Bovenschulte greift nach Fraktionsvorsitz

Zwischenbilanz Bürgerschaftswahl: CDU-Mann Meyer-Heder weit vor Sieling

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Was die beiden Herren da auf ihrem Smartphone anschauen, bleibt womöglich ihr Geheimnis. Der Blick in die laufende Auszählung aber zeigt, dass CDU-Kandidat Carsten Meyer-Heder (l.) weit mehr persönliche Stimmen gesammelt hat als SPD-Bürgermeister Carsten SIeling. 

Bremen hat gewählt. Am Sonntag. Und gezählt wird immer noch. Am Dienstagabend lagen die „Schnellmeldungen“ aus 283 von 463    Wahlbezirken vor.

Bremen - Im Zwischenergebnis liegt die CDU in der Stadt Bremen mehr als zwei Prozentpunkte vor der SPD (27,3 zu 24,6). Die Grünen kommen auf 17,6, die Linken auf 11,8, die FDP auf 6,2 und die AfD auf 5,9 Prozent der Stimmen. Und eine Randnotiz: „Die Partei“ liegt mit 1,9 Prozent vor der in Bremerhaven starken Gruppierung „Bürger in Wut“ (1,6 Prozent). Das alles hat Auswirkungen auf die 69 Bremer Mandate im Landesparlament. Von denen gewinnt nach aktuellem Stand die CDU 20, die SPD 18, die Grünen 13, die Linken neun, die FDP fünf und die AfD vier.

So weit, so gut. Doch das Bremer Wahlsystem ist kompliziert. Jeder Wähler darf fünf Stimmen verteilen, er darf kumulieren (häufen) und panaschieren (mischen), er darf Parteien wählen und Personen. „Der Wähler muss intensiv arbeiten“, sagte Carola Janssen, Wahlbereichsleiterin für die Stadt Bremen, im Vorfeld der Wahl. 

Der Verein „Mehr Demokratie“ hat die Wähler aufgefordert, „mehr Personenstimmen zu verteilen, damit das Wahlrecht wirkt“. Doch die Tendenz dazu sinkt. 2015 wurden in der Stadt Bremen 53  Prozent der Stimmen für Parteienlisten abgegeben, 47 für Personen. Nach derzeitigen Stand sind bei dieser Wahl 60 Prozent auf die Parteien und nur noch 40 auf die Personen verteilt worden.

SPD-„Kronprinz“ Bovenschulte will Fraktion führen

Doch der Blick auf die Personenstimmen hat es in sich: CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder liegt weit vor Bürgermeister Carsten Sieling, aktuell um rund 22.000 Stimmen (58.481 zu 36.310). Meyer-Heder sammelte 63 Prozent aller CDU-Personenstimmen, Sieling 42  Prozent bei der SPD. 

Der als „Kronprinz“ gehandelte Weyher Bürgermeister Andreas Bovenschulte hat bislang 2 336 Stimmen auf sich vereint und belegt damit Platz fünf in seiner Partei. Bovenschulte will sich nach derzeitigen Planungen um den Posten des Fraktionschefs bewerben und Amtsinhaber Björn Tschöpe herausfordern. Der holte bislang 693 Personenstimmen. Die konstituierenden Fraktionssitzung sei für 24. Juni geplant, heißt es.

Wahlsiegerinnen: Kristina Vogt (Linke, l.) und Maike Schaefer (Grüne) gewannen hinzu. 

Grünen-Spitzenfrau Schaefer holt 32 Prozent Personenstimmen

Die Grünen-Spitzenfrau Maike Schaefer verbucht bislang eine Quote von knapp 32 Prozent (11.294 Personenstimmen), Linken-Spitzenkandidatin Kristina Vogt liegt bei 44 Prozent (11.768) und Lencke Steiner von der FDP bei 62,8 Prozent und 10 .985 Stimmen. Weiterhin fällt auf, dass sich bei SPD-Wählern und CDU-Wählern Personen- und Listenstimmen die Waage halten, während bei den Grünen 70 Prozent, bei den Linken 67, bei der FDP 60  und bei der AfD 74 Prozent für die Parteiliste stimmten.

Das wiederum hat Auswirkungen auf die Sitzverteilung. Und jetzt wird es theoretisch: Laut Wahlrecht werden die Mandate bei jeder Partei nach dem Verhältnis von Listen- und Personenstimmen verteilt. Dabei werden anders als 2015 zuerst die Mandate über die Personenstimmen verteilt, dann über die Liste. 

Gewinnt eine Partei zehn Mandate und liegt bei ihr das Verhältnis von Personen- und Listenstimmen bei 50 zu 50, dann ziehen zunächst die fünf Kandidaten mit den meisten Personenstimmen ins Parlament ein, dann die fünf auf der Liste am höchsten platzierten. „Demokratie ist anspruchsvoll“, heißt es.

Bleibt ein kurzer Abstecher ins Detail: Die CDU liegt derzeit in der Hälfte aller 22  Stadtteile in Führung, darunter in Oberneuland, Schwachhausen, Borgfeld und Horn-Lehe. Die SPD führt nur noch in acht Stadtteilen, darunter in Gröpelingen, Walle, Osterholz und Hemelingen. Die Grünen liegen in der Östlichen Vorstadt, in Mitte und in der Neustadt auf Platz eins.

Die Bremer Wahl zum Nachlesen im Ticker

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