die Satire mit Liedern über „Berlusconi“, „Ladykiller“, „Priestergeschichten“ oder den Blazer von Angela Merkel war kein so blumiges, aber ein wichtiges Programm mit vielen Wahrheiten. Wenn ich spiele und singe, möchte ich nicht, dass die Menschen sich wie in der Schule fühlen. Ich will nicht belehrend sein. Ich möchte frei nach Lust und Laune singen, Chansons wieder aufleben lassen und mit „Geliebte Lieder“ , ob nun mit Melancholischem oder Frivolem, das Publikum erreichen. Auch in Syke!“

Karten für das Konzert am 26. Oktober gibt es unter 04242/70166.

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