Selbsthilfegruppe „Anti-Dementi“ bietet Demenzkranken Raum zum Austausch

Zwischen Scham und Angst

Bremen - Von Viviane Reineking. Vor drei Jahren bekam Sigrid Evers (Name von der Redaktion geändert) die erschreckende Diagnose Demenz. Alleine sein wollte die heute 78-Jährige damit nicht. „Sich zurückzuziehen, ist das Schlimmste, was man machen kann“, ist sie sich sicher. Stattdessen gründete die Bremerin eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit beginnender Demenz.

„Geschockt und bedrückt“ sei sie nach der Diagnose gewesen. Als gelernte Krankenschwester weiß sie, was die Krankheit bedeuten kann. Sie stellt fest: „Für Angehörige von Betroffenen gibt es eine ganze Reihe von Austauschmöglichkeiten.“ Doch eine Gruppe für die Erkrankten selbst sucht sie vergeblich. Um sich gegenseitig Mut zu machen und Erfahrungen mit Ärzten, Medikamenten und der Reaktion der Familie auszutauschen, initiiert sie vor rund zwei Jahren mit Unterstützung der Bremer Heimstiftung die Selbsthilfegruppe „Anti-Dementi“.

Doch obwohl Demenzen – es gibt unterschiedliche Formen, darunter Alzheimer – mittlerweile vermehrt thematisiert werden, ist die Gruppe von anfangs zwölf Teilnehmern beträchtlich geschrumpft. „Vielleicht“, mutmaßt sie, „gehört es zur Krankheit dazu, dass sie von den Betroffenen verdrängt wird.“

Evers möchte neue Mitstreiter motivieren, sich in der Gruppe auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Denn Angst, Scham, Wut, Verunsicherung, das Gefühl, die eigene Krankheit überspielen zu müssen und nicht zuletzt der Eindruck, nicht mehr ernstgenommen zu werden – Betroffene haben mit vielfältigen Emotionen und Reaktionen zu kämpfen.

Auch wenn eine zweite Untersuchung bei Sigrid Evers zwei Jahre später zu einem gegensätzlichen Ergebnis kommt und keine Erkrankung festgestellt wird, engagiert sich die aktive Frau weiter. Dass sie sich selbst einige Dinge notieren muss, damit sie ihr nicht entfallen, findet die ältere Dame nicht beunruhigend: „Ich habe nicht den Eindruck, dass ich beängstigend vergesslich bin.“ Trotzdem habe sie in einer Vorsorgevollmacht Wichtiges geregelt, falls sie einmal doch nicht mehr dazu in der Lage sein sollte. Um sich geistig fitzuhalten, frischt sie das noch zu Schulzeiten gelernte Russisch auf, liest viel und spielt Klavier.

Die kostenlosen Treffen von „Anti-Dementi“ finden jeden letzten Mittwoch im Monat von 15.30 bis 17 Uhr in der Innenstadt statt. Eine Anmeldung ist montags bis freitags von 14 bis 17 Uhr unter der Rufnummer 0421/79 48 498 möglich.

Anlaufstellen für Betroffene und Familien

Bei der Demenz-Informations- und Koordinationsstelle (DIKS) gibt es neben Auskünften zum Krankheitsbild Informationen über Hilfsangebote, Formalitäten und Beratung in Überlastungssituationen. Eine „Help-Line“ für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz ist montags bis freitags von 14 bis 17 Uhr unter der Telefonnummer 0421/79 484 98 zu erreichen. Weitere Infos unter http://www.diks-bremen.de.

Die Initiative „Aktiv mit Demenz“ setzt sich für die aktive gesellschaftliche Teilhabe von Demenzkranken ein. Unter http://www.bremer-heimstiftung.de (Rubrik „Termine“) lässt sich das aktuelle Programm der „Werkstatttermine“ herunterladen, dazu sind Kontaktdaten von zahlreichen Angehörigengruppen aufgelistet.

Beim Caritas Forum Demenz (http://www.caritasforumdemenz.de) gibt es Ansprechpartner unter anderem auch in Diepholz. Einen allgemeinen „Wegweiser Demenz“ mit Anlaufstellen und einer Möglichkeit zum Online-Austausch bietet das Internetportal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter http://www.wegweiser-demenz.de. · vr

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