ZWISCHEN SCHNOOR & SCHLACHTE

Geschichten von der Großwerft

Der für die Firma „Norness“ in Liberia am 26. November 1965 vom Stapel gelaufene Frachter „Naess Norsemann“: Das Schiff fuhr ab 1975 als „Nordic Naigator“ und ab 1979 als „Santamar“ unter peruanischer Flagge. Foto: KRYSL/TEMMEN

Bremen – Neues von der temporären Hafenbar „Golden City“ am Lankenauer Höft: Das Team um Frauke Wilhelm hat eine Show zusammengestellt, mit der es an die Zeit erinnern will, in der Bremen ein stolzer Werftenstandort war. Das Stück dreht sich um die Werft AG Weser, auf der einst Riesentanker, Passagierdampfer und Fregatten gebaut wurden. Und das statt digitaler Technik größtenteils von vielen Arbeitern per Hand. Zu sehen ist das Stück „AG Weser“ am Sonnabend, 20. Juli, 19 Uhr, im „Golden City“ am Lankenauer Höft.

Im Vorfeld gab es dazu zwei kleinere Erzählcafés, zudem war Sprecherin Sarah Kempff bei mehreren Treffen des Vereins „Use Akschen“ – so hieß die Werft auf Platt bei den Arbeitern. Am Sonnabend werden einige Interview-aufnahmen dieser Erzählcafés mit Fotos als Tonbildcollagen zu sehen sein. Kempff: „Wir haben aber auch vom Institut für Arbeit und Wirtschaft einige alte Filme über Werftarbeit, die wir von Zeitzeugen live kommentieren lassen.“ Dabei geht es unter anderem um Rohrschlosser, Schweißer und Schiffbauer. Zu den Zeitzeugen zählen beispielsweise Heinz Rolappe, Rohrschlosser, und Hermann Huhn, Maschinenbauer. Als Interviewgast ist Heiner Heseler (einst beim Institut für Arbeit und Wirtschaft), früherer Wirtschafts-Staatsrat, dabei.

Zusammen mit einem Takler (Edmund Petchulis) will das „Golden City“ den Stapellauf eines „Colocotronis“-Tankers am Modell darstellen. „Dieser Takler hat damals zusammen mit anderen eine Prämie für ein System bekommen, wie man den Tanker noch rechtzeitig stoppt, bevor er in die gegenüberliegende Pier rauscht“, sagt Sarah Kempff. Sie betont: „So war die AG Weser die einzige Werft auf der Welt, die solche dicken Pötte rutschen ließ.“ Durch die Show mit Geschichten von der Bremer Großwerft führen Ramona Ariola (Frauke Wilhelm) und Ramon Locker (Nomena Struß). Der Eintritt zum Abend kostet zehn Euro.

Im Herbst soll aus dem ganzen Material ein Buch bei der Edition Temmen entstehen. Die temporäre Hafenbar sucht noch Kontakt zu Frauen, die auf der AG Weser gearbeitet haben, denn die gab es durchaus. Sie arbeiteten unter anderem als Kranführerinnen und im Maschinenbau.

Die AG Weser wurde 1872 gegründet. Rund 1 400 Schiffe – zivile und militärische – baute die Mannschaft in Gröpelingen. 1983 wurde „Use Akschen“, größtenteils zum Krupp-Konzern gehörend, als Folge weltweiter Überkapazitäten im Schiffbau geschlossen. ELISABETH GNUSCHKE

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