Zwischen Schnoor & Schlachte

Die Kraft des Originals und der himmelblaue Kosmos

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Die Farbe Himmelblau verbindet die Objekte in der Ausstellung von Anja Schindler.

Bremen – Viele Wege führen ins Museum, aber keiner macht es so wie dieser. Himmelblaue Froschskulpturen leiten Besucher ins Ausstellungskabinett des Übersee-Museums und ins Schaumagazin  des Hauses. In diesen Räumen zeigt die Künstlerin Anja Schindler, in Bremen geboren und aufgewachsen in Weyhe, bis zum 3. November ihre Ausstellung „Naturalia Artistica“. Darin lässt sie ihre Kunstwerke mit der naturwissenschaftlichen Sammlung des Übersee-Museums in Dialog treten.

Das ermöglicht neue Blicke auf die Sammlung des Hauses – und einiges mehr. Schindlers Ausstellung mit ihren himmelblauen Schaukästen, Regalen und Fundstücken lenkt den Blick – ausgelöst gerade durch den Effekt der Verfremdung und Bearbeitung – auch auf den Wert des Originals. Und Originale zu verwahren, zu erforschen und zu präsentieren, das ist ja eine klassische Museumsaufgabe. „Ich bin eine große Verfechterin von Originalen“, sagt Schindler. Sie betont das im Zeitalter der Digitalisierung besonders. „Beim Original sieht man eine Patina, es hat eine Ausstrahlung. So ist zum Beispiel eine afrikanische Maske eben nicht nur einfach Holz.“ Originale haben auch Kraft. Schindler: „Ich habe schon als Kind in diesem Museum gestanden und die Bilder davon heute noch im Kopf.“

Fundstücke aus der Natur spielen in Schindlers Kunst eine wesentliche Rolle. Samen, Fischskelette, Blüten färbt sie himmelblau. Schätze werden in Öl eingelegt und in Flaschen verschlossen. Collagen, Nähte und Handschriften ergänzen dieses sorgsam durchkomponierte Sammelsurium, dieses in ein Himmelblau getunkte Abbild der Welt. Ein himmelblauer Kosmos ist es. „Ich versuche, die Geschichte, die Vergangenheit mit dem Heute zu verbinden“, sagt Schindler. „Ich bin der Meinung, dass alles auf diesem Planeten zusammengehört.“ Und diesen Zusammenhalt – mithin: die Natur – gilt es zu schützen. Das ist die Botschaft, die Schindlers Arbeiten durchdringt.

Zwei Jahre lang hat die Künstlerin ihre Ausstellung vorbereitet – im regelmäßigen Austausch mit dem Biologen Dr. Volker Lohrmann, Sachgebietsleiter der Insektenkunde am Übersee-Museum. Ihn freut es unter anderem, dass Schindlers Arbeiten auch das Schaumagazin wieder in den Fokus rücken, denn hier lasse sich die Verletzlichkeit der Natur deutlich zeigen. „Die Folgen des Klimawandels, die Folgen der Ausbringung von Pestiziden in der Landschaft oder auch des globalen Flächenverbrauchs lassen sich über die naturkundlichen Sammlungen der Museen sehr gut belegen.“

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