Bis zu 150 Syker warten noch auf Rückerstattung ihrer Eintrittskarten für abgesagtes Konzert / Ähnliche Fälle im ganzen Norden

Abzocke, Betrug oder unglücklicher Teufelskreis?

Syke - SYKE · Außer Spesen nichts gewesen: Etwa 100 bis 150 Syker warten noch immer auf die Rückerstattung ihrer Eintrittskarten, die sie für „Das große Wunschkonzert der Volksmusik“ erworben  hatten.

Ursprünglich für Herbst 2009 im Syker Theater angekündigt, war dieses Konzert zweimal vom Veranstalter verschoben und dann schließlich ganz abgesagt worden. Die meisten, die im Vorverkauf Karten erworben hatten, verlangten vergeblich die Rückerstattung.

Ob sie je ihr Geld erhalten werden, scheint fraglich. Denn der Veranstalter – die Konzertagentur Palatin-Music aus Freren – genießt mittlerweile norddeutschlandweit den traurigen Ruf des Abzockers. Vorwurf: Mit dem Vorverkauf Geld einnehmen und dann die Veranstaltung platzen lassen. Etliche Anzeigen wegen Betrugs sind erstattet worden. Nach Informationen der Kreiszeitung ist es in mindestens einem Fall zur Anklageerhebung gekommen.

Der Mann hinter Palatin-Music heißt Reinhold Wöste und spielt die Angelegenheit herunter. „Nach unserem Wissen sind in  Syke etwa 100 Leute betroffen. Alle kriegen auf jeden Fall ihr Geld zurück. In den nächsten Wochen klappt das.“

Das ist genau das, was Wöste in allen anderen Fällen auch versprochen, aber nur ansatzweise eingehalten hat.

Die Vorgeschichte: Der Kartenvertrieb für das Volksmusik-Konzert im Syker Theater erfolgte über den Vorverkaufsring Nordwest-Ticket, bei dem unter anderem auch die Kreiszeitung Partner ist. Außer für Syke hatte Palatin-Music noch für Veranstaltungen in Papenburg, Wilhelmshaven und Emden Karten über Nordwestticket verkauft. Zwei weitere Veranstaltungen in Verden und Diepholz waren bereits in Planung, für diese wurde der Vorverkauf jedoch schon nicht mehr eröffnet. Für die vier genannten Spielorte  hatte Nordwest-Ticket insgesamt rund 750 Karten im Vorverkauf abgesetzt. Davon 193 für  Syke. All diese Veranstaltungen hat Palatin-Music  erst verschoben und dann  abgesagt.

In allen Fällen hat Palatin-Chef Wöste zugesichert, das Geld für die bereits verkauften Karten zu erstatten.

Dabei blieb es allerdings  weitestgehend. Von den rund 6000 Euro, die Palatin-Music aus dem Vorverkauf für das Syker Konzert eingenommen hatte, hat das Unternehmen bisher lediglich etwa 2000  zurückerstattet.

Kein Wunder: Das Geld aus dem Vorverkauf ist längst weg. „Das ist auch völlig normal in der Branche“, erklärt Nordwest-Ticket-Geschäftsführer Peter Brand. „Die Fixkosten einer Veranstaltung werden normalerweise aus den Einnahmen des Vorverkaufs bezahlt.“

Fällt dann ein Konzert aus, muss der Veranstalter sehen, woher er das Geld für die Rückerstattung der Karten nimmt.

Zum Beispiel aus den Vorverkaufseinnahmen einer seiner nächsten Veranstaltungen. Und wenn die dann auch platzen sollte, entwickelt sich so etwas wie ein Teufelskreis.

Im Fall Palatin-Music möchte Peter Brandt eher an die Verkettung unglücklicher Umstände als an Betrug glauben. „Mir ist Reinhold Wöste seit 10 oder 15 Jahren als Veranstalter bekannt. Bisher war er immer ein zuverlässiger Partner. Das war jetzt das erste Mal, dass es Ärger gegeben hat.“

Brandt wäre es am liebsten, Palatin-Music würde in die Insolvenz gehen. „Gegen diesen Fall sind wir nämlich versichert, und dann wären alle, die bei uns Karten gekauft  haben, schon längst  ausgezahlt.“

Die Insolvenz ist jedoch genau das, was Reinhold Wöste nach Leibeskräften vermeiden will. „Ich möchte die Kunden lieber selbst auszahlen und weitermachen.“

Von

Michael Walter

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