Gesundheitswissenschaftlerin Annelie Keil zu Gast in Kleinenborstel

Im Affenzahn und ohne Füße den Eileiter rauf

Annelie Keil begeisterte ihr Publikum in Kleinenborstel.

Bruchhausen - KLEINENBORSTEL (ah) · Nach zwei Jahren benötigt der Heimat- und Verschönerungsverein (HVV) als Organisator des Gesundheitsprogramms „Lust auf Leben – Martfeld macht’s“ neuen Input. Und wer wäre dafür geeigneter als die Bremer Gesundheitswissenschaftlerin Annelie Keil, die seinerzeit bereits den Startschuss gegeben hatte ? Im vollen Saal des Gasthauses „Dunekack“ in Kleinenborstel sprach sie am Montag zum Thema „Das Leben verspricht nichts, aber überrascht viel“.

Dass Sprösslinge des Kindergartens Martfeld am Eingang goldene Nüsse verteilten, passte nicht nur wegen des Nikolaustags ins Bild. Für Keil ist das Leben „voll unterschiedlich farbiger Nüsse. Vom ersten bis zum letzten Atemzug müssen wir Nüsse knacken.“ Gesundheit beleuchtete die Referentin in vielen Dimensionen, jedoch nie losgelöst von Krankheit und Tod. Krankheit sei nicht vermeidbar, Gesundheit nicht verschreibbar. „Die beiden sind die größten Geschwister in unserem Leben“, sagte Keil. Manchmal schaue man mehr auf die eine, manchmal mehr auf die andere Seite. „Selbst in dem, was wir als Unheil empfinden, liegt viel Heilkraft.“

Zeitlich deckten Keils Ausführungen die Spanne von der Zeugung bis zum Tod ab, während die Heilungsfaktoren von der Lust auf Arbeit über das Leben als Aufgabe bis hin zu Krise und Anerkennung reichten. Keine Anerkennung bedeute Unheil. Das Zentrum allen Lebens bildet für Annelie Keil jedoch die Arbeitslust. Damit zeige der Mensch, dass er lebendig sei. Er wolle gestalten, Spuren hinterlassen. Arbeit beginne schon mit der Zeugung: „Sie müssen den Eileiter rauf, obwohl Sie keine Füße haben, und das in einem Affenzahn.“

Als „ganz wichtigen Heilungsfaktor“ bezeichnete Keil die Aufgabe. „In dem Augenblick, in dem wir nicht mehr nach unserer Aufgabe fragen, fragen wir nicht mehr nach dem Sinn“, sagte Keil, für die „zu allem Begreifen von Heilwerden“ auch die Krise zählt. Das Leben sei sogar eine Aneinanderreihung von Krisen, wenn man den Begriff neutral betrachte – ähnlich wie in der Physik. Dort erreiche das Wasser in dem Augenblick den kritischen Punkt, wenn es anfange zu kochen, was es ja auch solle. Auch Essen sei für die Heilung eine wichtige Sache. Leben brauche Lebensmittel; keine Krankheit koste so viel wie die verschiedenen Essstörungen. Zur sozialen Komponente des Essens fragte Keil: „Warum nicht häufiger ein Brot zusammen verzehren als groß zu kochen ?“

Für Annelie Keil ist Heilung vor allen Dingen Selbstheilung. „Jeder Gesundheitsprozess ist radikal subjektiv“, sagt sie. So subjektiv, dass eine Tasse Kaffee im Einzelfall ratsamer sei als eine Therapie. Einen Schamanen zu befragen, könne hilfreich sein, löse aber das Problem nicht. Denn: Heilung passiere immer in den Kulturen, in denen die Menschen lebten. Man müsse das Problem schon selbst knacken.

Das Herz öffnen und für andere da sein – dies bezeichnete Annelie Keil als permanente Heilmethode: „Manche goldene Nuss haben wir vergammeln lassen und nicht gemerkt, dass wir sie hatten.“

Da „wir auf dem Weg von der Leistungs- in die Ermüdungsgesellschaft sind“, kam die Wissenschaftlerin auch nicht um das Thema „Burn out“ herum. Entscheidend dabei: „Wir können nicht immer nur Feuer und Flamme sein, das Leben muss manchmal auch glimmen.“ Oder: „Wenn Sie auf der Arbeit 100 Prozent geben, und dann noch 100-prozentig scheißen, haben Sie keinen Entspannungsraum mehr.“ So erlebten die Besucher Annelie Keil: fachlich, humorvoll – und manchmal eben auch hemmungslos. Auf den Punkt brachte es Sängerin Anna Priester, die gemeinsam mit Kai Rudl am Klavier für die musikalische Unterhaltung sorgte: „Annelie ist ein Genussmittel.“ Der HVV dürfte jetzt das „Problem“ haben, aus der Vielzahl der Anregungen die richtigen für sein Programm herauszufiltern. Ein Luxusproblem.

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