Zwischen Schnoor & Schlachte

Koschnicks Stadtmusikanten

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Die Bremer Stadtmusikanten als Handpuppen – einst gekauft vom Ehepaar Koschnick.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. 200 Jahre Bremer Stadtmusikanten – ein Jubiläum, das vielerorts gefeiert und gewürdigt wird in diesem Jahr. Da darf das Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte – sprich: das Focke-Museum in Schwachhausen – nicht fehlen. Folglich hat man sich dort etwas einfallen lassen. „Zwei Interventionen in der Dauerausstellung und im Kindermuseum sowie ein Vortrag eröffnen unterschiedliche Blickwinkel auf die Stadtmusikanten“, formuliert eine Sprecherin des Hauses.

„Ich gehe nach Bremen und werde dort Stadtmusikant“, sagt in Grimms Märchen der Esel zum Hund. Esel, Hund, Katze und Hahn kommen allerdings nie in Bremen an (außer als Denkmal). Tatsächlich aber hat es Stadtmusikanten in Bremen gegeben. Die „Intervention historisch“ (zu sehen bis 30. September) in der Dauerausstellung und ein Vortrag lüften das Geheimnis: Die „real existierenden“ Bremer Stadtmusikanten waren vom 16. bis ins 18. Jahrhundert hinein vor allem: der Ratsmusikmeister und seine drei bis fünf Gesellen. „Sie gehörten damit zu einer der kleinsten Zünfte Bremens und waren als vom Rat angestellte Musiker für die offizielle Musikausübung der Hansestadt zuständig“, heißt es im Focke-Museum.

Stadtmusikant zu sein, das war eine anspruchsvolle Aufgabe. Die Musikanten mussten alle gebräuchlichen Instrumente der Zeit beherrschen – mit Ausnahme der Tasteninstrumente, für die waren die Organisten zuständig. Gespielt wurde unter anderem bei Hochzeiten der höheren Stände. Dass dies dennoch nicht zu einer besonderen Achtung des Musikerstandes führte, ist ein Thema des Vortrags von Dr. Oliver Rosteck. Der Musikwissenschaftler und Musikpädagoge spricht am Sonntag, 31. März, um 11.30 Uhr im Focke-Museum. Rosteck beschäftigt sich nicht allein mit den Ratsmusikanten, sondern auch mit ihren zeitgenössischen Kollegen – und Konkurrenten. In der Dauerausstellung sind dazu passend zwei historische Gemälde von Hochzeitszügen mit den Bremer Ratsmusikanten zu finden – und eine Zugposaune aus dem Besitz eines der letzten Stadtmusikanten. Sie wurde 1723 von dem Leipziger Instrumentenbauer Heinrich Eichentopff gefertigt. Ihr mutmaßlicher Besitzer war Hermann Harmsen, der im selben Jahr das Amt des Turmbläsers von St. Ansgarii und das eines Ratsmusikmeisters von seinem Vater übernommen hatte.

Die „Intervention märchenhaft“ im Kindermuseum im Haus Riensberg zeigt derweil, wie die Stadtmusikanten Einzug in Kinderzimmer weltweit hielten und wie sie damit zur Bekanntheit Bremens beitrugen. Ausgestellt sind unter anderem vier detailverliebt gearbeitete Handpuppen von Esel, Hund, Katze und Hahn. Der spätere Bürgermeister Hans Koschnick (SPD, 1929 bis 2016) und seine Frau Christine kauften sie einst für ihren Anfang der 60er Jahre geborenen Sohn in der Böttcherstraße.

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