ZWISCHEN SCHNOOR & SCHLACHTE

Ein Schauspieler und der Respekt vor den Figuren

Auf dem Weg ins Packhaustheater: Martin Timmy Haberger, Schauspieler, im Schnoor. Foto: KUZAJ

Bremen – Egal, ob Komödie oder Tragödie, ob Musical oder Farce: „Am Ende des Tages“, sagt der Schauspieler Martin Timmy Haberger, „geht es auf der Bühne um Menschen. Um das, was sie erleben, und darum, wie sie mit Konflikten umgehen.“ Haberger ist zum Gespräch ins Foyer des Packhaustheaters im Schnoor gekommen, gleich beginnt die nächste Probe für „Schwiegeralarm – Urlaub mit den Schwiegereltern“, eine Musical-Komödie von Christoph Steinau. Premiere: Donnerstag, 5. Dezember, 20 Uhr. Regie führt Oliver Geilhardt.

Haberger spielt in dem Stück einen Düsseldorfer Wurstfabrikanten. Und Düsseldorf kennt er gut: „Ich habe dort 20 Jahre gelebt. Ich bin Karnevalsflüchtling. . .“ In „Schwiegeralarm“ aber geht‘s nicht um Karneval, sondern um Schwiegereltern. Auch das kann heiter werden, gerade das ist ja die Triebfeder des Stücks: Adi (Benjamin Eichhorn) ist seit einem Jahr glücklich mit Hermine (Christina Stephan) zusammen. Jetzt soll er nun endlich ihre Eltern, den sehr konservativen Wurstfabrikanten Hermann (eben: Haberger) und dessen Gattin Wilma (Franziska Krumwiede) kennenlernen. Es geht in die Alpen. Und dort wiederum geht allerlei schief – zu allem Überfluss tauchen dann auch noch Adis Eltern (Tabea Scholz und Jens Asche), die so ganz und gar nicht konservativ sind, auf. Eie Lawine sorgt schließlich dafür, dass all diese unterschiedlichen Menschen gemeinsam von der Außenwelt abgeschnitten sind. . .

„Es ist eine Farce, es ist eine derbe Komödie“, sagt Martin Timmy Haberger. „Die Konflikte, um die es geht, sind Lebenskonflikte.“ Und auch (oder vielleicht: gerade) bei einer Farce, da gelte es aufzupassen – denn: „Wenn ich meine Figur nicht ernst nehme, funktioniert es nicht. Ich muss sie ernst nehmen und entwickeln.“

Haberger, Jahrgang 1958 und Vater von vier Söhnen, hatte ursprünglich gar nicht vor, Schauspieler zu werden. Ein Shakespeare-Abend mit Branchengrößen im Fernsehen brachte ihn dann darauf, sich fürs Theaterspielen zu interessieren. Doch wo eine Ausbildung machen? Ein Lehrer nannte ihm zwei potenzielle Adressen – es waren gleich die besten: Folkwang-Schule in Essen, Max-Reinhardt-Seminar in Wien.

Essen kam für den jungen Haberger nicht in Frage, das war nicht weit genug weg von Düsseldorf. Also Wien. In einer Bibliothek suchte er sich die Adresse und Informationen über Reinhardt und schickte einen Brief ab. „Dann hab ich die Sache vergessen.“ Wien ihn aber nicht. Die Schule schrieb zurück. Haberger wurde zum Vorsprechen eingeladen, vier Monologe sollte er dafür lernen. Nun, die Prüfer der renommierten Einrichtung nahmen ihn an – verbunden mit der Bitte, doch etwas langsamer zu sprechen. Zudem attestierten sie ihm, wie er später erfuhr, einen „starken Wandertrieb“. Haberger: „Der ist mir bis heute ein bisschen geblieben.“

Zuletzt hat er am Deutschen Theater in München im Musical „The Band“ gespielt. Nun also Bremen. Hinzu kommt viel TV-Erfahrung – „Unser Charly“, „Alarm für Cobra 11“, „Soko Wismar“: Haberger hat eine Menge fürs Fernsehen gemacht. Auch in der US-Abenteuerserie „Blood & Treasure“ war er dabei.

Für „Blood & Treasure“ drehte er in den italienischen Alpen. Viel Technik gehörte auch dazu: „Kompliziertes Licht, zwei Stunden Aufbauzeit.“ Zeit, die allerdings genutzt wurde – und das hat Haberger sehr gefallen: „In den zwei Stunden haben der Regisseur, der Regieassistent und der Chefkameramann mit uns geprobt und die Szenen entwickelt.“ Denn man muss die Figuren ernst nehmen. Egal, ob Komödie, Abenteuerserie oder Farce. THOMAS KUZAJ

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