Zwischen Schnoor & Schlachte

Das „Kübelkind“ kommt in den „Brodelpott“

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Im roten Kleid spielt Kristine de Loup die „Geschichten vom Kübelkind“.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Es war eine Zeit, in der noch nicht jeder eine (als Mobiltelefon getarnte) Kamera mit sich herumtrug. Eine Zeit, in der sehr gerne experimentiert wurde. Und wenn mal etwas nicht gelang, dann war es wenigstens interessant gewesen.

Meistens jedenfalls. Wovon reden wir? Vom Ende der 60er, vom Anfang der 70er Jahre. Da war der Regisseur und Autor Edgar Reitz, der Jahre später mit der Hunsrück-Trilogie „Heimat“ bekannt werden sollte, mit der Regisseurin, Drehbuchautorin und Filmproduzentin Ula Stöckl unterwegs. Die beiden machten – na, was wohl? Klar, ein Experiment. Ein Filmexperiment.

Die „Geschichten vom Kübelkind“ – so der Titel des Experiments – waren als Serie konzipiert und für Kneipenkinos gedacht. Das Publikum sollte dort (wie aus einer Speisekarte) wählen, welche Folgen es sehen wollte. Reihenfolge: egal. Die 25-teilige Kurzfilmreihe entzog sich ohnehin den gängigen Seh- und Sendegewohnheiten. Die kürzeste Episode dauert eine Minute, die längste 25 Minuten. Die Hauptfigur, gespielt von Kristine de Loup, trägt ein rotes Kleid und ist mal Kind, mal Frau. Reitz und Stöckl experimentierten, spielten herum und schufen ein Kunstwerk, das um den Einfluss von Macht und Strukturen auf die menschliche Entwicklung kreist. 1971 wurde es auf der Berlinale gezeigt.

Im vergangenen Jahr war die Reihe noch einmal auf dem Festival zu sehen – in einer restaurierten Fassung. Anlass waren die Ehrungen zum 80. Geburtstag von Ula Stöckl. Und diese (tatsächlich: digital restaurierte) Version geht nun auf Tour, auf „Kneipenkinotour“. Dabei kommt sie auch nach Bremen. Nicht direkt in eine Kneipe, wohl aber an einen Ort, an dem man an zeitgeschichtlichen Entwicklungen und Experimenten stets sehr interessiert ist. 

Die „Geschichten vom Kübelkind“ sind im Kulturhaus Walle („Brodelpott“, Schleswiger Straße 4) zu sehen – und zwar am Freitag, 29. März, um 20 Uhr. Mögliche Gesamtlänge: 220 Minuten – kommt ganz darauf an, was das Publikum aus der Karte auswählt. . . Eintrittspreis: fünf bis zehn Euro nach Selbsteinschätzung. Moderation: Judith Behre und Cornelia Pirsig. „Wir freuen uns sehr, dass wir Teil der ,Kneipenkinotour‘ sind“, sagt Thomas Böker vom Kulturhaus Walle. Der Freitagabend im „Brodelpott“, er wird – na, klar – ein Experiment.

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