ZWISCHEN SCHNOOR & SCHLACHTE

Das Leben und das Loslassen

Lebenserfahrungen schildert Hans Gehrt von Aderkas. Foto: KUZAJ

Bremen – Das Thema „Loslassen“, sagt der Bremer Personalberater und Jurist Hans Gehrt von Aderkas, fasziniere ihn seit vielen Jahren. Nun hat er – mit dem Journalisten Helge Hommers – ein Buch darüber geschrieben; ein Buch, das auf 174 Seiten sehr viel Lebenserfahrung vereint: „Loslassen – Alles hat seine Zeit“. Erschienen ist es dieser Tage im Schünemann-Verlag, der Band kostet 14,90 Euro.

Loslassen, das hat sehr viel mit der Kunst des Akzeptierens zu tun – wenn etwas bei der Lektüre dieses Buchs sehr deutlich wird, dann dieser Gedanke. Hans Gehrt von Aderkas beschreibt, wie sich das Thema „Loslassen“ praktisch durch sein Leben zieht. Das Loslassen familiärer Wurzeln, familiärer Bindungen, des Berufs. Oft geht es dabei darum, Dinge zu akzeptieren, die nicht zu ändern sind.

Im Zentrum dieses sehr offenen, sehr direkten Buchs aber steht eine weitere Art des Loslassens. Da geht es um das erzwungene Loslassen von Gewohnheiten und Routinen aus gesundheitlichen Gründen. Vor mehr als 15 Jahren bekam Hans Gehrt von Aderkas die Diagnose, an Multipler Sklerose erkrankt zu sein. Es begann mit einem Umknicken beim Joggen, dem er zunächst keine größere Bedeutung beimaß. Bis er wieder umknickte, einfach so.

Der Autor beschreibt, wie die Krankheit und das Thema „Loslassen“ tagtäglich sein Denken und Handeln beeinflussen. Er schreibt über den Tag, an dem er auf einmal nicht mehr richtig gehen konnte: „Immerzu hatte ich mir geschworen, dass ich gegen die Krankheit ankämpfen und sie so klein wie möglich halten würde, aber nun musste ich mich damit arrangieren, dass sie mich doch bezwungen, ich den Kampf gegen sie verloren hatte.“ Es folgte das Loslassen des Berufs (mit 62). Und es folgte die Entscheidung, endlich offen mit der Krankheit umzugehen: „Es tut gut, offen darüber reden zu können, was mich belastet.“

Offen spricht der Autor beispielsweise auch über seine Erfahrungen im und mit dem Rollstuhl. So sei er damit am liebsten dort unterwegs, wo man ihn nicht unbedingt (er-)kennt. Denn: „Gerade in Bremen treffe ich oft Leute, die mich kennen und dann Mitleid mit mir, dem Lahmen, haben, was ich lieber vermeiden möchte.“

Loslassen, Abschied nehmen von Gewohnheiten und Gewohntem – Hans Gehrt von Aderkas kreist mit seinen Gedanken keineswegs nur um sich, sein Buch ist keine Selbstbespiegelung. Und es hat einen zweiten Teil, in dem Weggefährten und Freunde des Bremers von ihren eigenen Erfahrungen mit Umbrüchen und Abschieden, von ihren Erfahrungen mit dem Loslassen berichten.

„Drei Anläufe habe ich gebraucht, um meine Ämter loszulassen“, schreibt etwa Bürgermeister a. D. Henning Scherf (SPD). Unter den Autoren sind Angehöriger ganz unterschiedlicher Generationen, so beispielsweise der frühere Domprediger Peter Ulrich (Jahrgang 1953) und Chantal Bausch (Jahrgang 1992), Hockeyspielerin mit Spenderherz. Diese Beiträge fügen dem Band weitere Dimensionen hinzu. Man mag das Buch kaum loslassen, bis man es durchgelesen hat. THOMAS KUZAJ

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Fossilien-Grube Messel 25 Jahre Welterbe

Fossilien-Grube Messel 25 Jahre Welterbe

Von Black Power bis George Floyd: Sport als politische Bühne

Von Black Power bis George Floyd: Sport als politische Bühne

Unterwegs mit einem abgespeckten Slim-Bike

Unterwegs mit einem abgespeckten Slim-Bike

Wolle, Wärme und Wandern im Sarntal

Wolle, Wärme und Wandern im Sarntal

Meistgelesene Artikel

Bürgermeister lobt Digitalstrategie

Bürgermeister lobt Digitalstrategie

Drogen, Lügen und ein geklautes Auto: Polizeikontrolle mit Überraschungen in Bremen

Drogen, Lügen und ein geklautes Auto: Polizeikontrolle mit Überraschungen in Bremen

Anders lernen

Anders lernen

Volker Lohrmann: „Wir reden über die breite Masse“

Volker Lohrmann: „Wir reden über die breite Masse“

Kommentare