Kulturkirche St. Stephani

Zweite Bestattung für Bremer Mittelalter-Skelette

700 Jahre lang ist das Areal an der Kirche ein Friedhof gewesen.
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700 Jahre lang ist das Areal an der Kirche ein Friedhof gewesen.

Gebeine und Skelette von mehr als 500 Toten haben Archäologen an der Kulturkirche St. Stephani (Faulenquartier) freigelegt. Nun sollen sie an anderer Stelle erneut bestattet werden.

Bremen – Zur Wiederbestattung gibt es am Donnerstag, 1. Juli, eine Andacht in der Kulturkirche, die um 11.30 Uhr beginnt. Woher stammen die vielen Toten? Nun, das Areal ist 700 Jahre lang ein Friedhof gewesen – der Friedhof an St. Stephani. Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) will dort die Stephani-Terrassen erweitern, den Aufgang zur Kirche dabei zu Schlachte und Weser hin öffnen. Die Arbeiten dauern noch bis in den Herbst hinein.

Geplant sei es, nach Ende der gesamten Baumaßnahmen eine Hinweistafel anzubringen, die an den früheren Friedhof und die gefundenen und jetzt würdig wieder bestatteten Gebeine erinnert, hieß es weiter. Ihre aller Voraussicht nach nun tatsächlich letzte Ruhe finden die Gebeine nicht weit vom Fundort auf der Grünfläche vor dem Nordschiff von St. Stephani.

Zunächst einmal aber waren die Archäologen an der Reihe. Wegen der Friedhofs-Vergangenheit waren Knochenfunde hier bereits erwartet worden. Aber nicht dermaßen viele. Die Menge habe die Experten überrascht, so Dr. Dieter Bischop, der bei der Landesarchäologie für die Stadt zuständig ist.

Knochenfunde geben Hinweise auf hartes Leben im Bremer Stephaniviertel

Studenten halfen dabei, die Skelettreste zu sammeln. Anschließend wurden sie fachgerecht geordnet und untersucht – beispielsweise hinsichtlich Alter, Verletzungen, Todesursache. „Die Knochenuntersuchung durch die Anthropologin Swantje Krause gab Hinweise auf das harte Leben der nicht sehr begüterten Bevölkerung des Stephaniviertels“, so BEK-Sprecherin Sabine Hatscher.

Etliche Gelenke und Wirbel weisen arthrotische Veränderungen auf. „Knochenbrüche und Entzündungen waren nicht ungewöhnlich und weisen zum Teil auf Infektionskrankheiten hin“, heißt es bei der BEK. Die bestatteten Kinder litten an Mangelerscheinungen. Ihnen fehlten zum Beispiel die Vitamine C und D, was Krankheiten wie etwa Rachitis hervorrufen konnte. Die Gräber wurden bis auf kleine Ausnahmen wie Knöpfe und Stecknadeln des Totenhemds ohne Beigaben gefunden. Nur wenige Särge waren besonders mit Sarggriffen ausgestattet.

Geordnet allerdings war vieles nicht mehr. Durch Bomben, die eigentlich auf die Weserbrücke abzielten, sind im Zweiten Weltkrieg die meisten Gräber des ehemaligen St.-Stephani-Friedhofs aus ihrer ursprünglichen Lage gerissen worden – nur etwa 30 nach Osten und Westen ausgerichtete Gräber konnten noch komplett anthropologisch dokumentiert werden, so die Experten. Den Rest der Gräber hatten die Kriegsbomben förmlich durcheinandergewirbelt.

Areal an St. Stephani 700 Jahre lang Friedhof

Der Boden rund um St. Stephani war etwa 700 Jahre lang als Friedhof genutzt worden. Die Kirche, errichtet auf einer Erhebung der Bremer Düne, geht auf das Jahr 1139 zurück. Und eben von Beginn an dürfte hier auch ein Friedhof gewesen sein – bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.

Aufgegeben wurde der Friedhof dann in der „Franzosenzeit“ (Dezember 1810 bis Oktober 1813), als Napoleon über Bremen herrschte. Napoleon verbot Bestattungen in der Altstadt aus Gründen der Hygiene. Bestattet wurde fortan außerhalb des bremischen Altstadtkerns. „Es wurden Begräbnisplätze am Doventor und am Herdentor eröffnet“, so Kulturpastorin Diemut Meyer.

Archäologe spricht zur Wiederbestattung der Gebeine

Meyer gestaltet die Andacht zur Wiederbestattung am 1. Juli gemeinsam mit Pastorin Annette Quade von der Gemeinde St. Michaelis und St. Stephani. Für die Landesarchäologie wird Bischop sprechen. Zudem gibt es Statements von Studenten unterschiedlicher Religionen – jener Studenten, die gemeinsam mit Ehrenamtlichen der Landesarchäologie die Gebeine der Toten in den zurückliegenden Monaten vorsichtig aus dem Erdaushub ausgegraben und gesichert haben.

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