„Zwischen Apfelsinen, Motoren und Zement“: Ein Bremer Seemann erinnert sich an seine Jahre an Bord

Aus einer untergegangenen Welt

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Blick in das Buch „Apfelsinen, Motoren und Zement“.

Bremen - Schlägereien in der Hafenkneipe, lange Liegezeiten im Hafen mit reichlich Zeit für Privates, Havarien, Stürme und Streiche unter Kollegen – von Bremen aus hat Klaus Peter May als Seemann fast die ganze Welt bereist. Jetzt schrieb er seine Erlebnisse auf.

Es sind Erinnerungen an eine – wie May im Vorwort selbst sagt – längst untergegangene Arbeitswelt, geschildert aus Sicht eines Beschäftigten. Von 1962 bis 1974 hat May auf verschiedenen Schiffen gearbeitet – anfangs als Reiniger im Maschinenraum, später als Leitender Maschinist. Es waren Zeiten, die vielen heute als goldene Jahre der Seefahrt gelten. Die letzten Jahre, bevor sich die Containerfrachter endgültig durchsetzten mit ihrem wirtschaftlicheren Betrieb. Die neue Zeit sparte Ressourcen und Personal. Und sie musste mit viel weniger „Seemannsromantik“ auskommen.

Reparaturarbeiten während eines Orkans, Devisenschmuggel im Ostblock, Scharmützel mit nigerianischen Soldaten – May hat (wie so viele seiner Kollegen in jenen Zeiten) allerhand erlebt. Und er hat es aufgeschrieben. May führte Tagebuch. Jahrzehnte später hat er aus diesen Tagebüchern den nun vorliegenden Band gemacht, der – mit etlichen zeitgenössischen Fotos – unverstellte Einblicke in die Arbeitswelt eines Mannes gibt, der unter anderem für die Bremer Schlüssel-Reederei, die DDG „Hansa“ und die Retzlaff-Reederei gefahren ist. Das liest sich oft wie eine maritime Zeitreise. Zugleich reflektiert May das damals Erlebte.

May, Jahrgang 1942, wuchs in der DDR auf. Nach seiner Flucht in die Bundesrepublik absolvierte er eine Lehre als Dreher. Dann folgte die Seefahrtszeit. Später arbeitete er als Techniker, zuletzt als Abteilungsleiter bei einem kommunalen Betrieb in Bremen.

Klaus Peter May: „Apfelsinen, Motoren und Zement – Im Einsatz auf den Weltmeeren“ (Edition Temmen, 160 Seiten). Preis: 19,90 Euro.

kuz

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