Zwei Schaufenster erinnern jetzt an die Bremer Jahre von Friedrich Engels

Kommunist lockt Besucher

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Was für eine Enthüllung! Drei Herren ziehen die rote Fahne – Verzeihung: den roten Vorhang – weg, und die beiden Engels-Schaufenster kommen zum Vorschein. Von links gesehen: Peter Siemering, Geschäftsführer der Bremer Touristik-Zentrale, der Bremer Autor und Engels-Experte Dr. Johann-Günther König und der Schauspieler Christian Bergmann von der Bremer Shakespeare-Company als junger Friedrich Engels.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Der Mann ist, das darf man sagen, weltberühmt geworden. Mit Karl Marx hat er 1847/48 das Kommunistische Manifest verfasst. Gestern haben die Bremer dem Journalisten, Gesellschaftstheoretiker und Philosophen Friedrich Engels (1820 bis 1895) ein Denkmal eingerichtet. Es soll Touristen anlocken.

Der Revolutionär als Bremer Touristenattraktion – was hat das zu bedeuten? Nun, Engels hat wenige, aber prägende Jahre in Bremen verbracht. Der spätere Mitbegründer des wissenschaftlichen Sozialismus war als sehr junger Mann an die Weser gekommen.

Sein Vater, ein erfolgreicher Textilunternehmer, hatte ihn hier in die kaufmännische Lehre geschickt – bei dem Exportkaufmann Heinrich Leupold, der mit Leinen, Kaffee und Zigarren handelte und sein Kontor an der Martinistraße hatte, lernte der junge Engels von 1838 bis 1841. Und just hier, Ecke Bredenstraße, gegenüber von der Martinikirche (dort wohnte der Kaufmannslehrling bei Familie Treviranus im Pastorenhaus), wurden gestern zwei Engels gewidmete Schaufenster feierlich enthüllt.

Mit Elan dabei: Peter Siemering, Geschäftsführer der Bremer Touristik-Zentrale. Dass Siemering eines Tages Werbung für den Kommunismus machen würde, wer hätte das geahnt? Der so Angesprochene reagiert mit einer Differenzierung: „Wir reden über einen Ziehsohn der Stadt und nicht über den Kommunismus.“

Gut, ja, es ist der Vor-Marx-Engels, der in Bremen lebte und wirkte. Die Ausbildung in Leupolds Kontor, sie langweilte ihn allerdings. „Heute einen furchtbar langweiligen Tag gehabt“, schrieb er zum Beispiel 1839 in einem Brief. Engels begann, als Journalist aus Bremen zu berichten. Unter dem Pseudonym Friedrich Oswald berichtete er für die Augsburger Allgemeine Zeitung. Er beschäftigte sich unter anderem mit aktuellen Themen der Schifffahrt. Und mit Bremen – so etwa 1840 im „Morgenblatt für gebildete Leser“: „Im Uebrigen ist das hiesige Leben ziemlich einförmig und kleinstädtisch.“

Die Bremer Briefe und Schriften des jungen Friedrich Engels hat der Bremer Autor Dr. Johann-Günther König gründlich erforscht. 2007 veröffentlichte er im Kellner-Verlag den 600-Seiten-Band „Friedrich Engels – Die Bremer Jahre 1838 bis 1841“. Das weltoffene Bremen bot Engels die Grundlage für einen Entwicklungssprung, heißt es.

König war nun auch der Ideengeber für die beiden Engels-Schaufenster, sagt Maike Lucas, Sprecherin der Bremer Touristik-Zentrale.

Die Touristik-Fachleute nahmen die Anregung dankbar auf, denn: „Besucher aus China sind ganz wild auf Engels. Das haben wir auch aus Wuppertal gehört.“ Wuppertal? Engels wurde in Barmen, das seit 1929 zu Wuppertal gehört, geboren. Nun haben die chinesischen Gäste auch in Bremen eine Anlaufstelle, an der sie ihre Begeisterung für Engels ausleben können. In dem einen der beiden Schaufenster wird in deutscher und englischer Sprache über Engels‘ Bremer Jahre informiert – und in dem zweiten findet sich ein Text auf Mandarin.

Bremen erfreut sich steigender Beliebtheit bei Touristen aus China. Von 2003 bis heute verdreifachte sich die Zahl der Übernachtungen aus China auf inzwischen knapp 10000 pro Jahr. „Viele dieser Gäste reisten bisher auf den Spuren der in China sehr beliebten Stadtmusikanten entlang der Deutschen Märchenstraße. Mit den neuen Engels-Fenstern haben wir nun aber eine weitere Attraktion für diese Zielgruppe“, so Siemering. Engels ist eben weltberühmt.

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