„HipHop Academy Hamburg“ mit toller Performance im Diepholzer Theater

Die Ablöse vom Elternhaus

Ein wunderbares Bild bot sich den Akteuren der „HipHop Academy Hamburg“ beim Blick ins Publikum. Jeder war mit jedem da, jung mit alt, älter mit jünger. Toll und voller Interesse!
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Ein wunderbares Bild bot sich den Akteuren der „HipHop Academy Hamburg“ beim Blick ins Publikum. Jeder war mit jedem da, jung mit alt, älter mit jünger. Toll und voller Interesse!

Brauns-Bömerman - Von SimoneDIEPHOLZ · „Noch nie habe ich im Theater so viele Jugendliche und junge Erwachsenen gesehen. Außer bei Einschulungen“, freute sich Reinald Schröder als Vorsitzender des Kulturrings Diepholz, als er am Freitagabend durch die gut besetzten Reihen schaute. Ihm behagte die Entscheidung des Vorstandes, die „HipHop Academy Hamburg“ nach Diep holz eingeladen zu haben.

Mehr als 400 Gäste jeden Alters waren gespannt auf die Tanzproduktion des mehrfachen Break-Dance-Weltmeisters Niels „Storm“ Robitzky. Besonders neugierig waren vor allem die Angehörigen des Diepholzer Tanztalentes Emefa Egblomassé, die seit ihrem Abitur an der Graf-Friedrich-Schule zum Studieren nach Hamburg ging und dort auf die Academy stieß.

Emefas Mutter Anke Egblomassé und Großmutter Christa Hildebrandt verfolgten ganz genau die Ergebnisse des Non-Profit-Projektes, das mit Jugendlichen zwischen 13 und 20 Jahren die HipHop-Kultur fördert. In ihrem ersten Stück „Schöner Wohnen“, das mit Emefa nach Diepholz kam und von Absolventen der Masterclass, dem höchsten Leistungslevel der Academy, aufgeführt wird, ging es um die Ablöse vom Elternhaus und den Einzug in die eigenen vier Wände.

Die Bühne fast leer – bis auf 40 weiße Umzugskartons, die sich als Blockbausteine, Projektions- oder Graffitifläche, Abgrenzungsmöglichkeiten oder Versteck bestens eigneten. Zwischen den Umzugskisten proben die acht Performer, darunter vier Tänzer, ein Beatboxer, zwei Rapper und ein Graffiti-Künstler, den Aufbruch in die neue Selbstständigkeit – und sie erfahren darin die Facetten der neuen Freiheit.

Unter dem Motto „Endlich frei, genieße die Selbständigkeit, keine Eltern, keine Bräute, alle ein Facebook, das Leben in der Hand“, schaffen sich die Akteure singend und tanzend die unterschiedlichsten Räume. Gemeinschaftsräume, Rückzugsräume und klare Trennwände. Doch schnell entpuppt sich die neue Ausgelassenheit als Konfliktkatalysator. Der Ärger innerhalb der Wohngemeinschaft und mit älteren Nachbarn, die ihr Recht auf die „Lebensphase der Ruhe“ einklagen, ist programmiert.

Zweifel nagen an dem neuen Lebensmodell, das zur Achterbahn der Gefühle wird. Melancholische Szenen des Abschieds von der Kindheit wechseln mit euphorischen Songs und getanzten Portraits der WG-Bewohner. Die Akteure verstehen es, die alltäglichen Sorgen und Gefühle in der HipHop-Tanzkultur auszudrücken. Weit entfernt sind die Vorurteile gegenüber der Gangster-Rapper-Szene mit Ghetto-Themen wie Drogen und Kriminalität. Die Sprache in den eigenen Songs ist die Sprache der Jugendlichen im Publikum – lyrisch in Musik und Gesang verpackt.

Sehr persönlich wird die Geschichte in Szenen, in denen die WG-Bewohner ihre Kartons auspacken und mit kleinen lieb gewonnenen Gegenständen ein Stück „Zuhause“ in ihr neues Heim mitbringen. Das ist der Pulli, die Grasdose, der Kung-Fu-Pokal, das Handy, die Loop-Box oder auch das Tattoo von Emefa. Die Gegenstände spenden den jungen Menschen Kraft und Energie im neuen Lebensabschnitt. „Jo, was geht?“ – Viel, offensichtlich!

Mit beeindruckender Choreographie und einem grandiosen Maß an Synchronität, individuelle Tanzszenen und dem „Beatboxen“ von Guido Höper nimmt das Ensemble das Publikum mit auf ihr Abenteuer: Selbständigkeit. Emefa Egblomassé und ihre Academy-Freunde entlocken den Gästen wahre Begeisterungsstürme. Ohne Pause und stehend K.o. verabschiedete sich das Ensemble vom Publikum in der Kreisstadt: „Diepholz rockt echt“.

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