Straßennamen erzählen Geschichten (412): Der Breitenweg und die Verkehrsentwicklung in der Hansestadt

Zwischen Hochstraße und Lebensqualität

Kreiszeitung Syke

Bremen - Von Thomas Kuzaj· Schön ist er nicht, und wenn er mal in die Schlagzeilen kommt, dann sind die meisten auch nicht so schön. Gleichwohl ist der Breitenweg eine wichtige Verkehrsachse der Stadt, und er wird entsprechend häufig befahren.

Wobei die meisten, die ihn nutzen, hier auch möglichst schnell wieder verschwinden wollen – nicht nur, weil sie‘s vielleicht eilig hätten, sondern weil der Breitenweg eben auch kein Ort ist, der zum Bummeln und Verweilen einlädt. Das ist schade, denn mit seiner Nähe zum Hauptbahnhof, zum Übersee-Museum und zu den Kultureinrichtungen im Bereich des Güterbahnhofs hätte der Breitenweg ja Potenzial für mehr. Aber das kann nicht genutzt werden. Der Breitenweg könnte für alle, die aus Richtung Bahnhof kommen, ein einladendes Tor zur Innenstadt sein. Doch dieser Weg ist buchstäblich versperrt.

Das liegt unter anderem am Beton. Die Hochstraße über dem Breitenweg versperrt nicht nur historische Sichtachsen – etwa einen freien Blick auf den Hauptbahnhof. Sie beherrscht den Breitenweg und macht weite Teile dieser Straße dunkel und unwirtlich – und das mitten in der Stadt. Ist das nicht eine vergebene Chance, eine städtebauliche Sünde?

Als der grüne Bau-, Umwelt- und Verkehrssenator Reinhard Loske vor einigen Jahren davon sprach, die Hochstraße abzureißen und den Breitenweg auszubauen, brach der übliche Sturm der Entrüstung los. Es war ein so reflexhafter wie erwartbarer Protest. Sicher: Bremen braucht Platz für motorisierten Verkehr. Ein Abriss wäre teuer. Aber vielleicht kann man ja auch mal – ohne Denkverbote – darüber nachsinnen, ob es nicht möglich wäre, diesen Verkehr in andere Bahnen zu lenken? Ein Breitenweg ohne Hochstraße jedenfalls könnte auch ein Gewinn für die bremische Innenstadtentwicklung sein.

Die Geschichte des Breitenwegs ist eng mit der Verkehrsgeschichte verbunden. Sie beginnt in der Mitte des 19. Jahrhunderts, zur Zeit der Industrialisierung und des aufkommenden Eisenbahnverkehrs. Der Name der Straße ist ein sprechender Name, also sozusagen Programm – es ging den Planern des 19. Jahrhunderts darum, den Verkehr vor dem Bahnhof aufzunehmen, ihn zu ordnen und zu verbessern. Und darum, Platz für eben diesen Verkehr zu schaffen.

Zugleich war der Breitenweg in jenen Zeiten aber auch ein Ort der Lebensqualität. Ein Beispiel dafür war das im Dezember des Jahres 1877 eröffnete Breitenwegbad. Die Einrichtung mit „Herrenschwimmhalle“ war von Beginn an ein Publikumserfolg. Das Haus hatte auch Medizinbäder und Duschen – und eine schöne Galerie, von der aus Besucher einen schönen Blick aufs Badetreiben hatten. Schon 1889 musste das Bad erweitert werden; allerlei Modernisierungen folgten in den nächsten Jahrzehnten. Im Kriegsjahr 1944 wurde das Breitenwegbad durch Bomben beschädigt. Nach dem Krieg öffnete es zunächst wieder – wurde aber im Jahr 1952 geschlossen und abgerissen.

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